Marhold

A Homemade World

  • Artist: Marhold
  • Album: A Homemade World
  • Label:
  • Release: 2020-05-22
  • Medium:
  • Bewertung:1

Rund zehn Jahre nach ihrer Gründung, vier EPs und zahlreichen Konzerten in der Heimat (bei denen die Band dem Autor dieser Zeilen bereits in der Vergangenheit als vielversprechend aufgefallen war) legen die Progressive-Alternative-Rocker Marhold aus Thun in der Schweiz ihr Debütalbum „A Hommade World“ (Eigenproduktion) vor. Und das quirlige Quartett um Sängerin und Violinistin Aleksandra Poraszka setzt damit ein fettes Ausrufezeichen, das sie über die Ländergrenzen hinaus bekannt machen dürfte.

Stilistisch ist man an den Schnittmengen von (modernem) Progressive Rock, Alternative Rock und klassischer Musik positioniert. Letztere trägt in Form von Poraszkas Piano- und Violinen-Einlagen erheblich zum besonderen Touch des Albums bei, der ausgezeichnet zu den kontrastierenden Alternative-Rock-Elementen passt.

Das Konzeptalbum, das die Menschheit und die Auswirkungen ihres Handelns auf die (Um)welt thematisiert, ist nicht nur lyrisch ambitioniert, sondern auch musikalisch vielseitig und anspruchsvoll. Was nicht bedeutet, daß die zwei Damen und zwei Herren nicht gewaltig rocken! Daß das Album zu einem Zeitpunkt erscheint, in der die Menschheit beinahe welteit gerade aus einem knapp zweimonatigen „Lockdown“ aufgrund des Corona-Virus herauskommt, ist ein zusätzliches Menetekel. Die Marketing-Abteilung eines Plattenlabels hätte das nicht besser planen können. Die metaphorische Weggabelung, die der Menschheit die Zukunft in beide Richtungen (noch) offen läßt, liegt auch optisch auf der Hand.

Das wundervolle Cover-Artwork zeigt in einem futuristischen Szenario qualmende Kamine und Kühltürme von Atomkraftwerken, aber auch viel Grün und eine stahlende Sonne. Letztere eröffnet in Form des wunderschön umgesetzten und sehr ausdrucksstarken Klassik-Instrumental-Intros „Sunrise“ mit Klavier und Streichern das Album. Das melodische Thema der Violine wird, im Titelsong „Homemade“ um Marc-Alain Gertschs Gitarrenriffs und Porazskas warmen Gesang erweitert, wieder aufgegriffen. „Our Mind“, dem die Band ein optisch eindrucksvolles Musikvideo gewidmet hat, ist ein hochemotionaler Rocker mit einem nachdenklichen Unterton. Das Instrumental-Stück „Hymenoptera“ thematisiert das in den letzten Jahren immer drängender werdende Insektensterben in einer rockigen Reminiszenz an Rimski-Korsakoffs „Hummelflug“. Die gesamte Truppe – Bass- Schlagzeug, Violine und Gitarre tragen ihren Anteil zum Stück bei – genial!

„Whirls in the Sky“ spiegelt die Liebe der Band zum Alternative Rock der Neunziger wider, „Power of Nature“ lässt mit dezenten Elektro-Elementen und verzerrtem Gesang ähnliche Assoziationen aufkommen, während Riffs und Drums kraftvoll schwermetallisch darher kommen. In „Break Out“ flirtet Poraszka zunächst mit asiatischen Gitarrentönen, dann entfaltet sich eine wohlig-groovige Rock-Ballade. „Trapped“ erinnert mit Didgeridoo, Tribal-Touch und Violine zu Beginn an ein World-Musik-Stück, doch ein launiges Crescendo macht auch aus diesem Stück einen Rock-Kracher. „The Always Spinning Wheel“ präsentiert Gertsch und Poraszka in einem bittersüßen Duett, das ein wenig an The Gentle Storm, dem Projekt von Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen, erinnert. Der Rausschmeißer „World Crashing Down“ ist trotz des Namens ein versöhnlicher, hoffnungsvoller und vor Energie strotzender Ausblick in die Zukunft.

Der Mensch hat es tatsächlich in der Hand, wie es mit der Erde weitergeht. Jeder Einzelne hat es in der Hand, an „A Homemade World“ Anteil zu haben. Das ist im übertragenen Sinne vernünftig, und im Bezug auf das Debüt-Album von Marhold ein erstklassiger Ohrenschmaus für jeden Freund progressiver Rockmusik.

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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