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For The Demented

Seit 1984 ist Mr. Jeff Waters mit seinen Annihilator unterwegs. Und eigentlich sind Annihilator Jeff Waters. In den 33 Jahren Bandgeschichte ist er der stabile Faktor, auch wenn es immer mal wieder Phasen mit einem leidlich stabilen Bandgefüge gab. Der Ausstieg von Sänger Dave Padden nach zehn Jahren im Jahr 2014 hatte zum nur durchschnittlichen „Suicide Society“ geführt, bei dem Waters nach Jahren wieder selbst die Lead Vocals übernahm. Nun ist das kanadische Thrash-Stehaufmännchen einmal mehr mit neuen Mitmusikern und Album Nummer 16 (!) am Start. Ein neues Kapitel Annihilator ist mit „For The Demented“ also aufgeschlagen. Und daß es wieder mehr auf den Punkt ist als sein Vorgänger, wird bereits nach wenigen Minuten klar.

Mit einem stimmungsvoll-bedrohlichen Riff eröffnet das Album, dann geht es direkt in die Vollen. Die Drums geben Vollgas und die Vocals von Waters klingen bereits nach den ersten Tönen punktuierter als beim letzten Werk. Das ist wieder Thrash, das klingt angepisst, das klingt schlicht, als ob sich Waters „wiedergefunden“ hat. Vorbei die zumindest gefühlte Anbiederung an den Rock-Mainstream mit Weichspül-Einlagen. Stattdessen gibt es wieder messerscharfe Riffs und wirklich tonnenweise Gitarrensoli. Der Titelsong nimmt sich dann allerdings wieder etwas zurück, klingt beim Gesang sympathisch etwas nach Alice Cooper. Der Groove steht im Vordergrund und das passt wunderbar zu dem Stück. ‚Pieces of You‘ ist eine solide Rock-Ballade und ‚The Demon You Know‘ eine weitere groovige Hardrock-Nummer, in der Mitte findet sich ein Abschnitt mit einer Art Sprechgesang und am Ende gibt es noch etwas Metal-Feeling.

Die zweite Hälfte des Albums ist ebenso heterogen und birgt kleinere Überraschungen, ist aber alles in allem auf jeden Fall gelungen. Man kann natürlich auch zu Recht sagen, daß ein Album, das zehn Song nur thrashig durchknüppelt, auch kritisch gesehen werden kann. Die Produktion des Albums ist sauber, manchmal fast ein wenig aseptisch. Sicher, es ist 2017 und gekünstelt ein Demo-Flair zu verbreiten wäre peinlich. Ich will hier nicht in ein stupides „Mainstream, Mainstream“ Geschimpfe verfallen. Das hat das Album nicht verdient, denn es macht Spaß. Nach sechzehn Alben hat Waters alles Recht, neue Wege zu beschreiten. Und die sind nun etwas braver als das, was man landläufig immer noch mit Thrash-Metal verbindet. Das Album enthält definitiv nicht DAS Flair, das man bei dem blutigen Dämonen-Cover-Artwork erwartet. Trotzdem, „For The Demented“ ist abwechslungsreich, es hat tolle Riffs und viele stimmungsvolle Momente. Und ist damit definitiv gelungener als der direkt Vorgänger.

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