SEBASTIAN MADSEN – „Wenn es jetzt noch richtig geil wäre, dann wäre es richtig gut!“

Die Indie-Rocker von Madsen waren wie alle Künstlerkolleg*innen in der Pandemie weitestgehend arbeitslos, und konnten ihren gewohnten (und geliebten) Jobs nur begrenzt nachgehen. Frontmann Sebastian hat die unfreiwillige Arbeitspause genutzt, und mit „Ein bisschen Seele“ ein Solo-Album mit für ihn völlig ungewöhnlichen Soul-Klängen aufgenommen. Zwei Wochen vorm Release sprechen wir mit dem Musiker im Video-Call aus dem Urlaub über die Entstehung der Platte, das Verhältnis in der Band, musikalische Fernseh-Shows und die Wichtigkeit von Kultur in der Gesellschaft.

 

Hallo Sebastian, schöne Grüße aus Münster!

Hallo zurück, schöne Grüße von der Ostsee!

Was ist aufregender, und wo ist die extremere Fallhöhe: bei der Veröffentlichung von einem eigenen Soul-Album oder einer Punk-Platte mit der erfolgreichen Indie-Rock-Band – in beiden Fällen musikalisch völlig anders als gewohnt?

Ich glaube, die Fallhöhe ist bei einem normalen Madsen-Album am höchsten, weil ich da am meisten Hoffnung habe, und ein bisschen den Druck verspüre. Auch weil ich denke: Klar, wir haben schon viel geschafft! Ich freue mich, dass wir immer noch eine Rolle spielen, und dass sich Leute so für uns begeistern – andere finden uns natürlich auch kacke, aber ich bin schon gerne ein Teil dieser Szene! Ich fände das schade, wenn man uns irgendwann vergessen würde, deswegen habe ich immer die Hoffnung, dass die Alben funktionieren.

Jetzt aber hast Du gerade die Beispiele genannt, die mir relativ egal waren: Ein Punk-Album ist ein Punk-Album, das darf auch scheitern, dann wäre es noch konsequenter!

Also war es eine reine Spaß-Produktion?

Damit haben wir uns einfach einen Traum erfüllt, mit Dingen, die wir als früher als Jugendliche abgefeiert haben, und wir hatten einfach Spaß! Beim Solo-Album ist es auch so, dass ich nur gewinnen kann. Mit meinem Bruder Johannes zusammen habe ich einfach was aufgenommen, was mir total gefällt, und womit ich eine andere Facette zeigen kann. Ich habe erstmal ins Grüne aufgenommen, ohne irgendeinen Plan von Veröffentlichungen oder Marketingstrategie; dass sich dann mit ISBESSA in Berlin ein Label dafür begeistert und gesagt hat: „Wir bringen das raus!“…da war für mich klar, ab jetzt ist das nur noch Bonus. Ich habe die Chance, davon ein paar Platten pressen zu lassen, und es ist mir wichtig, dass es dieses Album auf Vinyl gibt. Im Madsen-Umfeld werden das die Leute mitkriegen, und werden entweder sagen „cool“ oder „gar nicht mein Ding“, und das ist alles in Ordnung! Es gibt für mich also keine Fallhöhe!

Wann ist denn die Idee entstanden, erstens eine Solo-Platte zu machen, und zweitens, dass sie so klingt, wie sie jetzt klingt?

Die Idee ist im Herbst 2020 entstanden, weil das Punk-Album, das Du gerade erwähnt hast, war erzählt, denn die Tour dazu hat nicht stattgefunden. Also wurden die Karten für uns neu gemischt. Das kannten wir nämlich auch noch nicht, dass man etwas rausknallt und dann nicht betourt. Ab da fängt es eigentlich erst an, interessant zu werden. Da merkst du dann, welche Stücke feiern die Leute live ab, und dann werden die zu ganzen Werken. Vorher sind es immer theoretische Gebilde.

Ich bin dann echt in so ein Loch gefallen. Es kam der fiese Pandemie-Winter, und da hab´ ich dann zu Hause rumgesessen, und meiner Traurigkeit freien Lauf gelassen, alte Soul-Platten gehört, und dann irgendwann notgedrungen, weil ich mich wahnsinnig arbeitslos gefühlt habe, angefangen Stücke aufzunehmen, die keinen Platz in Madsen-Kosmos hatten.

Aber erst mal „nur so“?

Das sollte eigentlich gar kein Album werden, das sollte gar nix werden! Es sollte einfach eine Beschäftigungstherapie sein, und dann irgendwann gab es fünf, sechs Lieder, die irgendwie cool und anders waren, und dann habe ich erst angefangen darüber nachzudenken, dass das ja eigentlich auch ein Album werden könnte.

