JUPITER JONES – Erstes Club-Konzert nach der Reunion

Das Gleis 22 in Münster wurde viele Jahre in Folge zum besten Club Deutschlands gekürt, und nun will dessen Team nach der langen Pause wieder an alte Erfolge anknüpfen. Heute steht dafür eine besondere Attraktion auf dem Programm: Die wiedervereinigten Jupiter Jones spielen ihre allererste Hallen-Show seit ihrer Auflösung 2018. Zwar ist die Truppe zum Duo geschrumpft, dafür ist der ursprüngliche Sänger Nicolas Müller wieder mit an Bord, der die Combo 2014 verlassen hatte und ersetzt wurde. Gemeinsam mit Gitarrist Sascha Eigner und drei Gast-Musikern spielt er auf der kleinen Bühne der fast ausverkauften Kultureinrichtung.

Sichtlich erfreut betreten die fünf Künstler das Podium und rocken mit „Überall waren Schatten“ direkt los. Nicolas begrüßt im Anschluss freudig das Publikum mit den Worten „Mein Münster!“ (er wohnt seit vielen Jahren in der Stadt). Besonders erwähnt werden seine kleine Tochter und ihre Freundinnen, die am Bühnenrand das Spektakel verfolgen. Das beinahe punkige „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“ wird humorvoll dem ersten Bassisten gewidmet, der irgendwann einfach nicht mehr zur Probe erschien, wie Müller amüsiert berichtet. Überhaupt ist der Frontmann in Erzähllaune und moderiert nahezu jeden Song ausführlich an, mal lustig („Ihr wart doch mal berühmt?“ aus einem Interview), dann politisch-nachdenklich („Gegen Nazis und andere Spacken!“) oder rührend-emotional (für die Mädels in der ersten Reihe, die am nächsten Tag vermutlich sehr müde in der Schule sein werden). Heimlicher Star des Abends ist aber Gitarren-Roadie Peter: Jedes Mal, wenn er die Bühne betritt, um eine frische Klampfe zu bringen, wird er mit großem Applaus und Anfeuerungsrufen begrüßt. Sag noch einer, Westfalen wären stur und humorlos.

Bereits in der Mitte des Sets gibt es den Über-Hit „Still“. Das kann man Chuzpe nennen, tatsächlich ist es – abgesehen vom kommerziellen Erfolg – nicht die beste Nummer im Programm. Im Anschluss spielen die Herren mit „Der wichtigste Finger einer Faust“ einen Titel vom noch unveröffentlichten neuen Album, der sich nahtlos in die Klassiker einfügt, die den Hauptteil des Programmes ausmachen.

Das ruhige „Berlin“ beendet den regulären Teil, und lässt die Gäste minutenlang im Chor mitsingen. Natürlich geht es noch weiter, die Jungs lassen sich auch nicht lange für die Zugaben bitten. Mit „Melatonin“ gibt es gar einen so brandneuen Track, dass Peter erst einmal einen Textständer aus nicht gebrauchten Stativen basteln muss, denn bei Nicolas sitzen die Worte einfach noch nicht. „Immerfürimmer“ ist der Rausschmeißer und leider gehen 90 Minuten viel zu schnell vorbei. Band und Besucher verschwinden glücklich und verschwitzt in die Nacht.

Ein mehr als geglücktes Live-Comeback, sowohl für den Club als auch für Jupiter Jones. Ein Abend wie dieser macht deutlich, wie wichtig Kunst und Kultur ist, auch und gerade abseits von den Riesen-Arenen. Bleibt allen Beteiligten – vor, hinter und auf der Bühne – zu wünschen, dass es keine neuen Schließungen gibt.

 

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Fotos: Wollo@Whiskey-Soda

Wollo

Altenpfleger mit didaktischer Weiterbildung. Hört Rockmusik aus verschiedenen Genres und bis zu einem gewissen Härtegrad aus allen Jahrzehnten, hin und wieder auch eher ruhigere Singer/Songwriter. Geht oft auf Konzerte, aber leider nur noch selten auf Festivals. 

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