Protomatyr

The Agent Intellect

  • Artist: Protomatyr
  • Album: The Agent Intellect
  • Label: Hardly Art
  • Release: 2015-10-09
  • Medium:
  • Bewertung:2

Detroit ist die Heimatstadt der Band Protomatyr. Die einstige Metropole hat ihre beste Zeiten durch den Niedergang der amerikanischen Automobil-Giganten hinter sich. Den Zusammenbruch der Stadt besangen zu Beginn des Jahrtausends beispielsweise die White Stripes eindrucksvoll in brachialem Schmerz. Nach dem Schock des Zusammenbruchs beginnt Detroit sich mittlerweile allmählich neu zu erfinden. Ganze leerstehende Stadtteile werden abgerissen und durch innovative, grüne Parks ersetzt. Viele alternativ und künstlerisch angehauchte Menschen zieht es aufgrund günstiger Mieten und jeder Menge Platz zurück nach Motor-City.

Dieser Aufschwung ist auch in ‚The Agent Intellect‘, dem dritten Album von Protomatyr nicht zu überhören. Während die Detroits Musik-Helden, wie bereits besagte White Stripes oder MC5, für ihren bluesigen und donnernden Sound bekannt waren, schielen Protomatyr über den großen Teich. Ihre Vorbilder sind unverkennbar die britischen Bands Ende der 80er Jahre. Grelle Gitarren unterstützt von einem markanten Bass bilden das Gerüst des Quartetts. Ganz ähnlich machten das schon Gang of Four, The Fall oder auch Joy Division.

Doch ‚The Agent Intellect‘ ist ganz gewiss mehr als nur eine Hommage an die Ahnen der Indie-Musik. Besonders die markante Stimme von Sänger Joe Casey gibt dem Ganzen einen völlig eigenen Drive. In seiner Weise unüberdreht, vermag er durch seine stimmliche Präsenz mitzureißen. Das sind gehauchte Schreie tief aus dem Kehlkopf, die den teilweise hymnischen Gitarrengeschwader eine enorme Tiefe geben.

Im Opener ‚The Devil In His Youth‘ gibt es bereits den ersten Aha-Effekt, wenn sich über eine einsame Gitarre plötzlich Casey einklinkt und sich tief brummend zu Wort meldet. Mit den einsetzenden Drums stellen sich schließlich die Härchen im Nacken auf. Das Gleichgewicht zwischen diesen Nüchternheit und den brodelnden Instrumenten bleibt über die volle Distanz gewahrt.

Metaphorisch auf Detroit betrachtet ist die Stimmung der Platte nach vorn gerichtet. Die Verluste sind noch gut in Erinnerung und wirken nach, doch aus den Ruinen erhebt sich etwas, das die Vergangenheit noch nicht abgeschüttelt hat, aber bereit für eine fröhliche, neue Zukunft ist.

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