SEBASTIAN MADSEN – Ein bisschen Seele

„Der Typ kann nicht singen, der schreit nur!“, hört Sebastian Madsen, Frontmann der gleichnachnamigen Band aus dem Wendland, ständig, wie er Whiskey-Soda im Interview erzählt hat. Dass er doch wesentlich mehr draufhat, als zu schreien, beweist er mit dem nun vorliegenden ersten Solo-Album „Ein bisschen Seele“, das sich musikalisch dem Soul widmet. Entstanden in den verlorenen Monaten der Pandemie, als Musiker ein faktisches Berufsverbot hatten, war die Arbeit an den zehn Liedern eine Beschäftigungstherapie, und zunächst überhaupt nicht als Veröffentlichung gedacht. Doch wenn man etwas Positives aus den letzten zweieinhalb Jahre ziehen will, dann dass viele Künstler*innen uns neue Musik beschert haben, die es ohne die Zwangspause nicht gegeben hätte.

Los geht es mit Titel-Track „Ein bisschen Seele“, der sofort die Marschrichtung klar macht. Ein treibendes Schlagzeug, begleitende Bläser und ein „Uhu“-Background lassen sofort an klassische Motown-Nummern erinnern. Im gleichen Stil geht es mit „Sei nur du selbst“ weiter. Eine wunderschöne Ballade folgt mit „Ich löse mich auf“. Eva Briegel, Sängerin der Band Juli (die übrigens in diesen Tagen nach acht Jahren Wartezeit ebenfalls eine neue Platte angekündigt hat), unterstützt Herrn Madsen gesanglich. Im Falsett kommt Sebastians Stimme bei „Immer nur am Handy“ an, und hier ist die vielleicht größte Überraschung im gesanglichen Einsatz. In diesem Song nimmt der Musiker Stellung zur weit verbreiteten Handysucht. Die pointierten Worte „Du bist immer nur am Handy, Ich bin traurig und frustriert, Denn du bist online, Kann es vielleicht sein, dass du mich ignorierst? (…) Ich bin immer bei dir, An und auf deiner Seite, Ich bin immer da, wenn du mich brauchst, Jetzt schalt´ doch das scheiß Telefon aus, Lass uns reden!“ lässt einem beim Hören doch ein wenig selbstkritisch zurück, denn diese Situation kennt vermutlich jede*r. Beim Abschluss „Gefühle für dich“ ist der Gesamtklang deutlich reduziert, hauptsächlich von Tasten und ganz leisen Streicherklängen getragen, klingt die Platte ganz entspannt aus.

Wer nur den wilden Indie-Rocker Sebastian Madsen kennt (und mag), wird am Ende der guten halben Stunde Musik etwas ratlos zurückbleiben. Wer aber den Blick über den Tellerrand wagt, und einem Künstler mehr als nur einen Geschmack zugesteht, wird hier ein gelungenes Werk vorfinden, dass völlig abseits des Erwartbaren landet, aber dennoch (oder gerade deswegen) eine runde Geschichte erzählt. Man darf gespannt sein, wie sich die Madsen-Klassiker im angekündigten Soul-Arrangement auf dem geplanten Berlin Konzert in die Setlist einfügen, die Nummern auf „Ein bisschen Seele“ versprechen auf jeden Fall großartige Unterhaltung.

Note: 2+

 

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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