Cellar Darling

The Spell

  • Artist: Cellar Darling
  • Album: The Spell
  • Label:
  • Release: 2019-03-22
  • Medium:
  • Bewertung:1

Cellar Darling treten mit ihrem zweiten Album „The Spell“ eindrucksvoll aus dem grossen Schatten ihrer früheren Band, den Schweizer Folk-Death-Metallern Eluveitie. Und zwar so was von! Der Nachfolger des Debüts „This Is The Sound“ von 2017 kommt als in jeglicher Hinsicht monumentales Konzeptalbum daher. In jeglicher Hinsicht deshalb, weil „The Spell“ als ganzheitliche Erfahrung gemeint war und tatsächlich auch so funktioniert. Von den einzelnen Songs, die wie die Akte eines in sich abgeschlossenen Theaterstücks wirken bis zum optischen Konzept des rumänischen Grafikdesigners Costin Chioreanu. Chioreanu hat nicht nur zu jedem Lied ein Artwork, sondern zusätzlich mehrere, traumhafte animierte Musikvideos entwickelt.

„Das Album erzählt die Geschichte eines namenlosen Mädchens, das in eine Welt hineingeboren wird, die schmerzgepeinigt und geschwächt von den Menschen ist, die in ihr leben. Wir folgen dem Mädchen, während sie nach einem Sinn für ihr Leben sucht, als sie plötzlich dem Tod begegnet und sich in ihn verliebt – was zu einem überraschenden und doch offenen Ende führt.“

Aber nicht nur konzeptionell, sondern auch stilistisch ist „The Spell“ nochmals ein Riesensprung nach vorne für das Schweizer Trio. Sicherlich, die „Kernrezeptur“ ist ähnlich geblieben. Da ist natürlich zunächst Anna Murphys wundervolle, mal sanfte, mal kraftvolle Stimme sowie die Drehleier, die Streicher, die Flöten und anderen Folklore-Instrumente. (Ganz verleugnen können Cellar Darling ihre „Herkunft“ aus dem Umfeld von Eluveitie immer noch nicht. Müssen sie allerdings auch nicht, denn das hier ist so eigenständig, wie es nur sein kann). In Kontrast gesetzt wird dieses „Grundgerüst“ auf dem neuen Album aber mehr als zuvor von den harten Gitarrenpassagen von Ivo Henzi, was dem Gesamtergebnis eine bezaubernde, beinahe greifbare Intensität und Dynamik verleiht.

Die Songs sind jeweils eigene, kleine Kunstwerke. So sind beim Opener ‚Pain‘ die Riffs drängend, Anna Murphys Stimme schmerzgequält. ‚Death‘ ist düster, aber nicht bedrohlich, der Drumbeat unaufhaltsam wie der Tod, aber ruhig. Das Flötensolo scheint gar Trost zu spenden. Der Text ist unmissverständlich:

Here I am, I’ve come for you.
Look me in the eyes and tell me your name.
You and I will go away
You will see the sun rise
For the last time.

Die zentrale, kraftvolle gesungene Gesangslinie von ‚Love‘ strahlt geradezu liebreizend über die Streicher hinweg. Bei dem orientalisch angehauchten ‚The Spell‘ erscheint Murphy als betörende Magierin vor dem inneren Auge, die zu einem Zauberspruch in magischem Singsang anhebt. ‚Burn‘ verwebt meisterhaft Drehleier, beklemmende Gitarrenriffs und gepeinigte Screams aus dem Background. Vor dem inneren Auge sieht der einfühlsame Hörer die Flammen brennen.

‚Sleep‘ ist die sanfteste Ballade, die man sich vorstellen kann, allein getragen von Piano und Murphys Stimme. Betörend schön wie ein traumloser, tiefer Schlaf. ‚Insomnia‘ setzt selbstredend den akustischen Gegenpol: Abgehackte Rhythmen von Gitarre und Drums, eine sich geradezu ins Ohr bohrende Tonfolge auf der Drehleier und einmal mehr der eindringliche Gesang von Anna Murphy lassen keine Ruhe, keinen Schlaf zu. ‚Freeze‘ erhält durch eine simple, leicht elektronische Hall-Verfremdung des Gesangs tatsächlich die Wirkung von eisiger Kälte. Einfach wunderbar, wie stark die drei Schweizer Musiker die assoziierten Gefühle zum jeweiligen Songtitel beim Hörer bewirken.

„The Spell“ ist nicht weniger als ein Kunstwerk auf jeder denkbar möglichen Ebene. Nicht nur schaffen es Cellar Darling mit ihrem Zweitwerk, etwas ganz besonderes, so vermutlich noch nie zuvor Gehörtes zu erschaffen. Das Schweizer Trio tritt damit auch eindrucksvoll auf die internationale Bühne der progressiven Rockmusik mit Folklore-Elementen. „The Spell“ ist so magisch, wie es sein Titel impliziert.

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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