Ohne Corona hätte es das Album also nicht gegeben?

Ne, ich glaube, da wäre dann auch wirklich gar nicht die Zeit für gewesen! Das ist im Nachhinein auch ein Vorteil der Pandemie für viele Künstlerinnen und Künstler, dass man mal so völlig rausgeschleudert wurde. Gerade für Leute, die das auch schon länger machen. Es ist ja ein Beruf, der immer weiter geht. Man bewegt sich in Zyklen, und wenn du alles betourt hast, fängst du an nachzudenken, wie könnte die nächste Platte werden. Es wurde aber nie hinterfragt, das vielleicht auch mal zu durchbrechen, weil es einfach auch immer gut lief und Spaß gemacht hat.

Wie haben Deine Bandkollegen, die ja weitestgehend Deine Brüder sind, und – das unterstelle ich mal – zu denen das Verhältnis noch einmal spezieller ist, als zum Nicht-Bruder-Kollegen, auf Deine Idee zu a) einem Solo- und b) zu einem Soul-Album reagiert?

Musikalisch verstehen wir uns eh immer gut, und das liebe ich auch daran, wenn ich mit meinen Brüdern zusammensitze. Da ist Musik schon immer der Fokus gewesen. Wenn wir uns dann länger nicht gesehen haben, dann tauschen wir uns aus. Ich bin gerade mit meinem großen Bruder Johannes und meiner Mutter im Urlaub. Gestern saßen wir in der Küche, und haben uns mit Begeisterung neue Sachen vorgespielt, die wir entdeckt haben. Wir haben auch schon immer viel probiert, und auch viel Blödsinn gemacht – also viele Quatschprojekte, z.B. Fantasy Metal auf Deutsch, oder wir haben uns den Rap-Künstler Zorro ausgedacht. Da gab es nie irgendwelche Grenzen oder Schranken.

Dann ist es so, dass Sascha (der kleine Bruder, Anm. d. Red.) durch seinen jetzigen Heimatort in Wien sowieso in der Pandemie sehr weit weg gewesen ist. In unserem ganzen Leben haben wir uns noch nie so lange nicht gesehen. Sascha war, glaube ich, irgendwann ein bisschen traurig, weil er das dann aus der Ferne mitbekam, und mit seiner Familie isoliert war.

Johannes hat ja auch an der Platte mitgearbeitet?

Mit Johannes war ich relativ dicke in der Zeit, denn ich bin aufs Land, weil ich keinen Bock auf die Stadt hatte. So war Johannes mit eingebunden, und hat das mit mir produziert. Dadurch war er dem Projekt sehr nahe, und hat das auch alles so gefühlt.

Nico, unser Bassist, ist sowieso der unkomplizierteste Mensch der Welt, der findet eigentlich alles gut.

Der kam dann irgendwann auch mal vorbei, da hab´ ich ihm die Sachen vorgespielt und ich meinte: „Du bist eher so der Rock-Metal-Typ, das wird Dir wahrscheinlich nicht gefallen.“ Dann setzt er sich so hin und wippt die ganze Zeit mit dem Kopf und meinte: „Wie kommst Du denn darauf? Ich finde das ganz toll!“

Meine Band-Kollegen sind da sehr tolerant. Sie helfen mir, und unterstützen das auf ihre Art!

Bei Madsen ist Dein Gesang eher rau und etwas ungestüm. Bei den jetzigen Sachen, insbesondere „Immer nur am Handy“, „Ich löse mich auf“ oder „Die Einsamkeit“ kommen Deine Gesangsfähigkeiten deutlich anders zur Geltung. Wie waren die bisherigen Rückmeldungen über diesen ungewohnten Stimmeinsatz?

Ich glaube, viele haben das noch gar nicht mitgekriegt, was ich da so mache. Aber bisher wird es eher positiv wahrgenommen, und auch als mutig angesehen, weil ich mich aus meinem Kosmos rausbewege. Für mich ist es auch super, denn ich habe schon immer ziemlich selbstbewusst Musik gemacht. Ich bin dann auch gerne mal verletzt, wenn Sachen verrissen werden, und Leute das richtig schlecht finden, dann fühle ich mich auch richtig…

…schlecht finde ich das Album nicht, ganz im Gegenteil, das kann ich schon mal einstreuen!

