Dir En Grey – Über Klischees und die Risiken der Bühnen-Performance

Seit fast zwanzig Jahren stehen Dir En Grey aus dem japanischen Osaka nun schon auf der Bühne. Von seinen Ursprüngen des Visual-Kei hat sich das Quintett längst entfernt. Heute ist die Band fester Bestandteil der progressiven Metal- und Rockszene. Konformer hat sie das jedoch nicht gemacht. Ganz im Gegenteil. Auf ihrer 'Unstoppable Life'-Tour machen Dir En Grey im Mai auch in Deutschland halt. Berlin, Dortmund, Nürburg und München stehen auf dem Plan. Grund genug für uns, Lead-Sänger Kaoru um ein kurzes Interview zu bitten. Wir verzichten ganz bewußt darauf, seine eher einsilbigen Antworten seiner Herkunft zuzuschreiben. Japanische Bizarro-Rockstars sind schließlich auch nur Menschen.


WS: Konichi-Wa, Jungs! Schön, daß ihr euch etwas Zeit nehmt, ein paar Fragen für unsere Leser zu beantworten. Unser Magazin heißt ja Whiskey-Soda. Was darf’s denn sein? Ein virtueller Whiskey-Soda oder doch lieber ein gutes deutsches Weizenbier?

Kaoru: Ich glaub, ich nehm den Whiskey-Soda. Arrigato!

WS: Im Mai kommt ihr für ein paar Shows nach Deutschland. Was gehen euch für Gedanken durch den Kopf, wenn ihr an Deutschland denkt? Vielleicht im speziellen im Hinblick auf die deutschen Fans oder Eure Erfahrungen auf früheren Konzerten bei uns? Gibt es etwas, auf das ihr euch Besonders freut?

Kaoru: Deutschland hat auf jeden Fall einen besonderen Platz in meinem Herzen, weil Deutschland das erste Land war, in dem wir außerhalb Asiens aufgetreten sind.

dir_en_grey_1.jpg „WS: Wenn man beliebige Rockmusikfreunde danach fragen würde, ob sie auf euch stehen oder nicht, würden wahrscheinlich bestimmte Aussagen kommen. „Die sind mir zu überdreht“ und ähnliche Aussagen. Wie geht es euch mit solchen Vorurteilen? Was war denn das Verrückteste, was ihr über euch selbst gehört habt?

Kaoru: Wir nehmen das als Kompliment, Mann! Und verrückte Unterstellungen sind uns noch nicht untergekommen.

WS: Wie erklärt ihr euch selbst euren Erfolg als Rock-Band? Ist es euer „exotische Stil“ oder was denkt, ihr was das Publikum an eurer Musik und Performance anspricht?

Kaoru: Vielleicht ist es die Tatsache, daß das Auftreten der Band, die Atmosphäre und die Musik einfach gut zusammenpassen?

WS: Wir unterstellen mal, daß viele Leute, die sich davon nicht angesprochen fühlen, euch als wirklich schräge Vögel einschätzen. Also solche, die aus dem Irrenhaus abgehauen sind und deren Lieblingsbeschäftigung es ist, tagsüber in Särgen zu schlafen und nachts Babys zu töten. Erzähl uns doch mal was völlig normales über euch, um diese Klischees zu widerlegen.

Kaoru: Wir sind ganz normale Typen, die jeden Tag zur Arbeit gehen, damit sie ihre Steuern und Versicherungsprämien bezahlen können. Ehrlich! 

WS: Hast du ne witzige oder peinliche Anekdote aus der Band für uns auf Lager?

Kaoru: Ich bin mal von der Bühne gefallen und mit meinem Kiefer richtig hart auf den Kopf eines Zuschauers geknallt. Ich hab mir dabei den Kiefer ausgerenkt!

WS: Im Rockmusik-Zirkus wird ja viel geflucht. Du bist ja Japaner und die gelten als extrem höflich! Trotzdem will ich dich herausfordern, unseren Zuschauern einen japanischen Fluch beizubringen. Der Bildungscharakter von Interviews mit Rockmusikern wird total ausgeblendet! Leg mal los!

Kaoru: You, Shaba-zo! (Das ist jemand der so tut, als würde ihn nichts aus der Ruhe bringen, aber letztlich ein Weichei ist.) 

WS: Kannst du unseren Lesern einen Empfehlung geben im Bezug auf gute Japanische Rock- oder Metalband empfehlen? Unterschätze, unentdeckte Perlen, befreundete Bands, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt?`

Kaoru: Downy, die habe ich schon oft genannt!

WS: Letzte Frage: Welcher Moment in Eurer Karriere bedeutet dir am meisten oder hat dich am meisten bewegt?

Kaoru: Budokan! (Gemeint ist der Auftritt in der berühmtesten Sport- und Veranstaltungsarena Japans in Tokio.)

(Interview: Eric Heineke & Daniel Frick)

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