THE HU – In jedem steckt ein Krieger!

Die Mongolei - weite Wüsten und Steppen. Das Land in Zentralasien hat die niedrigste Bevölkerungsdichte weltweit. Dafür ist es bekannt, und für Dschingis Khan und seine Reiterhorden, die im MIttelalter Eroberungszüge bis nach Europa durchführten. 2018 startete eine vierköpfe "Mongolenhorde" eine ganz andere Eroberung. The Hu sind die Erfinder des "Hunnu-Rock", der Verbindung von mongolischer Folklore und westlicher Rockmusik. Mit ihrer Schöpfung haben sie offenbar einen Nerv getroffen.

Vielen Metalfans dürftet ihr durch das stimmungsvolle Video zu eurem Song „Yuve Yuve“ vor rund einem Jahr das erste Mal aufgefallen sein. Der Song und das Video gingen viral und hat es inzwischen auf über 25 Millionen Aufrufe geschafft. Filmkenner dürften sich bei den Landschaftsaufnahmen und euren Lederkostümen vielleicht an „Tiger & Dragon“ erinnert gefühlt haben. Jener spielt in China – und mir ist bewusst, dass ihr aus der Mongolei stammt. Trotzdem: Gibt es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Völkern?

Wir sind alle menschliche Wesen.

Wie ging es mit eurer Band überhaupt los? Habt ihr akademische, musikalische Ausbildungen durchlaufen oder das Singen und Instrumente spielen im Rahmen eurer Familien gelernt?

Wir haben alle akademische Abschlüsse in Musik, Bachelor oder höher. Einige von uns haben schon in anderen Bands zusammen gespielt. Gala und Temka waren Klassenkameraden im Mongolischen Staatskonservatorium für Musik und Tanz seit sie 12 Jahre alt waren. In den letzten Jahren hatten Gala, Enkush und Jaya die mongolische Folkband Altain Orgil, mit der sie auch getourt sind. Als Folklore Musiker in der mongolischen Musikszene kennen wir uns schon mehr als zehn Jahre. 2016 haben die vier Bandmitglieder gemeinsam mit Dashka angefangen, an den ersten gemeinsamen Songs zu arbeiten. Das Schreiben und Arrangieren dieser Lieder hat uns dabei geholfen, den Sound zu finden, nach dem wir suchten.

Ihr habt euch dazu entschieden, eure Texte in Mongolisch zu verfassen. Wie kamt ihr zu dieser Entscheidung? War das ein bewusste, konzeptionelle Entscheidung oder stand auch einmal zur Debatte, Englische Texte zu verfassen?

Über Sprache machen wir uns keine Sorgen. Unsere Energie und Musik ist für alle Menschen gedacht, auch wenn sie eine Sprache sprechen, die wir nicht mit ihnen teilen. Vielen der grössten Opern wurden ursprünglich in Latein geschrieben und gesungen, das hat auch niemanden daran gehindert, sie anzuhören und zu geniessen. Wir hoffen, dass unsere Lieder und unsere Botschaft die Ebene der Sprache übersteigt. Für uns ist die Musik die ehrlicheste Art und Weise, unsere Botschaft rüberzubringen. Das ist uns sehr ernst und wichtig.

 

 

Man könnte euch als „Konzept-Band“ bezeichnen. Wie schafft ihr die ganzen Herausforderung zu bewältigen, die damit einher gehen? Ich macht sehr aufwendige Musikvideos, dann sind da eure Kostüme, eure ganz speziellen Instrumente und so weiter. Ist es überhaupt eine Herausforderung, ist es einfach „part of the deal“ oder geniesst ihr es vielleicht sogar?

Uns sind unsere Ahnen, eine ehrliche Botschaft, Schönheit und Inspiration wichtig. Die Hingabe an unsere Traditionen und deren Interpretationen sind es unserer Meinung nach, die es uns ermöglicht, mit Menschen von überall in Verbindung zu treten.

Die Legenden, die Mythen, die Geschichte und Kultur der Mongolei scheint ja ein essentieller Bestandteil eurer Texte zu sein. Eure Videos wirken sehr ästhetisch, aber teils auch recht martialisch. Ist das etwas, in der ihr eure Geschichte histortisch korrekt darstellt oder reinszeniert, oder habt ihr das bewusst gewählt, um eine Metal-Publikum anzusprechen?

