ME & REAS – „Können wir alle etwas weniger Wichser sein?“

Es ist ein sonniger Mittwochabend im Sommer 2022. Vor der Gartenbühne des Nürnberger Löwensaals finden sich aufgebaute Bierbankgarnituren. Doch Moment? Ist das nicht der Sommer, in dem solche Einschränkungen eigentlich passé sein sollten? Natürlich. Wenn dadurch aber ein solch wildromantischer Kulturort mitten im Grünen mit Teich, sanftem Natursound (Grillen! Libellen! Mist, Mücken!) und Lichterketten geschaffen wurde, kann man gar nicht anders als davon verzaubert zu sein.

Den Auftakt gestaltet die wunderbare Laura Heller, diese große Stimme auf der kleinen Bühne. Als sich zu ihrem verträumten „The Leaves Are Falling“ die Blätter der Bäume sanft bewegen, hat das schon fast etwas Poetisches. Überhaupt schafft es die Singer-/Songwriterin leichtfüßig über Themen wie Diversität zu singen oder darüber, dass nur allzu oft von außen vorgegeben wird, wie man zu sein hat. In minimal arrangierten Songs versucht sie die ganz eigene Schönheit des Vergänglichen einzufangen und das Publikum daran teilhaben zu lassen, was sie zu ihren Songs inspiriert hat. Bevor Laura Heller zu sehr auf – sagen wir einzig dem Nervositätslevel geschuldetem – Gerede aus dem Publikum stößt, räumt sie die Bühne für den Hauptact des Abends.

Die Fünf von Me & Reas legen auch gleich mit dem Opener „Masterpiece“ los. E-Gitarren, schepperndes Schlagzeug und die Erkenntnis: Das wird ein guter Abend. Ist das Publikum bei den ersten Songs noch eher zaghaft zurückhaltend – oder die Erinnerung an die pandemisch-beschränkten Konzerte durch die Bierbänke noch zu präsent – dreht sich das aber ziemlich schnell. Da haben die Nürnberger einfach ein Talent für. Ausgerechnet mit der ersten Ballade steht das Publikum. Klar, bei Vollgas-Nummern – sozusagen in normal – kann das ja schließlich jeder, aber bei ruhigen Stücken – das muss man erst mal schaffen.

Als „The Felony“ erklingt, wird begeistert mitgeklatscht, es formen sich zarte Chöre, in den selbst die Seelöwen des nahe gelegenen Tiergartens mit einstimmen. Das führt zu einer kleinen Diskussion der Band darüber, um welche Gattung (Seelöwen? Robben? Seepferdchen?) es sich da eigentlich handelt. Umso mehr entsteht im Publikum das Gefühl, eigentlich ein sehr intimes Konzert unter Freunden zu erleben. Mit den Alltime-Favourites wie „Bring Me Home“ oder „More Than Just Breathing“ wird – natürlich nicht ohne eine Extra-Portion Ohrwurmcharakter – schließlich die Tanzfreudigkeit des fränkischen Publikums besiegelt. Für ein quasi bestuhltes Konzert ist man überraschenderweise bereits deutlich verschwitzter als erwartet.

Die letzten Takte von „Thirty“ werden dann bereits am Bühnenrand gespielt, um dem musikalischen Kuschelbedürfnis zwischen Band und Publikum gerecht zu werden. Als Zugabe werden Songs wie „We Own The City“  – ohne obligatorisches von der Bühne laufen – kurzerhand ganz ins Publikum verlegt. Nachdem der Applaus aber selbst danach nicht abebben will, gibt es zum Schluss doch noch eine Extra-Zugabe – zurück im Publikum versteht sich. Viel zu schnell endet ein Abend, der so viele glückselig strahlende Gesichter, die begeistert den Abend zelebriert haben, in die Nacht entlässt.

Fotocredit: Benjamin Baumann

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