MADSEN – Hollywood

„Ein bisschen Seele“ hieß vor etwa einem Jahr das Solo-Debüt von Madsen-Shouter Sebastian, bei dem er seine soulige Seite zeigte. Ungeplant entstanden in den verlorenen Monaten der Corona-Zeit, als eine Art Kontrapunkt zum vorherigen Punk-Album „Na gut dann nicht“ der Stamm-Combo, das wiederum c-bedingt ebenfalls ein Zufallsprodukt war. Nun ist das Quartett der drei Brüder Johannes, Sascha, Sebastian und Bassmann Niko aber wieder in gewohnten Fahrwassern unterwegs, und liefert mit „Hollywood“ das erste Lebenszeichen nach der Pandemie.

Was für eine schwere, fünfjährige Geburt diese Scheibe war, warum Konzerte ohne Mücke und Lisa undenkbar wären, und was ein Haus in Holland mit dem bandeigenen Label Goodbye Logik Records zu tun, hat uns Drummer Sascha übrigens in einem ausführlichen Interview erzählt, das Ihr hier nachlesen könnt!

„Ein bisschen Lärm“ ist kein Anknüpfungspunkt an die Soul-Scheibe, sondern haut den Hörer*innen in bester Indie Rock-Manier direkt was auf die Zwölf, auch wenn die „Uhu“-Chöre tatsächlich übriggebliebene Tonspuren sein könnten. Im direkten Anschluss geht es mit dem Highlight „Brücken“ weiter. Zunächst als Ballade getarnt und mit gezupfter Gitarre gestartet, wird nach 30 Sekunden das Tempo angezogen, bevor im Chorus wieder richtig geballert wird. „Willi“ ist eine Liebeserklärung an einen alten Schulfreund, mit dem die Freundschaft bis heute hält, und „der immer bei mir pennen kann“. Die Erzählung der jahrzehntelangen Beziehung, inklusive Aufs und Abs in der Intensität, kann wohl jeder nachvollziehen, dem das Glück einer so langen Verbindung beschieden ist.

Beim Titeltrack wird das einzige Mal so richtig vom Gas gegangen. Von feinen Streichern begleitet, wird die Geschichte eines kleinen, armen Vorstadtjungen erzählt, der davon träumt, ein Superheld wie Spiderman zu werden. „Der Baum“ ist keine Reminiszenz an das Gedicht von Eugen Roth, sondern steht für die Standhaftigkeit im Leben, und kommt musikalisch in bester Bruce Springsteen-Manier daher. Dabei ist der Song aber weit entfernt davon, ein billiger Abklatsch von „Born To Run“ oder „Badlands“ zu sein.

Und so ziehen sich klassische Madsen-Klänge weiter durch die insgesamt elf Nummern, stets gitarrenlastig, mal lauter, manchmal (ein wenig) leiser, immer melodiös und stetig zuckt das Tanzbein und nickt der Kopf im Takt beim Anhören. Was insgesamt auffällt: Gesanglich hätte es früher vermutlich viel mehr Überschlag gegeben, nun setzt Sebastian seine Stimme deutlich schonender ein, was dann vielleicht doch noch eine Nachwirkung aus „Ein bisschen Seele“ ist.

Klar, Hater werden mit diesen 41 Minuten Spielzeit weiterhin nicht von den Wendländern zu überzeugen sein. Langjährige Fans und Sympathisanten können sich aber auf ein mehr als gelungenes neuntes Werk freuen, denn mit „Hollywood“ liefern Madsen einen amtlichen Blockbuster für die großen KinoKonzertsäle dieser Republik!

Note 1 (und unser Album des Monats August!)

MADSEN – „Hollywood“ Tour 2023

04.10.2023 Wien Arena

05.10.2023 Linz Posthof

01.12.2023 Berlin Columbiahalle

02.12.2023 Köln Carlswerk Victoria

08.12.2023 München Tonhalle

09.12.2023 Frankfurt Batschkapp

16.12.2023 Dresden Alter Schlachthof

17.12.2023 Oberhausen Turbinenhalle

21.12.2023 Hamburg Sporthalle

Tickets gibt es hier.

Bandhomepage

Madsen bei Facebook

Madsen bei Instagram

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert