Monarch Trail

Sand

So sehr ich New Artrock, Progmetal und Co schätze, aber gelegentlich muß es eben doch eine klassische Neoprogscheibe sein. Und, soviel jetzt gleich mal vorweg, am Liebsten eine, die so bockstark ausgefallen ist wie „Sand“ von Monarch Trail.

Schon im das Konzeptalbum (natürlich!) eröffnenden ‚Station Theme‘ gibt’s massenweise analog klingende Synthies, perlendes Piano und spacige Flächen, die gelegentlich sogar an die Doctor Who-Soundtracks der späten 1970er und 1980er erinnern. Keyboarder und Songwriter Ken Baird beweist im nächsten Song ‚First Thoughts‘ sogleich, daß er auch als Sänger eine gute Figur macht. Irgendwo zwischen Peter Nicholls (IQ), Les Holroyd (Barclay James Harvest), Tim Bowness (no-man) und den sanfteren Momenten von James LaBrie (Dream Theater) angesiedelt, hat er die perfekte Stimme fürs Genre und die Songs. Natürlich, wer nach Düsterem, Dreckigem und Verstörendem sucht, darf sich Monarch Trail gleich sparen. Die Songs klingen allesamt höchst harmonieverliebt und verspielt, und die gesamte Atmosphäre ist eher Camel-artig getragen, vieles instrumental orientiert. Auch komplexe hast-du-nicht-gesehen-Abfahrten sucht man hier vergeblich, da mal ein krummer Takt, da mal eine unkonventionelle Auflösung, aber generell wird hier sehr nachvollziehbar und wenig abgehoben agiert. Als Anspieltipp muss unbedingt das 24minütige Titelstück genannt werden, das die Stärken von Monarch Trail perfekt zusammenfasst: die gefühlvollen Vocals, die wirbelnden Keyboardsoli, das schwebende SciFi-Flair und natürlich die völlig bruchstückfreien Arrangements.

Kritisieren kann man hier eigentlich nur zwei Dinge: einerseits den Drumsound, der als Einziges verrät, daß es sich hier um eine Low Budget-Eigenproduktion handelt und die Tatsache, daß „Sand“ nun nicht unbedingt vor Abwechslung strotzt. Ein zumindest einigermaßen rockiger Song hätte hier Wunder gewirkt. Andererseits reden wir hier ja von Neoprog, und die Zielgruppe wünscht ja bis heute Rocksongs wie ‚Incommunicado‘, ‚Welcome To The Cage‘, ‚Arrive Alive‘ oder ‚Higher Circles‘ einen schmerzhaften Tod. Somit kann „Sand“ jedem Fan synthielastigen Neoprogs ohne Abstriche ans Herz gelegt werden. Monarch Trail sind mein Geschmacksäquivalent zu türkischem Nougat: sicher esse ich sowas nicht jeden Tag als Hauptmahlzeit, aber für die besonderen Stunden zwischendurch eben ein echter Genuss. In diesem Sinne: Mahlzeit!

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SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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