Super Vintage

Welcome To Mojo Land

Manch einer nässt sich ja heuer regelmäßig ein, weil er Angst vor dem schwammigen Begriff der „Überfremdung“ hat – kurz, allem, was laut deren Meinung kulturell irgendwo angeblich nicht hingehören soll. Vielleicht sollten diese schreckhaften Damen und Herren mal ein wenig mehr Rock’n’Roll hören – denn viel besser kann man die Freuden der Kreuzbefruchtung nicht verdeutlichen als mit einer griechischen Band, die bei einem US-Label mit deutschem Vertrieb den authentischsten und schlicht auch konkurrenzlos besten Southern Rock der letzten Jahre spielt.

Sänger/Leadgitarrist/Songwriter/Produzent Stavros Papadopoulos haut mit seinen Jungs in den knapp 50 Minuten Spielzeit elf Songs völlig ohne Schwächen und Durchhänger raus, die den Rock-Aspekt im Genre betonen und jeden Anhänger von Lynyrd Skynyrd, ZZ Top und Blackfoot ziemlich rollig machen dürften. Daß er stimmlich klingt wie ein verlorener Van Zant-Bruder ist natürlich dabei außerordentlich hilfreich – denn eine ebenso gefühl- wie kraftvolle Stimme, die Country- und Blueselemente ebenso packt wie harten Rock, ist nun mal das A und O für’s Südstaatenfeeling. Klar, moderne Elemente findet man hier überhaupt keine, das ist Tradition in Reinkultur. Da Stavros und Co. aber in jeder Sekunde den Spaß an der Musik vermitteln und auch das Songwriting hundertprozentig stimmt, passt das schon. Im Vergleich zum letzten Album haben Super Vintage nochmal eine ordentliche Schippe Abwechslung draufgepackt und präsentieren sowohl härtere Riffs als bisher (‚Rock’n’Roll Revolution‘, ‚Mojo Land‘) als auch melodischere, an die ganz frühen Eagles angelehnte Country-Rocker (‚Kiss Your Bad Feelings Goodbye‘) und Balladen (‚Still Alive‘).

Konkurrenz gibt es im Southern Rock-Bereich jede Menge, aber ganz offen gesagt keine, die Super Vintage derzeit das Wasser reichen könnte. Wer also trauert, daß die alte Riege so langsam am Aussterben ist, hat quasi die moralische Pflicht, das Jammern mit sofortiger Wirkung einzustellen, zur Just For Kicks-Website zu gehen und „Welcome To Mojo Land“ einzutüten. Und, wenn man schon da ist, auch gleich den Vorgänger „Salvation Road“. Dann klappt’s auch mit den Nachbarn.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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