Lotus

Es heißt Mensch mit Behinderung und nicht Behinderter. Das gilt auch dann, wenn die Behinderung durch einen Rollstuhl unübersehbar ist und auch dann, wenn der darinsitzende Mensch, diese(n) zum ausdrücklichen Thema macht. Felix Brückner, Frontmann und Gründer der Hamburger Band FHEELS hat sich durch einen Snowboardunfall 2005 eine Querschnittlähmung zugezogen, was ihn aber nicht davon abhält, zusammen mit seinen drei Mitstreitern die Bühnen dieser Republik zu rocken und eine Platte aufzunehmen.

Wie die Platte entstand, wie Sexszenen im Rollstuhl im Promo-Video in der Öffentlichkeit ankommen und wie man es als Newcomer schafft, sein Debüt über Crowdfunding zu finanzieren, haben Felix und Keyboarder Tobias uns im Interview erzählt, das Ihr hier lesen könnt.

Ein sattes Schlagzeug-Gewitter eröffnet „Lotusland“, kurz danach kommen Klampfe und Bass dazu und Felix´ Falsett singt von „Alice In Wonderland“. In den Strophen geht es dagegen eher ruhig zu, im Refrain entwickelt sich dann ein sich stetig steigender Rocker. Ähnlich kraftvoll geht es mit der ersten Single „Mr. Elephant“ weiter, treibende Gitarren-Riffs starten und liefern im Anschluss schneidende Licks. „Daybreak“ kommt mit fetten Bass-Läufen zum Anfang daher, die stark an Flea von den Chili Peppers erinnern lassen. Dann entwickelt sich ein eher verhaltener, beinahe balladesker Song mit vielen „Uhu“-Chören, der zum Ende noch einmal richtig Fahrt aufnimmt.

Als „Dirty Little Bastard“ wird der Protagonist im stark sexualisierten „Sharp Dressed Animal“ beschimpft. Frontmann Brückner thematisiert hier das große Tabu Sexualität und Behinderung und singt ganz explizit „I Grab Your Waist Your Breath Moves Fast, Your Heart Is Rushing Your Cheeks Are Red (…) Your Smell Your Taste On My Mouth“ – das würde bestimmt nicht im amerikanischen Radio laufen! Besonders empfehlenswert ist hierzu übrigens die sehr gelungene Visualisierung im dazugehörigen Video.

Mit „Time“ und „Empathy“ gibt es im letzten Drittel ein paar ruhigere Klänge, bevor es mit „Dark Water“ auf der Abfahrt noch einmal laut wird.

Scheißegal, ob Rollstuhl und Querschnitt, Mitleids-Lorbeeren sind hier fehl am Platz, denn dieses Debüt rockt! FHEELS erfinden die Musik ganz bestimmt nicht neu und die Platte ist auch weit davon entfernt, radiokompatibel und massentauglich zu sein. Freunde von (mittel-) harten Gitarren-Klängen dürften hier aber ihren Gefallen daran finden und sollten sich „Lotus“ unbedingt einmal anhören.

 

Note: 2

 

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Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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