NOFX

Single Album

  • Artist: NOFX
  • Album: Single Album
  • Label:
  • Release: 2021-02-26
  • Medium:
  • Bewertung:2

„I turned to the punk scene because I thought it would be a more open-minded place, but I found that it was more closed-minded than the church“, erzählte Against-Me-Sängerin Laura Jane Grace einmal über die Schwierigkeiten als Transgender-Frau in der Punkszene. Es ist eine ziemlich deutliche Abrechnung mit ihrem eigenen Umfeld. Dieses Thema beschäftigt aber auch die Punk-Legenden NOFX und vor allem Bandleader Fat Mike. Er ist zwar kein Transgender, bezeichnet sich jedoch als Crossdresser und trägt Frauenkleider. Lange Zeit war es für ihn schwierig dazu zu stehen. Doch auf dem bisher letzten Album „First Ditch Effort“ berichtete er in „Transvest-Lite“ erstmals über dieses Thema und seine ähnlich negativen Erfahrungen wie die von Laura Jane Grace. Kein Wunder also, dass das Topic auf der neuen Platte „Single Album“ (Fat Wreck) Raum einnimmt.

Das an dritter Position befindliche „Fuck Euphemism“ kann deswegen als zentraler Track gelten. Auch hier singt Fat Mike über seine Neigungen und seinen LGBTQ-Lebensstil. Dazu gibt es in dem Lied „Grieve Soto“ (R.I.P. Steve Soto von den Adolescents) einen Seitenhieb auf die Punk-Rock-Szene: „Was his suicide from drugs cuz the LA punks were violent homophobic thugs?“ Die Zeile zielt deutlich auf die konservative, gewalttätige und sich selbst zerstörende Punk- und Hardcore-Szene in Amerika Mitte der 1980er Jahre. Denn schon damals besaß Fat Mike seine Neigungen, musste diese allerdings unterdrücken.

Grundsätzlich wird der Longplayer von einem negativ-nachdenklichen Grundton getragen. Schon der Opener „The Big Drag“ wirkt fast wie ein direkter Anschluss an „Generation Z“, den Closer vom Vorgänger „First Ditch Effort“. Dennoch wirkte dieses größtenteils locker und frei. Das ist bei „Single Album“ anders. Selbst Punk-Rock-Kracher wie „I Love You More Than I Hate Me“ und „Your Last Resort“ oder die Reggae-Nummer „Fish in a Gun Barrel“ schaffen es nicht, Fröhlichkeit zu vermitteln. Doch plötzlich taucht dann diese typische NOFX-Aktion auf: „Linewleum“. Einfach mal den Bandklassiker „Linoleum“ vom 1994er Album „Punk in Drublic“ in neuer Variante aufnehmen und allen Bands widmen, die den Song jemals gecovert haben.

Mit ihrem 14. Studioalbum beweisen NOFX aufgrund persönlicher Erfahrungen mal wieder höchste textliche Aktualität und werden immer mehr zum Teil des LGBTQ-Diskurses. Ernste Themen anzugehen steht ihnen dabei genauso gut zu Gesicht wie die Spaßtruppe, die sie ebenfalls sein können.

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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