HELLOWEEN UND HAMMERFALL – Kürbisernte in Stuttgart

Sehr lange mussten Fans von Helloween auf diesen Abend warten. Aufgrund der bekannten Situation wurde die Tour der Power-Metal-Band aus Hamburg mehrfach verschoben. Doch das Warten wird belohnt. Helloween hat nun auf der „United Forces“-Tour mit Hammerfall einen hochkarätigen Special Guest im Gepäck. Ob und wie ein Konzert mit zwei Headlinern funktioniert, hat unser Redakteur Andre in Stuttgart erfahren.

Natürlich ist es frustrierend, wenn immer wieder Konzerte verschoben oder gar abgesagt werden. An diesem Abend jedoch ist Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Ziel ist die Hanns-Martin-Schleyer-Halle in der schwäbischen Hauptstadt. Trotz des parallel stattfindenden Aufbaus des Cannstatter Wasen findet sich recht schnell ein Parkplatz und die Halle wird mehr als pünktlich erreicht.

Die üblichen Formalitäten gehen reibungslos über die Bühne und ehe sich der Verfasser dieser Zeilen versieht, steht er mit seinem Equipment im Fotograben. Schnell wird klar, dass Hammerfall den Abend eröffnen wird. Das meterhohe Podest von Drummer David Wallin regt meterhoch in den Hallenhimmel. Zu „Brotherhood, der Track stammt vom im Februar erschienenen Album „Hammer of Dawn“ stürmen dann die Mitglieder der schwedischen Power-Metal-Band die Bühne und werden vom Publikum der nicht ganz ausverkauften Location frenetisch bejubelt.

Natürlich kann man endlos über das leidige Thema „Front of Stage“ versus „normale“ Stehplätze diskutieren. Fakt ist, dass erstgenannte Zone an diesem Abend sehr gut besucht ist. Viele Headbanger und -innen haben die zehn Euro mehr ausgegeben, um näher vor der Bühne zu stehen.

Die Mannen um Sänger Joacim Cans nutzen die Bühne komplett für sich und sind ständig in Bewegung. Ein Steg, welcher ins Publikum ragt, sorgt dafür, dass die Band noch mehr ihrem unbändigen Bewegungsdrang nachgehen kann. Auf der Setlist stehen an diesem Abend 14 Tracks. Dies zeigt, dass Hammerfall mehr ist als eine übliche Support-Band.

Drei Tracks von der aktuellen Veröffentlichung haben es auf die Liste geschafft. Natürlich dürfen Kracher wie „(We Make) Sweden Rock“ oder „Last Man Standing“ auch an diesem Abend nicht fehlen.

Joacim versucht sich immer wieder in deutschen Ansagen und entschuldigt sich für seine schlechte Aussprache. Dies tut der hervorragenden Stimmung jedoch keinen Abbruch. Schlag auf Schlag geht es mit vollem Tempo durch den Abend. Zeit zum Durchatmen gibt es lediglich bei „Glory to the Brave“. Zu der Ballade setzt sich der Sänger auf den Bühnenrand, um auf ein (Handy-)Lichtermeer zu blicken. Seinem Gesichtsausdruck ist deutlich zu entnehmen, dass an diesem Abend sehr viel richtig läuft.

Viel zu schnell ist das Ende des regulären Auftrittes erreicht und Hammerfall verlässt unter lautem Jubel die Bühne. Doch was wäre ein zweiter Headliner ohne Zugaben. Mit „Hammer High“ und „Hearts on Fire“ wird das Tempo noch einmal angezogen. Auch diese Lieder werden noch einmal lautstark mitgesungen, bevor die Schweden die Stage endgültig verlassen.

Die Umbaupause bietet Zeit für ein hopfenhaltiges Kaltgetränk und den obligatorischen Besuch des Merch-Standes. Natürlich sind 40 Euro für ein dünnes Tour-Shirt kein Pappenstiel. Aber was macht man nicht alles, um seine Lieblingsbands zu unterstützen. Rechtzeitig zur Show des zweiten Headliners erreicht der Verfasser dieser Zeilen wieder den Innenraum der Halle.

Zum Intro von „Orbit“ fällt der Vorhang und Helloween betritt die Bühne. Auch Schlagzeuger Dani Loeble thront über allem auf seinem als Kürbis verkleideten Drumpodest und hat einen hervorragenden Blick auf die jubelnde Menge. „Skyfall“, der erste Song des Sets stammt vom 2021 erschienenen Album „Helloween“ und sorgt sofort für gute Stimmung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Während auf der großen Leinwand im Hintergrund ständig aufwändige Animationen laufen, präsentieren sich die deutschen Power Metaller in bester Spiellaune. Das Duo der Alleinunterhalter Michael Kiske und Andi Derris spielt sich immer wieder die Bälle zu, wenn sie nicht gerade singen. Es scheint eine große Harmonie zwischen den beiden Sängern zu geben.

Bei „Eagle Fly Free“ ist dann kollektives Ausrasten angesagt. Der bereits 1987 erschienene Song sorgt immer noch für Ektase bei den Fans. Es ist unglaublich, wie Kiske immer noch die hohen Töne trifft. Der Liederzettel umfasst 15 Songs und lässt auch bei Helloween fast keine Wünsch offen. Natürlich wünscht sich der Fan den ein oder anderen Song mehr. Das Konzert würde dann jedoch fünf Stunden dauern.

Bei Helloween bekommt auch der Nachwuchs eine Chance. Zum Medley (bestehend aus „Metal Invaders“, „Victim of Fate“, „Gorgar“ und „Ride the Sky“) betritt Tim Hansen mit seiner Gitarre die Bühne. Tim ist der Sohn von Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger Kai Hansen. Der Vater hat somit die Möglichkeit, die Gitarre an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen und sich komplett auf den Gesang zu konzentrieren. Das Experiment kommt vor der Bühne sehr gut an.

Auch beim zweiten Headliner des Abends geht es mit Vollgas durch das Konzert. Lediglich die Ballade „Forever and One“ gibt den Metalheads etwas Zeit zum Durchschnaufen. Die beiden Mikrofonschwinger nehmen Platz auf zwei Barhockern, welche auf dem Bühnensteg platziert wurden und intonieren den Song voller Inbrunst.

Der Zugabenblock beginnt mit „Perfect Gentleman“. Stilgerecht erscheint Derris mit Zylinder, Glitzerjackett und Gehstock auf der Bühne. Den Applaus der Menge hat sich der Sänger nicht nur für sein Outfit verdient. 

Mit „Keeper of the Seven Keys“ und „I Want Out“ endet dieser Abend voller Power Metal. Glückliche, verschwitzte Menschen machen sich auf in Richtung Heimat. So kann die Konzert-Hallensaison gerne weitergehen.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

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