ESELROCK-FESTIVAL – 3G bedeutet in Wesel Gehüpft, Getanzt und Gesungen

Eine kurze und freundliche 3G-Kontrolle – mehr erinnert beim Einlass zum EselRock in Wesel nicht an das leidige C-Thema. Ein feierfreudiges Publikum wartet auf der Rasenfläche, genießt die Sonne, die Bands und die moderaten Getränkepreise.

 

Betrayers of Babylon

Um 17.30 Uhr machen Betrayers of Babylon mit Ska-Klängen, in die sich immer wieder Jazz-Motive einmischen, auf sich aufmerksam und überzeugen die leider noch spärlich vorhandenen Zuhörenden. Schade, die Jungs hätten in ihrer halben Stunde Spielzeit mehr Aufmerksamkeit verdient.

 

Bernd Begemann

Ganz alleine, nur von seiner Gitarre begleitet, betritt der Hamburger Liedermacher Bernd Begemann die Bühne. Er singt seine bekannten Titel wie „Kelly Family Feeling“, „Du bist mein Niveau“ und die (selbsternannte) norddeutsche Hymne „St. Pauli“. Seine mitunter obskure Art, die Gäste zwischen den Liedern zu unterhalten, begeistert viele, lässt aber auch einige ratlos zurück – abgerissene Brusthaare des Künstlers, die von der Bühne gepustet werden, sind halt nicht jedermanns Sache!

 

FORTUNA EHRENFELD

Wer den Kölner Stadtteil Ehrenfeld musikalisch einzig mit Jan Böhmermanns Rundfunk-Tanzorchester in Verbindung bringt, hat in den letzten Jahren einiges verpasst. Das Trio Fortuna Ehrenfeld, wie immer in Schlafanzügen und Pantoffeln auf der Bühne, verzaubert das mittlerweile sehr gut gefüllte Gelände vom ersten Ton an. Besonders die harmonische Stimme von Keyboarderin Jenny Thiele, die als Kontrast zum eher raueren Organ von Frontmann und Gitarrist Martin Bechler dient, macht das Besondere aus. Ihre poppigen Lieder, in denen manchmal ein wenig die Neue Deutsche Welle durchblitzt, werden vielfach Wort für Wort mitgesungen, egal ob beim Opener „Stimmung, Gute Laune“ oder „Die Rückkehr zur Normalität“.

 

ITCHY

So langsam wird es dunkel, und von der Bühne strahlen fünf riesige LED-Buchstaben: I T C H Y. Die sympathischen Punk-Rocker aus dem Süden der Republik sind von der ersten Sekunde an heiß und reißen die Hütte ab. Gitarrist Sibbi turnt ständig auf den vorgelagerten Boxen, Bassist Panzer hüpft sich die Hacken wund, während Drummer Max sein Instrument verprügelt. Die Freude darüber, endlich wieder auftreten zu dürfen, sieht man ihnen nicht nur an, sie machen das auch schnell öffentlich. Panzer liefert sogar den Beweis dafür: Sibbi feiert am heutigen Tag seinen 40. Geburtstag, und er hat seine eigentlich in der Heimat geplante Party für den heutigen Gig abgesagt. Die Jungs spielen sich durch ihre Klassiker aus mehr als 20 Jahren Karriere, wobei auffällt, dass sie ihrem jüngsten (und erstmalig deutschsprachigen) Werk „Ja als ob“ nur drei Tracks gönnen. Der Rasen vibriert durchgehend von dem durchgehenden Gespringe und Getanze – hier bleibt kein Körper unbewegt zurück. „The Sea“ wird kurzerhand in der Masse auf dem Rasen gespielt und natürlich fehlt auch etwas später die obligatorische Surfeinlage auf dem Gitarrenkoffer nicht.

Bürgermeisterkandidat Sibbi

Mitten in der Show erklärt Sibbi – er sollte am Nachmittag den sackdummen und 100 Jahre alten Wesel-Bürgermeister-Witz erzählen – spontan seine Kandidatur für dieses Amt, was ihm Riesen-Applaus einbringt und zum Running Gag der Show wird. Mit „Why Still Bother“ und „Down Down Down“ enden dann die Zugaben und die verschwitzten Herren laden zur Geburtstagsfeier am Merchandise-Stand ein. Am Ende der extrem unterhaltsamen knapp 90 Minuten bleibt nur stark zu hoffen, dass es keinen Bürgermeister Sebastian Hafner geben wird und er mit seinen Mitstreitern weiter die Bühnen dieses Landes rockt.

Ein Riesen-Kompliment an das EselRock-Team, das komplett ehrenamtlich seit vielen Jahren dieses eintrittsfreie (!) Kleinod in der Festival-Szene auf die Beine stellt und dem es in diesem Jahr gelungen ist, ein großes Stück Normalität nach den letzten beiden Sommern wiederherzustellen!

 

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Fotos: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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