Power Trip

Nightmare Logic

  • Artist: Power Trip
  • Album: Nightmare Logic
  • Label: Soulfood / Southern Lord
  • Release: 2017-02-27
  • Medium:
  • Bewertung:2

Ach, schön. Power Trip schicken den alternden Metal-Fan mit „Nightmare Logic“ auf eine extrem coole Zeitreise ca. ins Jahr 1987. Herablassend-gönnerhafte Geschichtsstunde: Kurz bevor der Thrash Metal in der Hoffnung, Metallicas Erfolge zu emulieren, im langweiligen Midtempo versandete, kam es für ein paar Jahre zu einer außerordentlich kreativen Phase, in der sich Thrash Metal und Hardcore zum „Crossover“ zusammenfanden. Das hat mit dem platten Rap-Rock, der in den 1990ern unter Crossover lief, überhaupt nix zu tun, und wenn ich hier Hardcore schreibe, meine ich nicht Tough Guy-Peinlichkeiten wie Biohazard, sondern Bands wie M.D.C., Circle Jerks, die Briten G.B.H. und natürlich die unumgänglichen Black Flag. Genau diesem Stil, der seinerzeit unter anderem von Bands wie Nuclear Assault, D.R.I., S.O.D., Corrosion Of Conformity („Animosity“!) gepflegt wurde, haben sich Power Trip verschrieben – und dabei mit ‚Nightmare Logic‘ ein verdammt geiles Album abgeliefert.

Die Produktion knallt dabei schön rau und unpoliert durch die Walachei, die Riffs sind simpel, punkig und tierisch auf die Fresse, die Gitarrensoli versiert und harmonisch interessant, aber durchweg kurz und knapp auf den Punkt genagelt. Daß Frontsau Riley Gale stimmlich ziemlich exakt zwischen D.R.I.s Kurt Brecht und Erosions Chris Zenk liegt, schadet dem Gesamteindruck mit Sicherheit auch nicht. Die Songs kommen größtenteils ohne Schnörkel und gehen dafür sofort ins Ohr – und in den Nacken. Ja, da sehnt man sich glatt nach einem guten, alten, kuschelig-verschwitzten Moshpit, in denen noch keine Kampfsportdemonstrationen stattfanden und blaue Flecken das Härteste war, was man mit nach Hause brachte…

Ja, Nostalgie ist eben eine starke Droge, und Power Trip haben auch mich mit „Nightmare Logic“ voll abgeholt. Daß sie damit beim Hipster-Label Southern Lord gelandet sind, ist dabei irgendwie genauso unlogisch wie folgerichtig: natürlich ist dieses Album soweit von aktuellen Musikströmungen entfernt, wie es nur sein kann, andererseits schreit eben auch alles vom Artwork bis zur Produktion „Kult“ und „voll supi Retro“. Kann man nun zynisch abtun – oder einfach als das genießen, was es ist: ne coole Bollerscheibe von jungen Burschis, die den Spirit der Ära perfekt eingefangen haben. Wird die Welt nicht verändern, macht aber tierisch Spaß.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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