MARCO SCHMEDTJE – „Das war für mich ’ne super Gelegenheit, nicht durchzudrehen!“

Marco Schmedtje, Hamburger Gitarrist und Singer/Songwriter. Sein Name taucht meist in Verbindung mit Jan Plewka (Selig) auf, mit dem ihn eine enge Freundschaft und musikalische Partnerschaft verbindet. Gemeinsam sind die beiden als Duo „Between the Bars“ und in verschiedenen inszenierten Konzerten  (u.a. „Wann Wenn Nicht Jetzt“) unterwegs. Jetzt legt der Musiker mit „Marzipan“ sein drittes Solo-Album vor, nur ein Jahr nach seinem letzten Werk „18“.  Wir treffen Marco zum Video-Interview kurz vor der Album-Veröffentlichung.

Hallo und guten Morgen nach Hamburg!

Guten Morgen zurück!

Glückwunsch zum anstehenden Release Deines dritten Solo-Albums!

Danke schön!

Das dritte Album, nur ein Jahr nach dem letzten Werk – ein relativer Schnellschuss möchte ich mal sagen. Bei deinem ersten Soloalbum hast du noch im Interview gesagt, dass du Songs gerne länger liegen und reifen lässt. War jetzt das neue Album eine reine Corona-Therapie?

Nee, das nicht. Ich hatte natürlich schon viele Songs fertig geschrieben und konnte aus einer ganzen Reihe von Sachen aussuchen. Dann habe ich aber auch noch fast die Hälfte neu geschrieben, also auch Sachen, die mich gerade aktuell inspiriert haben. Ich musste mir jetzt nicht mein ganzes Album innerhalb von wenigen Monaten aus dem Kreuz leiern. Von daher war das für mich gar kein Problem, jetzt ein komplett neues Album zu machen.

Ich hatte, dadurch dass ich mal nicht auf Tour war, ein bisschen Zeit, dieses Album zu machen. Das war für mich ´ne super Gelegenheit, nicht durchzudrehen. Wenn du jetzt die ganze Zeit nur zu Hause sitzt und nur Familien-Kontext hast, dann wirst du verrückt – und so konnte ich arbeiten und eine Platte machen. Jetzt geht alles so langsam wieder los, wir können wieder spielen und ich habe passend dazu ein Album draußen.

Deine Solo-Sachen sind ja eher im Singer/Songwriter-Genre einzuordnen und mit Jan Plewka, Zinoba und den Rio-Arbeiten bist Du ja mehr rockig unterwegs. Wo siehst Du Dich musikalisch denn eher zu Hause?

Na ja, es ist ein bisschen so, dass ich diesmal die Gelegenheit hatte – im Gegensatz zum ersten Album „Schöne Geister“ – das ich eigentlich ganz alleine mit Dinesh Ketelsen (Anm. d. Red.: Ex-Nationalgalerie) gemacht habe – dieses Album ein bisschen größer zu machen. Es haben wirklich noch ein paar andere Leute drauf gespielt, so ist das sehr organisch geworden. Wir haben erst einmal angefangen, dann kam noch ein Trommler dazu, und dann hat er auf einmal die ganze Platte gespielt.  Von daher glaube ich, dass diese Scheibe auch noch was von außen mitbekommen hat. Denn jeder Musiker, der da noch mitgespielt hat, hat noch was reingegeben. Ich sehe mich immer noch im Singer/Songwriter-Kontext, aber diese Platte ist mit Stücken wie „Marzipan“ oder „Schmetterlinge“ ein bisschen größer produziert.

 

Du bist in Hamburg zu Hause und in der Szene unterwegs, hast jetzt aber in Hannover aufgenommen – wie kam es dazu?

Ich habe in den letzten Jahren viel im Theater-Kontext gearbeitet und hatte auch immer wieder in Hannover am Schauspielhaus zu tun. Dort habe ich dann auch den Kollegen Lars Erhardt (Anm. d. Red.: u.a. Gitarre bei Marquess) kennengelernt, der ein Studio in Hannover hat, und wir haben uns gegenseitig immer supportet. Dann haben wir auch irgendwann mal eine Produktion zusammen gemacht und so kam es, dass wir in Hannover gearbeitet haben. Das finde ich aber auch ganz gut, wenn man so konzentriert woanders arbeiten kann, als jetzt in Hamburg die Platte zu machen. Dann geht man abends doch wieder weg, muss zwischendurch nochmal die Kinder abholen oder irgendwas erledigen. In Hannover ist nicht viel los, da kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Du hast schon den Schlagzeuger erwähnt – wer war das und welche anderen Musiker hast du noch auf dem Album?

Getrommelt hat Timon Schempp, den kennt man hier in Hamburg und der ist ein sehr guter Drummer. Bass gespielt hat unser lieber Rio-Bassist Dirk Ritz – und Lars und ich haben auch ein paar Bässe gespielt.

Weiter ausgeufert ist das dann aber nicht?

Doch, hier und da hat Anne de Wolff (Anm. d. Red.: u.a. BAP) Streicher-Arrangements gemacht und das auch eingespielt, bei „Schmetterlinge“ zum Beispiel. Sie hatte das alles ausgearbeitet und arrangiert, und ich habe es dann mit ihr aufgenommen.

Das war super interessant, wenn die Streicher-Spuren nacheinander aufgenommen werden und sich Anne immer woanders hinsetzt, damit das räumliche Gefühl bei der Aufnahme aufkommt.  Dadurch hat das Album auch so etwas Orchestrales bekommen.

