FREEDOM CALL – Durch den Bildschirm getrennt, in der Sache vereint

Konzerte sind aktuell immer noch in weiter Ferne, da nimmt der dürstende Fan gern jede Alternative in Kauf. So gibt es zum einen in der Wohnzimmervariante die Lösung der Konzert-DVD, jedoch ohne Interaktion mit dem Zuschauer vorm TV oder die Streaming-Variante. Da auch die Happy Metaller Freedom Call Entzugserscheinungen haben, streamten sie Ende Mai für die Fans weltweit. Whiskey-Soda war auf der Couch mit dabei.

Um ein wenig realistischeres Konzerterlebnis zu haben, wurde nicht gesessen, sondern mit Bier vorm TV gestanden, auch um einige Fotos machen zu können. Vorteil: So leer war es im Fotograben selten. Spannende Frage war, ob der extrem publikumsintensive Metal auch ohne Publikum funktioniert und Atmosphäre auch ohne hüpfende Fans bei den verdächtigen Songs wie „Land Of Light“ aufkommen würde.

In Zusammenarbeit mit Corona Concerts gelang es den Franken, die ohne Bassist Francesco auskommen mussten, dafür aber optimal von Kevin Kott an den Drums und Joschi Joachimsthaler am Bass unterstützt wurden, eine professionelle Show zu bieten, die Sound- und Bildtechnisch keine Wünsche offen lies.

Zu Beginn gab es noch ein kurzes Interview im Tourbus zwischen Chris Bay und Andy Ost von Corona Concerts sowie ein kleines Duett zu „111“ mit Hintergrundinformationen, was hinter der Zahl steckt, mit „Union of the Strong“ und dem Hüpf-Klassiker „Tears of Babylon“ begann ein besonderes Konzert, bei dem Freedom Call alle livetpyischen Elemente wie die obligatorischen Gesten ablieferten und für Stimmung sorgten, auch wenn Fans und Band durch den Bildschirm getrennt waren. Zwischen den Songs war zu Beginn der Band anzumerken, wie ungewohnt die Situation ist, doch moderierte Chris Bay charmant die fehlenden und verdienten Applausbrandungen hinweg, um zum nächsten Song überzuleiten.



Mit „Sail away“, dem Klassiker „Metal Invasion“ und „M.E.T.A.L.“ folgten weitere Stimungsgranaten, infolge dessen die Band immer souveräner in den Pausen wurde und auch augenzwinkernd mit den Fans zuhause kommunizierte. Sehr amüsant und symphatisch. Schön auch, dass Bassist Francesco aus Italien per Videoanruf hinzugeholt wurde, um ihn Teil dieses Erlebnisses werden zu lassen. Mit „111“ kam dann einer der Lieblingssongs von Francesco, da dieser sehr positiv sei und „Freedom Call als Pussy Metal Band“ solche Songs schreibt statt die typische „666“-Lyrik verwendet.

Weiter gab es mit „Freedom Call“, „Power & Glory“, „Halleluja“, „Metal is for Everyone“, „Warriors“ und „Far away“ unverzichtbare Klassiker, bevor die Band mit „Land of Light“ gefühlt viel zu früh ihr Streaming-Konzert beschloss. Dafür entschädigte aber die obligatorische Verabschiedung bei dem imaginären Publikum, die bewusst übertrieben ausfiel und nochmal für ein Schmunzeln sorgte.

Live ist zwar immer besser, aber als Alternativprogramm sind solche Streamingkonzerte mit Publikumsinteraktion realistischer als aufgezeichnete Konzerte. Daher ist eine kalte Pizza zwar nicht besser als eine frische, aber immer noch besser als gar keine. Danke, Freedom Call für einen schönen Abend!

 

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