(Lacht) Das freut mich sehr! Bei Madsen war das lange Jahre auch so, dass die Leute gesagt haben: „Der Typ kann nicht singen, der schreit nur!“ Das hat sich im Laufe der Jahre schon ein bisschen verändert, und ich finde das jetzt toll, explizit mal wirklich zu singen, die Stimme nochmal woanders hinzutragen, z.B. mit dieser Kopfstimme bei „Immer nur am Handy“, denn so ich singe auch unter der Dusche!

Ich habe vor eineinhalb Jahren Euer Streaming-Konzert aus dem Club 100 in Bremen gesehen, und nun vor wenigen Tagen die volle Ladung auf dem Highfield-Festival als Mitschnitt, wo Ihr echt die Hütte abgerissen habt. Klar ist, dass diese Streaming-Shows aus der Not geboren waren, aber würdet Ihr noch einmal ein solches „Konzert“ spielen, und wie habt Ihr das erlebt?

Wenn es nicht sein muss, würde ich das nicht nochmal machen! Wobei das in Bremen, das hat uns auch Spaß gemacht, denn da wurde gar nicht erst versucht, eine Konzertatmosphäre zu schaffen. Ich fand die Corona-Konzerte schwierig, wo die Leute großzügig verteilt mit Masken saßen, und sich nicht wirklich vom Platz bewegen durften. Ich habe das natürlich verstanden, dass das so sein muss, aber es kam keine Stimmung auf. Was wir als Band dann versucht haben, war Stimmung um jeden Preis zu erzeugen. Dann hat man viel mehr Gas gegeben, und war wahrscheinlich ein bisschen unentspannter.

Diese Shows habe ich nicht als Verschmelzung mit dem Publikum wahrgenommen, so wie beim von Dir erwähnten Highfield. Das war für uns ein totaler Knaller und das Highlight des Jahres. Wenn man zusammen eine Reise antritt, und wenn dann was zurückkommt, dass sich multipliziert und so ein richtiger Rausch wird. Ich hoffe einfach, dass es nicht mehr so schlimm wird!

Das hoffen wir wohl alle!

Es ist für viele auch wirklich gefährlich, wenn dieser Unterhaltungs-Sektor völlig wegfällt oder eben nur so speziell stattfindet. Wenn es aber keine Alternative gibt, dann machen wir das, das ist dann immer noch besser, als gar nichts zu machen.

Gutes Stichwort „mit dem Publikum verschmelzen“: Ein Song heißt „Immer nur am Handy“ – wie nimmst Du das wahr, wenn das ganze Publikum gefühlt nur aus Handys besteht, und jede Regung auf der Bühne mitgefilmt wird?

Bei Konzerten finde ich das auch total nervig. Ich merke das dann auch selber, wie man schon darauf trainiert ist, da in die Kamera zu glotzen. Das ist wahrscheinlich wirklich die größte gesellschaftliche Krankheit gerade. Die Leute haben scheinbar Angst vor der Realität oder davor, sich mal die Blätter an den Bäumen anzugucken. Wie viele Leute man auch manchmal über den Haufen rennt, weil man in diese Dinger reinschaut!

Aber im Gegensatz zu den allermeisten Songs bei Deiner Stammband hast Du den Text nicht alleine geschrieben, oder?

Mein Kumpel Max Richard Leßmann hat den Text geschrieben! Der hat früher die Band Vierkanttretlager gehabt, und mit dem habe ich seine Solo-Platte aufgenommen. Jetzt ist er ein Podcaster und wahnsinniger Gedichteschreiber, und der hat relativ viel für das Album getextet. Er hat da die richtigen Worte gefunden, ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dieses Lied zu machen, aber ich habe es sofort verstanden! Er hat einfach das Talent, die Melodien so zu verstehen, wie ich sie gefühlt habe, und dann in Worte zu bringen. Das ist immer so eine unsichtbare Brücke zwischen uns.

Du hast für Berlin ein einzelnes Konzert im Dezember angekündigt. Werden weitere folgen?

Wir machen erstmal nur dieses eine, und es kann sein, dass es das dann war. Das hängt einfach von der Resonanz ab. Ich würde mich freuen, wenn die Leute sich im großen Stil für die Platte begeistern, aber ich gehe überhaupt nicht davon aus. Dann ist es einfach so, dass die Menschen gerade keine Tickets kaufen, vor allem nicht für irgendwas, was sie noch nicht kennen. Deswegen bin ich da einfach realistisch und denke, dann machen wir nur ein Konzert, und gucken, dass das einigermaßen voll wird, und hauen da eine richtig geile Show raus.

