Sweden Rock Festival 2015 – Rock Of Ages (Tag 1-2)

Auch 2015 ist es den Organisatoren des Sweden Rock Festivals gelungen, ein schlagkräftiges Line-Up auf die Beine zu stellen, das vor allem in der Breite schier unglaublich ist. Von AOR bis Thrash Metal ist wieder alles dabei, was das Gitarren-Herz begehrt. Das heißt aber auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual.


srf2015_t1_02d-a-d.jpgD-A-D toppen in diesem Jahr das Line-Up des traditionell „kleineren“ ersten Festivaltages, allerdings ohne ihren verletzten Bassisten Stig. Auch im Nachbarland kennen sich die Dänen sprachlich bestens aus, aber die Sprache des Rock’n’Roll ist ja ohnehin universell. Das zeigen Kracher wie „Rock’n’Rock Radar“ oder „Monster Philosophy“. Beim starken Finale mit „Jihad“ geht ein Schlagzeug in Flammen auf, bei der zweiten Zugabe „Sleeping My Day Away“ singt das Publikum so laut, dass es noch eine dritte gibt: „Laugh’n’a 1/2“. Ein Volltreffer.

srf2015_t2_03spike.jpg„Glücklicherweise ist das Bier in Schweden nicht so stark. Deshalb konnte ich wach bleiben und jetzt für euch spielen!“ Sagt Spike, Frontmann der Quireboys, der mit seiner Band am ersten Tag Headliner-Qualitäten gezeigt hat. Mit Klassikern wie „7 o’clock“ und „Sex Party“ kann in Sölvesborg auch nicht viel schiefgehen. Den zweiten Festivaltag leitet er mit seiner Allstar-Band Spike’s Free House ein. Mit an Bord sind Gitarrist Luke Morley (Thunder), Schlagzeuger Simon Kirke (Free), Keyboarder Mark Stanway (Magnum) und Bassist Nick Mailing (The Quireboys), der auf den im März verstorbenen Andy Fraser (Free) folgt. Die Supergroup widmet sich vor allem der Musik von Frankie Miller. Aber zum Abschluss des sympathisch entspannten Rock’n’Roll-Konzerts darf der Free-Klassiker „All Right Now“ natürlich auch nicht fehlen.

srf2015_t2_04fish.jpg „Auf seiner letzten oder vorletzten Tournee (je nachdem, wie man es nimmt), verabschiedet sich Ex-Marillion-Frontmann Fish von der Kindheit. „A Farewell To Childhood“ lautet das Motto. Nach zwei aktuellen Songs performt er das komplette Marillion-Album „Misplaced Childhood“ und dann noch zwei Zugaben. Vielleicht ist die hartnäckige und ermüdende Mittagssonne schuld daran, dass der Funke dieses Mal nicht überspringen will. Vielleicht hätte auch eine Zugabe wie „Incommunicado“ gewirkt, doch der ansonsten großartige Fish nutzt den Festivalslot nicht voll aus. Fast zehn Minuten zu früh verlässt er die Bühne.

srf2015_t2_05slash.jpg „Dass das aktuelle Album „World On Fire“ nicht so gut ist wie die Vorgänger-Werke von Slash, kann man ihm, Myles Kennedy und den Conspirators nicht vorwerfen, wohl aber, dass ein Drittel ihres kurzen Live-Sets von diesem Album stammt. So kommt erst kurz vor Schluss mit „Sweet Child O’Mine“ die große Stimmung auf. Nach „Slither“ und „Paradise City“ ist aber schon verfrüht Schluss. Wahrscheinlich hätte man Slash und Co. nicht am Nachmittag ansetzen sollen, sondern deutlich später. Eigentlich hat die Band sogar das Zeug zum Headliner, dann allerdings nur mit einem deutlich längeren Konzert.

srf2015_t2_06airbourne.jpg „Dass Slash während seines Auftritts ein Airbourne-T-Shirt trug, dürfte für die Australier das Highlight des Festivals sein. Die Band um die Gebrüder O’Keefe macht wie üblich keine Gefangenen und legt los wie die Feuerwehr. Ihre Rock’n’Roll-Show ist rasant, furios und großartig. Das einzige was Airbourne jetzt noch fehlt, sind wahrhaft großartige Songs, die nicht nur von kernigen Riffs und der Energie ihrer Performance leben, sondern von ausgeklügeltem Songwriting.

