Stinkefingernder Krach: Die Jahresglanzlichter von Marcus

Die Top-Alben 2014 kurz vor knapp am Silvesternachmittag schreiben - klischeehafter geht es kaum. Doch so kurz vor dem Jahreswechsel sollen an dieser Stelle noch einmal fünf Titel besonders gewürdigt werden, da sie über das Jahr gesehen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

TY SEGALL – Manipulator
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Da ist es wieder, das Chamäleon Ty Segall. Zwar hat es den Wohnort gewechselt, ist aus dem hippen und überteuerten San Francisco ins abgeranzte LA gezogen, doch an seinem Erfolgsrezept hat sich nichts verändert. Ty ist schlichtweg der König des Kraches, der Meister der Verzerrung, der Magier der Melodien. Ein herausragendes Album, das zwar alles nicht niet- und nagelfestes aus der Rockmusik der 70er Jahre geklaut hat, aber trotzdem so grandios wummert, hämmert, träumt und krawehlt, dass es vor Glück fast schon wehtut!

PERFECT PUSSY – Say Yes To Love
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Die Punker hassen es, weil es kein richtiger und zu weicher Punk ist. Die Indies hassen es, weil es zu verzerrt und zu chaotisch ist. Dabei wagt sich ‚Say Yes To Love‘ an etwas, was von allen immer gewünscht wird: Es schafft etwas Neues. Überdrehte Songs, denen mit Absicht völlig dissonantischer Krach hineingemischt wird, dazu kaum zu verstehende Lyrics, weil sie im Noisehagel untergehen. Von 0 auf 100 in einer Sekunde. Dabei verstecken sich in diesem Wirrwarr aus Schlagzeug und Gitarren höchst zerbrechliche Klangwelten. Advantgarde lässt sich solche Musik taufen. Kann das alles echt sein? Wenn man sich die gehipsterten Bandmitglieder samt modelartiger Frontfrau ansieht, sind sie wahrscheinlich doch gecastet und Kurt Cobain lacht sich im Untergrund scheckig.

EAGULLS – Eagulls
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Wut. Nichts als Wut tragen diese fünf Jungs aus dem englischen Leeds in ihren Herzen. Wut, die über Verstärker in die Welt transportiert wird. Ich hatte die große Ehre im Frühjahr mit ihnen zusammen in Berlin spielen zu dürfen. Bis dahin dachte ich immer, meine Band wäre schon sehr laut, aber was Eagulls dort abgeliefert haben, benötigte neue Superlativ-Bezeichnungen. Dennoch verlieren sie auch auf dem Album nie die Kontrolle darüber. Und wie ich aus Backstage-Unterhaltungen berichten kann, der Größte der Großen ist für sie David Bowie. Das hört man.

MAC DeMARCO – Salad Days
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Die charmantaste Zahnlücke gehört dieses Jahr einmal mehr Mac DeMarco. Der Erfolg des Kanadiers nimmt fast schon unheimliche Züge an, aber er ist zwingend verdient. Locker leichte Melodien, kitschige Lyrics, die aber dennoch nicht kitschig genug sind, um peinlich zu sein. Mac hat das Geheimnis des 80er-Pops in die Gegenwart übertragen. Melancholisch-Depressive Songs in ein slackerverhülltes Sunnyboy-Kleid gesteckt, dazu Bierdose in der Hand und Kippe zwischen den Lippen. Salad Days are gone.

MILE ME DEAF – Holography
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Große Platte aus der Steiermark: Ironie und Können treffen hier in einer unnachahmlichen Art und Weise zusammen. Mastermind Wolfgang Möstl beweist einmal mehr seine Leidenschaft für Noise und vor allem Pop. Akribisch seziert und mit eigenem Stil verliehen, setzt Mile Me Deaf fort, was einst als Langeweile bekämpfendes Soloprojekt begonnen hatte.

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