Wir hatten jetzt schon einen Auftritt mit einer zehnköpfigen Band, mit Bläsern und Background-Sängerinnen, und das war für mich auch eine neue und richtig schöne Erfahrung. Wir haben einfach mal ausprobiert, viel fokussierter mit den einzelnen Parteien geprobt und Sachen richtig ausgearbeitet.

Was werdet Ihr spielen? Gibt es nur Deine Solosachen, Soul-Cover oder auch eingesoulte Madsen-Hits?

Es ist so, dass auf dem Album nur zehn Lieder sind, und dann wäre der Konzertabend nach 40 Minuten vorbei. Deswegen hast Du das schon richtig interpretiert, dass so ein paar Madsen-Songs eingesoult werden. Lieder wie „Die Perfektion“, „Lass die Musik an“ oder „Du schreibst Geschichte“ will ich aber gerne mal in einer Blues-Brothers-Version spielen, und vielleicht auch noch ein Oldschool-Soul-Cover.

Du hast schon gesagt, es werden aktuell keine Tickets verkauft. Entweder werden Konzerte runterverlegt oder sogar komplett abgesagt. Wie blickt Ihr in die nähere Zukunft? Ihr habt gerade ein neues Album angekündigt – wo geht nächstes Jahr die Reise hin?

Puh…ich weiß es nicht. Wir können ja nicht viel machen, außer weiterzumachen. Was mir Hoffnung gemacht hat, war der Sommer. Im Frühjahr, als wir in Würzburg im April das erste Nachhol-Konzert gespielt haben, da bin ich vom Glauben abgefallen! Erstmal, weil wir das ewig nicht hatten, und zweitens, weil so viele Leute kamen. Es gibt bei uns keine Parameter zu messen, ob die Fans noch am Start sind, weil wir auch noch aus einer anderen Zeit kommen, wo das ganze Social-Media-Ding einfach kein Spiegelbaum für uns ist. Das hat uns auch nochmal angespitzt, das Album jetzt fertig zu kriegen. Wir hoffen natürlich, dass es auch so in der Richtung weitergeht, aber ich bin ja auch nur einer von vielen Hobby-Virologen, und es scheint ja irgendwie harmloser zu werden, im Laufe der Zeit. Wenn die nächsten Sommer ungefähr so sind, wie der jetzige, dann ist das ja schon mal ´ne ganz gute Basis.

 

Für etablierte Bands mag das stimmen…

Viele kleine Bands tun mir wahnsinnig leid, auch viele, die jetzt erst angefangen haben, wo ich denke: Das wäre jetzt vielleicht Euer Sommer gewesen! Die Leute treffen natürlich Entscheidungen und gehen dann erst noch zu Konzerten, wo die Tickets entweder lange am Kühlschrank hängen oder wo sie genau wissen, was sie bekommen. Vielleicht traut man sich dann nicht, zu Newcomern zu gehen.

Die letzte Platte Deiner Stammband liegt mittlerweile zwei Jahre zurück, und wurde kurz vorm zweiten langen Lockdown veröffentlicht. Die dazugehörigen Konzerte konnten erst jetzt gespielt werden. Wie habt Ihr als Band – und teilweise Familienväter – diese Zeit sowohl künstlerisch als auch finanziell erlebt? Gab es Unterstützungen?

Ja, es gab Unterstützung, bei jeder verschobenen oder abgesagten Tour gab es einen Ausgleich, worüber wir sehr dankbar waren. Bei uns ist es dann so, dass, obwohl wir nie krasse Radiohits hatten oder Stadien gefüllt haben, es schon sehr gut lief. Wir sind auch nicht die Typen, die sich dann direkt ´nen Porsche gekauft haben, wenn mal was reinkam. Wir haben gut gehaushaltet, das hat sich jetzt ausgezahlt, aber noch ein Jahr länger wäre schwierig gewesen. Natürlich wurde einem dann erst einmal bewusst, wie fragil der Entwurf dieses Berufes sein kann.

Ganz abgesehen vom Finanziellen, man fühlt sich einfach nicht vollständig. Da wird ein ganz wichtiger Teil von dem, was man tut, abgeschnitten, und das war für uns das größere Problem. Das hat man dann versucht, kreativ zu lösen und sich auszukotzen. Wir haben erstmal das Punk-Album gemacht, aber danach, muss ich ehrlich sagen, ging es mir einfach nicht so gut.

Viele Kolleg*innen verdienen ja einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen in letzter Zeit durch Casting-Shows oder andere Fernseh-Formate. Würdest Du – wenn man Dich fragen würde – bei „The Voice“ oder „Sing meinen Song“ teilnehmen?

