Alkaloid

The Malkuth Grimoire

  • Artist: Alkaloid
  • Album: The Malkuth Grimoire
  • Label: Eigenproduktion
  • Release: 2015-03-17
  • Medium:
  • Bewertung:1

Alkaloid sind eine neu gegründete, deutsche Progressive Extreme-Metal-Band, genau genommen das, was man als Supergroup bezeichnet. Alle Mitglieder sind oder waren ebenfalls Mitglied in anderen, bekannten Metal-Bands. Trotzdem hat Alkaloid mehr als einen „Projekt-Status“, die Mitglieder verstehen sich als „echte“ Band. Gegründet 2014 besteht die Band aus Hannes Grossmann und Christian Münzner, die dafür ihr Engagement bei Obscura beendeten, Florian Maier aka Morean von Dark Fortress, Danny Tunker von Aborted und Linus Klausenitzer, der weiterhin bei Obscura als Bassist aktiv bleibt. Ohne die Unterstützung eines Plattenlabels im Hintergrund hat die Band das Album folglich selbst produziert und veröffentlicht. Geldgeber war die für eine Label-Veröffentlichung zu kleine Zielgruppe, die für die Crowdfunding-Kampagne letzlich jedoch 19.000 Euro zur Verfügung stellte. Freunde progressiven Death-Metals sind scheinbar nicht nur im Bezug auf ihren Musikgeschmack fortschrittlich, sondern auch bei der Unterstützung von Underground-Projekten.

Alkaloid positionieren sich musikalisch als äußerst vielseitig und aufgeschlossen, könnten im Kern zur Orientierung jedoch als Progressive Extreme Metal bezeichnet werden. Morean, bekannt auch als Neoklassik-Komponist und Sänger in der deutschen Black-Metal-Band Dark Fortress, sieht sich als Brückenbauer zwischen den Stilen. So haben neben komplexen Death- und Blackmetal-Ideen auch Elemente (neo)klassischer Musik, Progressive Rock und Jazz Fusion ihren Platz auf „The Malkuth Grimoire“ gefunden. Und so viel sei bereits jetzt gesagt: Den fünf Deutschen Musikern ist damit ein großartiges und eigenständiges musikalisches Statement gelungen, was das selbstgesetzte Ziel der Band war. Im Bezug auf Bandnamen, Albumtitel und die Songtexte bilden die Grenzlinien zwischen Magie und Wissenschaft, spititueller und stofflicher Welt ein Rahmenthema. Der Fundus einzelner Songideen Maiers reicht dabei von den esoterisch-okkulten Theorien der Chaosmagie, Orgonenergie und Kabbala über die faszinierende Quantenphysik bis zu den literatischen Werken des berühmten Horror-Autors H.P. Lovecrafts. Daß dabei Ideen wie das Fließen sexueller Energie durch den menschlichen Körper (‚Orgonism‘) eine gewisse, ausgefallene Faszination entfalten, ist unbestreitbar. Die deutlich größere Faszination geht jedoch zweifellos von den über 70 Minuten Musik aus, die die fünf hervorragenden Musiker hier gemeinsam auf die Beine gestellt haben.

Mit dem vorab veröffentlichten ‚Carbon Phrases‘ geht es verhältnismäßig ruhig mit einem eingängigen akustischen Riff los – zumindest bis nach 90 Sekunden ein verzerrtes Riffgewitter losbricht. Morean bietet nach vorherigem mehrstimmigem Satzgesang die ersten Growls auf. Der Song kehrt immer wieder zum Grundthema zurück, daß aber in Stimmung und Details variiert wird. Ein mehr als gelungener Auftakt! Nach dem noch gnadenloseren ‚From A Hadron Machinist‘ mit unglaublich schnellen, intensiven Drums und den drei wunderbar verwobenen Gitarren folgt Maiers Hommage an ‚Cthulu‘. Wie man es von einem Song mit diesem Titel erwartet, mit bizarr jaulenden Horror-Gitarren und langsamen, schleppenden Grusel-Growls. ‚Alter Magnitudes‘ ist ein neoklassisches Gitarrensolo von knapp vier Minuten, bei dem auch Grossmann und Maier mitmischen dürfen. Hier läßt deutlich Münzners Gitarrenspiel grüßen, das er auch auf seinem letzten Solo-Album „Beyond The Wall Of Sleep“ so meisterhaft zelebriert hat. Das Eingangs bereits erwähnte ‚Orgonism‘ verströmt zu Beginn mit seinem gemächlichen Tempo hypnotisch-psychedlische Stimmung und Morean singt überwiegend klar, aber ein paar eingestreute Growls können ja nie schaden. Würde man von denen absehen, könnte man den Titel als psychedelischen Prog-Rock-Song bezeichnen. Der musikalische Vier-Akter ‚Dyson Sphere‘ mit fünfzehn Minuten erzählt eine eigene kleine Geschichte und bietet soviel mehr als fünfzehn Minuten erahnen lassen. Tranceartige, ruhig Phasen vermitteln wohliges Schauern, doch die nächste Explosion von Drums, dem Gitarren-Dreier und den schwarzen Growls sind immer nur ein paar Takte entfernt. Ein exzellent komponiertes 4-Gänge-Menü. Der Titelsong ist ein weiterer Kracher mit exzellenten Extreme-Metal-Zutaten, das Lied hat einen mitreißenden Groove und Gitarren-Leads, die Eingängigkeit mit der genau richtigen Prise Dissonanz würzen.

Was für eine Perle von einem Album! Hier hört man zu jeder Sekunde der über 70 Minuten, daß Meister ihres Fachs mit Passion am Werk waren. Musikalische Vielseitigkeit war das erklärte Ziel und Brücken zwischen Genres zu schlagen auf eine bisher noch nicht dagewesene Art. Vor allem Letztere Ankündigung konnte man als sehr ambitioniert bezeichnen. Umso erfreulicher, daß tatsächlich mehr daran ist, als nur die Fans mit geschickt platzierten Marketing-Sprüchen heiß gemacht zu haben. „The Malkuth Grimoire“ IST sehr vielseitig, es IST sehr hart und es IST einzigartig geworden. Das hier ist exzellenter Progressive Death Metal mit einer sehr eigenen Note. Das dürfte auch Live sehr, sehr opulent und schmackhaft werden.

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