Dudley Taft

Skin And Bones

Nach soviel „Geschrei im Wind“ besteht der gute Herr Taft nur noch aus Haut und Knochen. Nein, zum Glück nicht. Ein gutes Jahr nach Screaming In The Wind legt der amerikanische Sänger und Bluesgitarrist Dudley Taft aus Ohio mit „Skin And Bones“ sein viertes Soloalbum vor. Und macht genau da weiter, wo er letztes Jahr aufgehört hat – mit noch einer extra Schippe Groove und Blues obendrauf. Beim letzten Album haben wir noch die an einigen Stellen etwas zu glatte Stimme kritisiert. Hier gibt es jetzt keinen Grund mehr zur Beanstandung, denn auch stimmlich hat sich Dudley Taft positiv weiterentwickelt und besitzt jetzt den notwendigen Drive sowie auch eine gewisse Portion an Rohheit im Timbre, um den Blues glaubhaft rüber zu bringen.

Schon der eröffnende Titeltrack lässt wohlige Assoziationen an ZZ Top und Thin Lizzy wach werden. Der Amerikaner findet die richtige Mischung als klassischen Bluesrock-Nummern mit packenden Duellen zwischen seiner Gitarre und der klassischen B3-Hammond-Orgel und schnelleren Titeln, die als waschechter Hardrock durchgehen. ‚Cuz when I’m down and tired / she’s my live wire / she turns blues to rock and roll‘ heißt es im ‚Lonesome Memphis Blues‘, und genau das gelingt Dudley Taft auf diesem Album immer wieder. Blues wird Rock’n’Roll, Hardrock wird Blues, und zwischendurch unternimmt der Musiker noch ein paar Ausflüge in den Grunge. Egal, ob langsam oder schnell, ob krachend laut oder auch zwischendurch mal etwas ruhiger: Die Musik kann mit jeder einzelnen Note begeistern. Wer hier nicht mitwippt, ist noch weniger als „Skin And Bones“ und vermutlich schon so tot wie das kleine Skelett auf der Innenseite des Digipacks der CD.

Taft hat wieder seine alten Weggefährten John Kessler und Jason Petterson an Bass und Drums um sich versammelt. John Kessler fungiert diesmal auch als Produzent der knackigen Scheibe, auf der Dudley Taft zehn eigene Songs und ein gelungenes Johnny-Winter-Cover präsentiert. Erklärtes Ziel des Amerikaners war es, „Skin And Bones“ weniger nach einem Studioalbum klingen zu lassen als seine Vorgänger. Natürlich ist die Platte auch im (Heim)Studio entstanden, aber Taft verzichtete auf zuviel Overdubs und gab den Songs ein rohes und sehr direktes Feeling. Straight, direkt, bodenständig – das sind Dudley Taft und sein Bluesrock. Und damit ist diese Platte alles andere als nur Haut und Knochen geworden – nämlich eine der besten modernen Bluesscheiben dieses Jahres.

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