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(Fotos: Philip Dethlefs)


srf2015_t2_07toto.jpg „Ein Auftritt von Toto in Sölvesborg war längst überfällig. Bei ihrem ersten Sweden-Rock-Gig werden Steve Lukather, David Paich und Co. empfangen wie Könige. Und die Begeisterung ist offenbar gegenseitig: Die achtköpfige Band legt eine sensationelle Spielfreude an den Tag, die auch die Songs des neuen Toto-Albums strahlen lässt. Mitten im Set sorgt „Hold The Line“ für Jubelstürme. Der Groove des lange nicht gehörten „Without Your Love“ ist unwiderstehlich, „The Road Goes On“ bewegt als Tribut an verstorbene Bandmitglieder. Und mit den Superhits „Rosanna“ und „Africa“ geht das hervorragende Konzert schließlich als Party zu Ende.

srf2015_t2_08exodus.jpg „Im krassen musikalischen Kontrast zu Toto lassen Exodus ihre Thrashwalze über das Publikum rollen. Alle Fäuste sind oben, als Frontman Steve Souza einen Moshpit fordert: „Wir brauchen ein bisschen Gewalt!“, bevor er sicherheitshalber mahnt: „Aber passt aufeinander auf.“ Die Band ist ohne ihren Leader Gary Holt unterwegs, der gerade mit Slayer aufnimmt. Souza stellt aber klar: „Gary kommt wieder.“ Auch ohne ihn lassen es Exodus krachen, mit „Blood In, Blood Out“, „Pleasures Of The Flesh“ oder „The Toxic Waltz“. Im Moshpit bleiben übrigens alle gesund.

srf2015_t2_09defleppard.jpgDef Leppard haben schon zweimal bewiesen, dass sie der ideale Headliner für das Sweden Rock Festival sind. Nach 2006 und 2008 ist ihr dritter Auftritt auf der großen Sölvesborger Bühne aber ihr bester. Obwohl die Band nie wirklich weg war, fühlt es sich wie ein großartiges Comeback an – mit Fan-Lieblingen wie „Rock! Rock! (Till You Drop), „Let It Go“ oder „Rock Of Ages“, mit dem furiosen Instrumental „Switch 625“, und mit MTV-Hits wie „Animal“, „Love Bites“ oder „Let’s Get Rocked“. Einziger Schönheitsfehler ist das David-Essex-Cover „Rock On“, ein Mini-Makel in einem ansonsten fantastischen Bombast-Konzert.

Nach der sinnvollen Vorverlegung des Headliner-Slots finden beim Sweden Rock Festival jetzt noch hochrangige Spätkonzerte statt. So konkurrieren nach Mitternacht zwei absolute Top-Namen um das Publikum.

Michael Monroe sorgt auf der kleinen Sweden Stage für beste Hardrock-Unterhaltung. Der ehemalige Hanoi Rocks-Sänger, eine alterslose Mischung aus Mick Jagger, David Lee Roth und Kermit, springt schneller über die Bühne, als sein Roadie das Mikrophonkabel entwirren kann. Dass der Sänger beim Publikumskontakt von einem Ordner gehalten wird, passt ihm gar nicht: „Nicht anfassen!“ Ein Michael Monroe ist eben nicht zu halten. Erst nach zahlreichen Zugaben, darunter die Hanoi Rocks-Nummern „Malibu Beach Nightmare“ und „Oriental Beat“, macht der charismatische Sänger gegen 2 Uhr Feierabend.

Fast parallel zu Michael Monroe ziehen Ghost das Publikum in ihren Bann. Ihre Bühnenshow, eine Mischung aus 70er-Jahre-Grusel und Papst-Comedy, ist längst Kult. Der (vermutlich) neue Sänger Papa III sorgt mit seinen Sprüchen für Lacher: „Seid ihr noch wach so spät? Und natürlich absolut nüchtern. Habt ihr schon jemanden flach gelegt?“ Neben inzwischen gestandenen und gefeierten Songs wie „Ritual“ oder „The Monstrance Clock“ geben Ghost mit dem brandneuen Song „Majesty“ einen Vorgeschmack auf ihr kommendes drittes Album.

Beim Sweden Rock Festival kann niemand alles sehen. An den ersten beiden Tagen spielten außerdem: Kee Man Hawk, Hazy/Dizzy, Abramis Brama, Morbus Chron, Lillasyster, Hell, The Order Of Israfel, Jon English, Evergrey, Yardstones, Maida VAle, All That Remains, Delain, Steve’n’Seagulls, Deception, Children Of Bodom, Browsing Collection, Steve Grimmet’s Grim Reaper, Safemode, Carl Palmer’s ELP Legacy, Wasted Shells, Battle Beast, Royal Ruckus, Hammerfall, Egonaut, Bloodbath und Seventribe.

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(Fotos: Philip Dethlefs)

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