 

Du hast deine Alben nur digital veröffentlicht, physisch ist bislang noch nichts rausgekommen. Ist da jetzt was in Planung – vielleicht so als Kassette wie bei „Between the Bars“?

Da ist tatsächlich gerade was in Planung! Ich will auch ein paar CDs machen, damit, wenn ich unterwegs bin, was mit auf Tour nehmen kann. Eigentlich hatte ich vor, auch Vinyl zu machen, aber das klappt jetzt nicht zum Release, das dauert aktuell neun Monate.

Ist bei Dir auch ein abendfüllendes Programm geplant?

Fest geplant sind zwei Record-Release-Konzerte. Eins in Hannover am 23.11. und hier in Hamburg am 24.11. Dann plane ich für 2022 Konzerte, wenn hoffentlich alles wieder läuft. Dann werde ich wahrscheinlich unterwegs sein, also mit zwei Gitarren – Lars und ich.

Jetzt war im Sommer draußen nach über einem dreiviertel Jahr Pause ein bisschen was möglich mit Konzerten – mit Auflagen und Einschränkungen. Wie realistisch schätzt du ein, dass ihr im November und Dezember auf Tour seid?

Im Moment bin ich ganz guter Dinge! Es ist ja vorrangig der November. Ich habe gerade mal gezählt, wir haben noch 14 Rio-Shows dieses Jahr. Wir überlegen gerade, ob wir jetzt schon mal unsere Rio-Alben nachbestellen müssen vor der Tour, weil die doch ganz gut angelaufen sind.

Toi, Toi, Toi!

Ja, heute zum Beispiel wir spielen ein Konzert und – das ist uns auch noch nicht passiert – das wurde zunächst abgesagt, weil wir – jetzt kommt‘s – zu viele Karten verkauft haben! Eigentlich hätten wir vor zwei Wochen in der Fabrik spielen sollen. Früher wurden Konzerte abgesagt, wenn zu wenige Karten verkauft wurden, jetzt ist das Konzert unter freien Himmel. Hoffentlich hält das Wetter!

 

Das Rio-Programm haben wir schon angesprochen – Du hast die Platte produziert und ihr habt im ersten Schwung drei oder vier Shows gespielt, dann kam der Lockdown und nichts ging mehr.  Jetzt sind nach über einem Jahr Pause die ersten Konzerte wieder gespielt und die Platte dazu ist seit ein paar Wochen draußen. Wie hast Du die Resonanz sowohl auf die Konzerte als auch die Scheibe wahrgenommen?

Sehr gut! Also die Resonanz ist super, was wir so von der Promo-Agentur an Feedback erhalten, was in der Öffentlichkeit darüber geschrieben wurde. Das Album wurde auch viel bestellt. Wir haben also ein sehr gutes Feedback.

Ich selber bin mit dem Ergebnis auch sehr glücklich. Es hat sich auch nochmal gezeigt, was wir eigentlich für ´ne gute Liveband sind und Jan als Sänger sowieso. Ich finde, das kommt auf dieser Platte und auf der DVD ganz gut rüber.

Die letzten eineinhalb Jahre war für alle Musiker schwierig, man musste einfallsreich sein, um irgendwie über die Runde zu kommen. Du hast zum Beispiel Online-Gitarrenkurse angeboten. Dafür haben Lufthansa und Konsorten Milliarden bekommen. Wie empfindest Du die staatliche Unterstützung für euch als Musiker im Vergleich zu den großen Firmen?

Naja, da muss man nicht lange drüber reden. Das ist natürlich ein Riesen-Fiasko, wobei ich auch sagen muss, dass ich persönlich mich nicht vergessen gefühlt habe, wie viele andere Kollegen. Ich habe auch viel Unterstützung erfahren. Wir haben in Hamburg die Soforthilfe bekommen und Unterstützung erfahren. Es gab ganz auch viele Projekte oder Förderungen, von denen ich irgendwie profitieren konnte. Was ich natürlich superätzend finde, dass die jetzt sozusagen wieder an die kleinen Leute – wie uns Musiker – ran wollen, und jetzt auch alles wieder zurückhaben wollen. Das haut natürlich nicht hin, wenn ich jetzt jeden Cent nachhalten muss, wofür ich den ausgegeben habe.

Was glaubst Du, wann gibt es wieder normale Konzerte – ganz ohne Corona-Abstand und andere Auflagen? Die Ärzte haben gerade für Dezember die große Tour abgesagt, weil es einfach nicht geht.

Mhmm…es sind natürlich die ganz Großen, die jetzt erstmal für uns leiden. Im kleinen Rahmen ist ja schon wieder einiges an Konzerten möglich. Wir werden sehen. Also ich hoffe, dass es 22 im Frühling mit 2- oder 3-G irgendwann zurück zur Normalität geht.

Ich bin gespannt und hoffe, dass wir uns im Dezember hoffentlich wieder bei einem Konzert sehen! Vielen Dank für das Gespräch und erfolgreiche Release-Shows!

Vielen Dank und Grüße zurück!

 

Nachtrag:

Manchmal ist die Realität schneller als die guten Hoffnungen. Nur wenige Stunden nach dem Interview wurden die ersten Konzerte aus dem Dezember in das kommende Jahr verlegt.

 

Marzipan kann hier bestellt werden.

„Marzipan“ – Record-Release-Shows

Di. 23.11.21 Hannover Warenannahme

Mi. 24.11.21 Hamburg Nochtspeicher

(weitere Daten mit Jan Plewka siehe hier)

 

Künstlerhomepage

Marco Schmedtje bei Facebook

Marco Schmedtje bei Instagram

 

Fotocredits: Sven Sindt

 

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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