Robert Jon And The Wreck – Leckerer Bluesrock-Kuchen

Southern Bluesrock gemischt mit zwei bis drei Prisen Country, Folk, Americana und Hardrock gab es wieder einmal im traditionellen Bremer Bluesclub Meisenfrei auf die Ohren. Robert Jon & The Wreck stammen aus dem sonnigen Südkalifornien und machten auf ihrer zweiten Europatournee erstmals in der Hansestadt Halt.


Drei Songs. Soviel Zeit haben wir Fotografen bei größeren Konzerten in der Regel, um unsere Arbeit zu erledigen. Bei Robert Jon And The Wreck durfte der gesamte Auftritt fotografiert werden, aber die amerikanischen Southern-Rocker brauchten genau drei Songs, um ihr Publikum für sich zu gewinnen. Die Arbeit war damit für sie noch nicht erledigt, galt es doch, knapp zwei Stunden lang für beste Stimmung in der „Meise“ zu sorgen. Mission geglückt.

Robert_Jon_4.jpg „Aber der Reihe nach. Die kalifornischen Bluesrocker haben soeben ihr grandioses neues Album Good Life Pie veröffentlicht und touren damit im Gepäck durch Europa. Zunächst sieht es heute Abend so aus, als hätten sich die Qualitäten des Quintetts noch nicht bis nach Bremen herumgesprochen, denn kurz vor avisiertem Showbeginn ist der traditionelle Bluesclub noch überschaubar leer. So ist es keine schlechte Idee, dass der Konzertbeginn noch eine gute halbe Stunde auf sich warten lässt. In dieser Zeit trudeln tatsächlich immer mehr Besucher ein, so dass die „Meise“ um zehn vor neun zwar nicht komplett gefüllt, aber doch für einen Dienstag recht ordentlich besucht ist. Das eine oder andere Bier wird bereits konsumiert, und die versammelte Menge freut sich auf den sich heute im Angebot befindlichen American Pie der Bluesrocker.

Als die fünf Amerikaner aus Orange County in Kalifornien schließlich die Bühne entern und mit groovenden Riffs und orgelnden Keyboards mit ‚Blame It On The Whiskey‘ dem Hochprozentigen die Schuld an allem geben, sind die Bremer vielleicht zunächst noch etwas skeptisch. Aber Robert Jon Burrison, der mit Hut und Lederjacke stilecht bekleidet an sein Mikro tritt, sowie Lockenkopf Steve Maggiora an den Keyboards sind Profis und lassen sich von den wie immer eher zurückhaltenden Bremer Bluesrock-Fans nicht aus dem Konzept bringen. Lässig spielt der linkshändige Leadgitarrist Kristopher Butcher seine ersten Riffs und Soli, während Nick Phakpiseth am Bass und Drummer Andrew Espantman eher im Hintergrund agieren.

Robert_Jon_1.jpg „Und siehe da: Beim schon erwähnten dritten Song passiert es. Den Bremer gefällt’s, und das zeigen sie lautstark. Da muss Maggiora gar nicht mehr bei „Breaking Down The Road“ zwischendurch „Axel F.“ intonieren oder mit seinem Wuschelkopf in die Tasten hauen (!), nein, überwiegend ist es wirklich die Musik, die heute gut ankommt. Bald schon sind die ersten sonst so steifen Hanseaten vor der Bühne tanzend zu erleben. Robert Jon prostet den Bremern mit heimischem Bier zu und bedankt sich artig für deren Erscheinen. Er wird den heutigen Abend und den ersten Auftritt seiner Band in der Hansestadt sicher nicht in der schlechtesten Erinnerung behalten, wird das Publikum doch immer lockerer und lauter. Die Amerikaner können mit ihrer lauten Mischung aus Hardrock und Southern Bluesrock voll und ganz überzeugen. Neben den beiden Gitarren kann vor allen Dingen auch Keyboarder Maggiora punkten, der die Sechssaiter mit den beiden übereinander getürmten Tasteninstrumenten mit Orgel- und Honky-Tonk-Sounds prächtig unterstützt und immer wieder spannende Akzente setzt.

Robert_Jon_3.jpg „Nach dem schmissigen Titel ‚Let Her Go‘ folgt eine längere bluesige Jamm-Session, die geschickt den instrumentalen Track ‚Tightrope‘ vom neuen Album einleitet. Mit ‚Good Life Pie‘ folgt natürlich auch der Titelsong des aktuellen Albums, das wegen Lieferschwierigkeiten leider noch nicht am Merch-Stand erhältlich ist. Auf den späteren Stationen der Tour dürfte dies aber anders aussehen, so dass jeder Fan die neue Scheibe gleich erwerben wird können. Der Schwerpunkt des Abends liegt musikalisch natürlich beim neuen Album, aber auch der Vorgänger „Glory Bound“ kommt nicht zu kurz. Und ein paar Perlen der EPs werden ebenfalls zum Besten gegeben. Insgesamt schafft die Band es, in rund 110 Minuten einen guten Querschnitt durch das bisherige Schaffen zu präsentieren. Der Sound ist druckvoll und geht voll und ganz in Ordnung für den kleinen Club.

Robert_Jon_2.jpg „Am Schluss sind damit dann wohl alle zufrieden, denn die Band wird erst nach einer wohlverdienten Zugabe in den Feierabend entlassen, die Fans kaufen noch ein paar CDs und T-Shirts, holen sich ihre Autogramme und plaudern mit den Amis, die sich nach der Show noch unter das Partyvolk mischen. „Good Life Pie“ wurde heute Abend musikalisch serviert. Lecker war’s. Wann gibt’s den Nachschlag?

Setlist Robert Jon And The Wreck, 17.05.2016 in Bremen, Meisenfrei

Blame It On The Whiskey
Rollin‘
Breaking The Road
Bad For You
Death Of Me
Hit Me Like You Mean It
On The Run
Let Her Go
Tightrope
Mary Anne
Good Lovin‘
Hey Hey Mama
Good Life Pie
Cold Night
Gypsy Of Love
Glory Bound

Mehr Fotos zum Konzert findet ihr auf unserer Facebook Seite

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