Schrottplätze und Elefantenfriedhöfe: Melvins Alben des Jahres 2014

Wieder ist ein Jahr vergangen und dem Rezensenten wird die unliebsame Aufgabe gestellt, eine Best-of Liste für die schier wahnwitzige Zeitspanne von zwölf Monaten zu besetzen. Vieles ging einem da durch die Ohren und in der Nachbereitung auch durch den Kopf. Alte Bekannte melden sich zurück, neue Gesichter stellen sich vor. Auffällig dabei war für mich, dass kaum eins der neuen Alben von den alteingesessenen Größen wirklich überzeugt hat. Nein, 2014 war für mich ein Jahr der Top-Debüts und der Flops von solchen, von denen man es nicht erwartet hätte.


Bestes Debüt Stoner-/Progressive Rock: Spidergawd – I
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Diese fantastische Neuformierung aus der norwegischen Prog-Hauptstadt Trondheim versteht sich darauf, authentischen Retro-Sound in beeindruckender Qualität herzustellen. Von individueller Virtuosität über progressives Songwriting bis zu genialer Produktion stimmt einfach alles an diesem Album. Diese einzigartige KOmbination aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Bariton-Saxophon vermag zu scheppern, zu dröhnen, zu grooven und zu schweben. Und das beste: Das neue Album ist bereits fertig und erscheint im Januar.

Bestes Debüt Garage-/Krautrock: LSD on CIA – s/t
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Diese drei Dänen empören den Hörer mit ihrer vulgären Mischung aus allem, was ihnen gerade in die Quere kommt. Ein musikalischer Schrottplatz, der aber mit so viel Enthusiasmus und jugendlichem Charme betrieben wird, dass man sich nicht scheut, nach den sprichwörtlichen Perlen, von denen es einige gibt, zu wühlen. Dieses Album macht Spaß, offensichtlich nicht nur dem Hörer sonndern auch den Musikern.

Bestes Debüt Indie-Rock: The Animen – Hi!
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Einfach ein gutes, solides, handgemachtes Indie-Rock Album. Kein Blödsinn, keine glattgebügelte Produktion, kein überdosierter Schmalz, kein in-Szene-setzen von irgendwelchen Pseudopoetischen Mädchenschwärmen. Einfach gut.

Bester Flop aus der Kategorie ‚Ich hatte mich doch so drauf gefreut‘: Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes
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Zum Zeitpunkt des relativ unerwarteten Erscheinens dieses zweiten Soloalbums streunerte ich gerade irgendwo durch die italienische Prärie und versaute mir die folgenden Tage des Urlaubs damit, irgendwie zu versuchen, mit meinem Smartphone der ersten Generation und arg eingeschränkten mediterranen WLAN-Netzwerken an dieses Album heranzukommen. Es klappte nicht. Im Endeffekt gestaltete sich die Zeitspanne der Vorfreude somit deutlich größer als die der ‚Nachfreude‘. Ein Album, von dem wenig bis gar nichts geblieben ist. Und wer hätte gedacht, dass ich das nochmal über Thom Yorke sagen würde. All unsere Hoffnungen liegen nun auf Radiohead, die fürs neue Jahr ein weiteres Album angekündigt haben.

Bester Flop überhaupt: Alle Farben – Synesthesia
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Ich werde die ganze Geschichte jetzt nicht noch einmal aufwärmen um mich so kurz vor dem Jahreswechsel noch einmal aufzuregen. Nur so viel: Wir ziehen den VÖ-Termin noch weiter nach hinten, damit wir in den Single-Charts weiter abräumen, wir machen gewinnorientierten Mainstream-Schrott, enttäuschen alte Anhänger und Kenner – hauptsache wir füllen die Playlists der meist empfangenen Volksradiosendern.

Ich wünsche euch, liebe Leser, einen guten Start ins neue Jahr, welches uns hoffentlich abermals mit musikalischem Reichtum beschenken wird. Und bevor ich euch nun zu Sekt und Feuerwerk in feierwütige Kreise entlasse, lasse ich euch auch noch zwei Videos da. Das eine ist von monumentaler Aussage, vielleicht das wichtigste deutsschsprachige Musikvideo des Jahres, das andere zeugt eher von grenzdebilem Humor, der wohl Vorraussetzung für das vorausgegangene Signing beim Peng-Label Kreismusik ist. Guess who is who!

Marcus Wiebusch – Der Tag Wird Kommen

Lemur – Befehlskette

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