KISS IN STUTTGART – Erinnerungen und Tränen zum Abschied

Unser Radakteur Andre ist nicht nur der gesichtsälteste bei uns im Team. Er hat Kiss schon live sehen dürfen, als die meisten Whiskey-Soda-Redakteur*innen noch Milch aus der Flasche bekommen haben. Nun geht eine Ära zu Ende und Andre hatte die Möglichkeit, die Band noch einmal auf ihrer Abschiedstour zu erleben.

Die Fahrzeit zur Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle entspricht ziemlich genau der Laufzeit des Albums „Alive II“, welches 1977 erschienen ist. Natürlich kommen Erinnerungen hoch. Damals, als „I Was Made For Lovin’ You“ in der Kinderdisco lief: Sonntagnachmittag bei Cola die ersten Berührungspunkte mit dieser Art von Musik. Selbstverständlich wurde sich auch geschminkt wie die damaligen Idole. Über diese Versuche wird jedoch der Mantel des Schweigens gehüllt.

Unzählige Konzerte von Dortmund über London bis zur Bremer Stadthalle wurden besucht. In letzterer eine skurrile Show erlebt, da dort aus feuerpolizeilichen Gründen jegliche Art von Pyrotechnik verboten war. Kiss ohne Pyro – der jetzige Endfünfziger blieb damals ohne Worte.

Zurück in die Gegenwart. Kiss begibt sich nach über vier Jahrzehnten auf große Abschiedstour. Endlich können die Konzerte nachgeholt werden, welche 2019 pandemiebedingt ausfallen mussten. Die US-amerikanische Hard-Rock-Band kommt nicht alleine in die deutschen Hallen und hat als Support The New Roses aus Wiesbaden im Gepäck.

Die Rocker um Sänger Timmy Rough können den Gästen mit ohrwurmartigen Songs wie „Down By The River“ gut einheizen. Immer wieder recken sich die Pommesgabeln bei den insgesamt neun Songs in die Luft und es gibt ordentlich Applaus. Die Musiker nehmen die Energie der Besucher auf und bieten eine richtig gute Show.

Nach kurzer Umbaupause ist es dann soweit. Zu „Detroit Rock City“ fällt der Vorhang und die Götter Gene Simmons, Paul Stanley und Tommy Thayer schweben auf Podesten von der Hallendecke auf die Bühne, während Schlagzeuger Eric Singer hinter seinem Drumset sitzt. Drei Generationen, vom Opa bis zur Enkelin, rasten ab dem ersten Takt aus. Auf den Rängen hält es nur noch die wenigsten auf ihren Sitzen. Bereits jetzt zeigt sich, dass es in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle kein Verbot von Pyrotechnik gibt. An allen Ecken und Enden der Bühne knallt es, und riesige Flammensäulen reichen bis fast zur Hallendecke. 16 Trucks konnten auf dem Parkplatz gezählt werden. Ein Zeichen dafür, dass Kiss wieder einmal eine opulente Produktion mit nach Europa gebracht hat.

23 Songs einschließlich der Solis umfasst die Setlist. Besonders aus der frühen Schaffensphase der Band gibt es heute viel zu hören. Allein neun Tracks stammen von den beiden Alben „Kiss“, 1974 erschienen und erstes Album der Band, sowie „Destroyer“ (1976).

Selbstverständlich dürfen die üblichen Showeffekte an diesem Abend nicht fehlen. Das begeisterte Publikum muss nicht auf den Blut- und feuerspeienden Bassist und Sänger Gene Simmons verzichten. Auch Eric Singer hat sein schwebendes Schlagzeug mit nach Schwaben gebracht. Sänger und Gitarrist Paul Stanley fliegt erwartungsgemäß an einer Traverse über das Publikum, um „Love Gun“ und „I Was Made For Lovin’ You“ auf einer Bühne mitten in der Halle zum Besten zu geben. Es gab und gibt immer wieder Gerüchte, dass Kiss beim Gesang vom Band unterstützt wird. An diesem Abend zeigt sich Paul nicht nur stimmlich in Hochform. Sicher trifft er nicht mehr die allerhöchsten Töne. Man darf aber nicht vergessen, dass der Mann mit mittlerweile 70 Lenzen immer noch eine zweistündige Show spielt. Auch der Rest der Band muss sich hinter der Leistung des Sängers nicht verstecken.

Leider vergeht der Abend wie im Flug, und „Beth“ leitet den Zugabenblock ein. Drummer Eric Singer wechselt das Instrument und sitzt zu dem Lied singenderweise am Flügel. Oldschool werden zu der Ballade neben Handylichtern noch einige Feuerzeuge in die Höhe gereckt. Die Entenpelle ist garantiert. Zu „Rock and Roll All Nite“ gibt es dann das große Schlussbild mit Pyro und Konfettiregen. Natürlich darf Paul auch heute wieder mit lautem Knall seine Gitarre auf dem Boden zerstören. Klar, dass dies unter lautem Jubel der Gäste geschieht.

In der Gewissheit, die Idole der Jugend zum letzten Mal live gesehen zu haben, wird nicht nur beim hier schreibenden Redakteur die eine oder andere Träne verdrückt. Natürlich gibt es bei heutigen Kiss-Shows keine großartigen Überraschungen mehr und die Produktion ist aufgrund der Größe von der ersten bis zur letzten Minute durchgeplant. Dennoch wird dieser Abend als weitere Erinnerung auf der menschlichen Festplatte gespeichert bleiben.

Anmerkung der Redaktion: Leider blieb uns in diesem Fall die Foto-Akkreditierung verwehrt. Daher erscheint das Review ohne Bildergalerie.

Photo Credit: Brian Lowe

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