Wir glauben daran, dass jeder einen Krieger in sich hat. Mit dem Song „Wolf Totem“ wollten wir diesen „inneren Krieger“ in uns allen zum Leben erwecken. Es geht darum, den Krieger in sich zu entdecken, sich seinen Ängsten zu stellen und sie zu überwinden. Die Hürden, die sich einem in den Weg stellen zu akzeptieren, sich ihnen zu stellen und als Gewinner hervorzugehen.

Wenn man die Rock- oder Metalelemente in eurer Musik betrachtet, ist das alles sehr rhythmusgetragen, groovig. Liegen eure Rock-Wurzeln auch im Groove-Metal, welche Bands haben euch in diese Richtung geprägt?

Unsere Wurzeln liegen sowohl in der klassischen, mongolischen Folklore, aber auch in bekannten westlichen Bands wie Metallica, Slipknot, Tool, System of a Down, Rammstein und viele mehr.

Es macht den Anschein, als ob ihr mit euren Touren und dem Album erfolgreich eine Karriere gestartet habt. Habt ihr Jungs noch andere Jobs, um euren Lebensunterhalt zu verdienen?

Nein, die Musik ist alles, was wir tun. Und zwar seit wir kleine Kinder sind.

Ihr habt gerade wieder bekannt gegeben, dass ihr 2020 nochmals nach Europa auf Tour kommt. Was sind eure Pläne darüber hinaus?

Wir lieben es, auf Tour zu sein! Wir wollen einfach mit dem was wir jetzt tun, weitermachen und damit weltweit einen bleibenden Eindruck hinterlassen!

Habt ihr zum Abschluss des Interview noch ein mongolisches Sprichwort für uns und unsere Leser?

Wenn du Angst hast, tue es nicht. Wenn du es tust, hab keine Angst.

Die Instrumente:
Alle Instrumente wurden mit der Band gestaltet und für diese maßangefertigt.

Morin Khuur (horsehead fiddle):

Die mongolische Pferdekopfgeige ist eine mit dem Bogen gestrichene, zweisaitige, Kastenspießlaute, die am oberen Halsende von einem hölzernen Pferdekopf geziert wird. Sie ist eines der wichtigsten Musikinstrumente der Mongolen und gilt als ein nationales Symbol – sinnbildlich für die weiten Steppen und den Himmel der Mongolei, sowie die innige Beziehung zwischen Mongolen und ihren Pferden. Sagen und Erzählungen, die bis ins siebte Jahrhundert zurückgehen, ranken sich um den Ursprung des Instrumentes. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist allerdings bis heute nicht eindeutig geklärt. Seit 2003 ist die Pferdekopfgeige Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Topsh(u)ur (two string unfretted Mongolian lute):

Die Topshur ist eine zweisaitige Laute, die verbreitet in den westmongolischen Stämmen der Altai gespielt wird. Die Topshur ist eng mit der Folklore und den Traditionen der Altai verbunden und wird oft zur Begleitung von Geschichten, Gesang und Tanz verwendet. Laut Marco Polos Schriften aus dem 14. Jahrhundert wurde die Laute oft vor einer Schlacht oder einem Kampf gespielt. Temkas Topshur wurde für den Hunnu-Rock extra angepasst: Dem Instrument wurde eine dritte Seite hinzugefügt und der Klangkörper ähnlich dem einer Balalaika gestaltet, um einen vollen, tiefen und basslastigeren Sound zu gewinnen.

Tumur Khuur (jaw harp):

Die Tumur Khuur, oder auch Maultrommel genannt, hat ihren Ursprung in Asien und wurde früher aus Bambus hergestellt. Der kleine Rahmen wird an die leicht geöffneten Zähne oder Lippen angelegt und mittels Schlägen auf die stählerne elastische Feder am Ende der Trommel Schwingungen hervorgerufen.. Als Resonanzkörper dient die Mundhöhle, durch dessen Bewegung (größer, kleiner) die hervorgebrachten Töne verändert werden können. Durch verschiedene Anschlag- und Atemtechniken lassen sich auch weitere klangliche und rhythmische Effekte erzeugen.

The Hu sind:

Gala: Haupt-Kehlkopfgesang und Morin Khuur (Pferdekopfgeige)
Enkush: Solist Morin Khuur und Kehlkopfgesang
Jaya: Tumur Khuur (Maultommel), Tsuur (mongolische Längsflöte), Flöten und Kehlkopfgesang
Temka: Tovshuur (zweisaitige Mongolische Laute)

The Hu Webseite
The Hu bei Facebook
The Hu bei Youtube
Elven Seven Music (Label)

Foto Credits: Tim Tronckoe, Ben Dome, Emily Bigg, Joe Eley

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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