Mine of Pictures

Wann immer es um symphonisch angereicherten Metal geht, kommt man irgendwann auf die finnischen Genrelegenden von Nightwish zu sprechen. Auf den ersten Blick tun Morlas Memoria aus der sächsischen Hauptstadt Dresden wenig, um sich von den großen Vorbildern anzuheben. Augebildete Opernstimme, harte Musik zu ausgetüftelten Orchesterpassagen und die Thematik ist auch irgendwie ähnlich.

Beim zweiten Hinhören offenbart das zweite Album der Truppe um Sängerin Leandra Johne aber einige Qualitäten, die die Band von der Konkurrenz abheben. Da wäre einmal der Metalanteil, den viele Mitbewerber eher den auf- und abdudelnden Melodielinien des Powermetal unterordnen. Zusammen mit synthetischen Streichern und dem gleichfalls weit verbreiteten digitalen Cembalo kann sowas bekanntlich erschreckend billig klingen. Morlas Memoria gönnen sich allerdings einerseits echte Instrumente im Backing Track, andererseits bläuen uns Drums und Stromgitarren prägnante Songstrukturen ein, die im Zusammenspiel mit Orchester und Operngesang eine reizvolle Mischung ergeben. Besonders im Opener ‚Phantasien‘ und später bei ‚Goab‘ macht das ordentlich Laune. Zusätzlich darf Gitarrist Theo ab und zu auch mal ins Mikro brüllen, was den feinen Arrangements trotz des scheinbaren Widerspruchs wirklich gut steht.

Jetzt könnte man sich nur noch ein paar mehr Wiedererkennungseffekte in den zwölf Songs wünschen. ‚Whatever You Want‘ scheint im ersten Moment ein wenig von ‚Rains of Castamere‘ vom „Game of Thrones“-Soundtrack zu borgen, entwickelt sich dann aber doch noch in eine eigene Richtung. ‚Waters of Life‘ und ‚Uyulála‘ haben schon eher das Zeug zum Ohrwurm, den man auch vom Live-Konzert gerne mit nach Hause nimmt.

Übrigens: Nicht nur musikalisch ist „Mine of Pictures“ gefällig durchdacht: Die Songtexte zitieren Literatur von Michael Ende bis Walther von der Vogelweide. Zusammen mit den mittelhochdeutschen Strophen des Letzteren, zwei weiteren neuhochdeutschen Titeln und den mehr oder weniger obligatorischen übrigen englischen Zeilen, darf sich das Album als sprachlich anspruchsvoll bezeichnen.

Unterm Strich: Geheimtipp für alle, die die Hoffnung in ihren Lieblingsstil vielleicht schon aufgegeben haben!

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