Haha, ganz schwierig! Ich muss ehrlich sagen, ich finde an sich die Idee toll, dass Künstlerinnen und Künstler sich gegenseitig covern und das dann auch abfeiern. Ich finde aber, im Laufe der Jahre ist die Sendung nicht unbedingt besser geworden, ich habe das nicht gerne geguckt. Ich mag das auch nicht, wenn man dann anfängt zu heulen, das wirkt manchmal so ein bisschen affektiert. Wenn man dann dort sitzt, sich dem hingibt und ein paar Bier trinkt, dann glaube ich nicht, dass das falsche Tränen sind. Aber ehrlich gesagt sehe ich mich da nicht.

Es ist ja zweischneidig: Einerseits die Gage, und dann die nicht zu unterschätzende Promo für die Band – so manche Truppe hätte heute vermutlich deutlich weniger zahlende Gäste, wenn der/die Frontmann/-frau nicht in einem solchen Format gesessen hätte.

Klar, es ist natürlich verlockend, und ich war da auch schon mal im Gespräch und war dann jedes Mal froh, wenn das nicht geklappt hat. Mittlerweile habe ich ehrlich gesagt auch gar keinen Bock mehr. Das ist auch das Ambivalente, dass so ein Sender sich traut, einen Abend lang Musik zu zeigen, und dass es wirklich auch um Musik geht, ist natürlich erstmal nicht ganz verkehrt. Wenn es jetzt noch richtig geil wäre, dann wäre es auch richtig gut!

Eine letzte Frage muss ich stellen: Vor einigen Wochen hatte ich „Deine Cousine“ Ina Bredehorn im Interview und habe sie zum Thema Frauen in der Musikbranche und u.a. dem „DCKS“-Festival von Carolin Kebekus befragt. Sie hat mir zwar bereitwillig geantwortet, hat aber auch gesagt, die Frage sollte dringend auch den Männern gestellt werden. Jetzt habe ich einen Mann hier sitzen, und – wie der Zufall es will – eine gewisse Lisa Who (Sebastians Freundin und ebenfalls Musikerin) hat am letzten Wochenende hier in Münster beim „Cock am Ring“-Festival gespielt, Du solltest also im Thema sein und eine Meinung dazu haben!

Die Idee fand ich mega! Als ich davon hörte, Frauen covern Typen, die bei „Rock am Ring“ gebucht sind, weil eben sonst keine Frauen gebucht werden, dachte ich: Wahnsinnig geile Idee! Ich habe sofort mit Lisa zusammen überlegt, was man da aufnehmen kann, und wir haben uns ganz schnell für „Swallowed“ von Bush entschieden. Aber ich kann Dir auch sagen, dass leider kaum Leute da waren, und Lisa auch sehr geknickt war.

Tatsächlich war es so, dass hier in der Lokalpresse nichts dazu geschrieben wurde – weder vorher noch nachher.

Das ist so schade! Ich fand die Idee so fantastisch, und außerdem würde ich mir wünschen, dass mehr Frauen sich trauen, männerdominierte Musik zu spielen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das in vielen Frauen schlummert, und die sich oftmals nicht trauen, weil sie von vielen Idioten einfach nicht ernst genommen werden. Als unser alter Keyboarder ausgestiegen ist und Lisa bei uns an Bord war, da war das total ungewöhnlich in dieser Indie-Rock-Szene. Ich weiß, es gab Bands wie Hund am Strand oder Klee, aber Frauen waren gefühlt noch viel seltener in Bands als heute; und – ich möchte keinen Namen nennen – es gab Kollegen, die gesagt haben: „Was hat denn die Frau bei Euch zu suchen?“

Ich habe das nie so gesehen, dass das jetzt ein großer Unterschied ist. Wir haben Lisa gefragt, weil sie cool und eine gute Musikerin war. Im Optimalfall guckst du da überhaupt nicht drauf, welche Hautfarbe, tätowiert, Frau oder Mann – Hauptsache, das wird gute Musik!

Ein gutes Schlusswort! Lieber Sebastian, viel Erfolg bei der Veröffentlichung, beim Konzert und hoffentlich bald auf einer Show hier in der Nähe – und einen schönen Urlaub noch!

Ja, ebenfalls danke – ich habe mich gefreut!

 

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Fotocredit: Joris Felix, außer 4 (feat. Drangsal) Anna Rieke

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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  1 comment for “SEBASTIAN MADSEN – „Wenn es jetzt noch richtig geil wäre, dann wäre es richtig gut!“

  1. Mit 65 Jahren lockt mich wenig Musik noch hinter dem Ofen vor. „Ein bisschen Seele“ gefällt mir gut und macht Freude.

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