3rd Ear Experience

Stones Of A Feather

Der Südafrikaner Robbi Robb dürfte Insidern vielleicht von seiner Alternative Rock-Band Tribe After Tribe bekannt sein – oder Pearl Jam-Anhängern von Jeff Aments Sideproject Three Fish. Ganz alte Menschen erinnern sich vielleicht noch an den Song ‚In Time‘ vom „Bill & Ted’s Excellent Adventure“-Soundtrack. Die meisten aber werden bei allen drei genannten Bezugspunkten lediglich mit der Schulter zucken.

Schade, denn im Laufe seiner wechselhaften Karriere hat Robb jede Menge hörenswerte und eigenwillige Musik veröffentlicht. Zu den schwerer zugänglichen Projekten des Multiinstrumentalisten gehören mit Sicherheit 3rd Ear Experience, eine Jam-Band im Sinn des Wortes, nicht als Genre-Begriff. Bislang eher im (größtenteils) instrumentalen Stoner Rock verortet, gibt „Stones Of A Feather“ nun das Signal zum Aufbruch in höhere Sphären. Harte Riffs gibt’s diesmal so gut wie keine, aber das 18 Mann (darunter Doug „Dug“ Pinnick von King’s X) starke Kollektiv, das Robb für das Album um sich geschart hat, zieht seine Energie aus einer anderen Quelle. „Schamanisch“, dieser Ausdruck fiel ja auch oft in Bezug auf Tribe After Tribe, doch für „Stones Of A Feather“ passt das diesmal ganz genau. Da, wo Pink Floyd 1971 nach „Meddle“ aufgehört haben, setzen 3rd Ear Experience heute wieder an – mit einer kräftigen Dosis World Music verfeinert. Ritualistische Drumpatterns, schwebende Gitarren, knurrige Hammondorgel und alle möglichen Flöten, Percussions und Didgeridoos versetzen tatsächlich auf eine psychedelische Reise durch weite, offene Wüstenlandschaften. Nicht selten werden auch Erinnerungen an die legendären ‚Solar Music‘-Exkursionen der Hagener Kultband Grobschnitt wach.

Das kann natürlich manchem konservativen Musikfan aufgrund der Formlosigkeit tierisch auf den Keks gehen, aber der Mainstream ist hier auch nicht die Zielgruppe. Wer aber zum Beispiel Pink Floyd von 1969 bis 1971 am Besten fand und sich auch gerne mit Peter Gabriels Filmsoundtracks beschäftigt, wird hier 54 Minuten großartiger Musik finden. Als Bonus gibt’s noch einen zwanzigminütigen Live-Bonustrack auf der CD, das Doppel-Vinyl kommt zusätzlich dazu noch mit einem weiteren Studio-Bonus. Hierzulande ist die Eigenpressung vermutlich am Besten bei Just For Kicks zu beziehen.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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