FÉLETH – Schnaps und Corona am Polarkreis

Wie geht man ein Interview an, wenn eine frische Death-Metal-Band aus ein paar norwegischen Jungs im Pressetext zu ihrem kommenden Album ziemlich derben Humor auspackt? Sich gegenseitig foppt und über Körperflüssigkeiten, gemeinsame Alkohol-Exzesse und sympathische Spleens fabuliert?

Féleth sind aus dem äußersten Norden Norwegens, aus Alta bei Tromsø, 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Bis zum Nordkap ist es nur noch ein Katzensprung. Und vielleicht ist es am arschkalten Arsch der Welt ja auch eine Art Selbst-Entertainment, sich mit derben Späßen eine gute Zeit zu machen. Man kann ja schliesslich nicht nur die ganze Zeit frischen, modernen Death-Metal mit Niveau machen, um sich selbst aufzuwärmen.

Féleth sind zu fünft: Alexander spielt Gitarre, die er bei jedem Konzert mindestens 50 Mal stimmt. Er mag Rivers of Nihil und Architects, Bier, Tequila und den FC Liverpool. Espen singt, liebt Cattle Decapitation, Bier und Tequila und trinkt gerne Backstage Musiker aus anderen Bands unter den Tisch. Aleksander hat wegen seinem Schlagzeugspiel und Muskeltraining den männlichsten Oberkörper aller Zeiten, hört am liebsten Tschaikowski und Dying Fetus und nimmt gerne Entspannungsbäder.

Brage spielt Bass, steht auf Archspire und Spawn of Possession und hat die Flatulenz zum Leidwesen seiner Bandgenossen mit viel Praxis zur Meisterschaft gebracht. Und Thomas schließlich verschwindet acht Monate im Jahr mit seinem Schneemobil The Black Dahlia Murder hörend in der norwegischen Pampa, nur um seine Bandkollegen nach seiner Rückkehr in die Zivilisation mit stundenlang quietschenden Flageolettes auf seiner Klampfe zu quälen.

Was fragt man eine solche Truppe? Natürlich nach Alkohol, nach den Lieblingsbands, zweckentfremdeten Corona-Schutzmasken und norwegischen Schimpfwörtern. Das neue Album ist nebensächlich. Das Geplauder bezeichneten die Herren dann neckisch als „das witzigste Interview der Bandgeschichte“. Na, dann viel Spaß!

Féleth kommen aus Alta/Norwegen, nördlich des Polarkreises. (Foto: Google Earth)

Whiskey-Soda: Hey Jungs, ihr habt ja aus eurer Liebe zum Fusel kein Geheimnis gemacht! Da wollen wir mal nicht so sein und laden Euch als Magazin, das Whiskey-Soda heißt, auf einen virtuellen Drink ein. Was darf es sein?

Féleth: Wir können uns nicht entscheiden zwischen Whiskey Sour und Erdbeer-Daiquiri. Wenn wir bei euch in Deutschland auf Tour wären, würden wir sicherlich auch eins eurer guten Biere probieren.

WS: Was denkt ihr denn, wo der Name Whiskey-Soda herkommt? Wenn ihr draufkommt, gewinnt ihr einen vergoldeten Zahnstocher!

Féleth: Das hat doch bestimmt was mit Lemmy zu tun? Whiskey und Cola?

WS: Tut uns leid, nee. Die beiden Gründer unseres Magazins nannten sich zu unserer Anfangszeit, als wir noch ein Radiosender auf dem freien Kanal Berlin waren und die beiden Musik auflegten, DJ Jack D und DJ Soda Bubble. Und wenn man beides zusammen tut? Voila! Whiskey-Soda! Aber weiter im Text. Wie sieht es bei euch mit Corona aus? Entarten eure Bandproben via Video-Konferenz-Tool in üble, virtuelle Trinkgelage, weil ihr euch nicht mehr von Angesicht zu Angesicht besaufen könnt?

Féleth: Corona ist bei uns so weit im Norden im Alltag kein großes Thema! Das läuft fast wie sonst. Wir treffen uns zwar weniger, aber wenn, wird wie sonst auch getrunken und manchmal auch ein bißchen Musik gemacht.

WS: Und wie sieht es mit den Schutzmasken aus? Müsst ihr die auch tragen? Wir fragen nur, weil das ja die perfekte Gelegenheit wäre, euren Band-Pupser Brage auszuhebeln. Ihr könntet nun alle beginnen ständig Masken zu tragen und müsstet niemandem erklären, daß der eigentliche Grund gar nicht Corona ist. Und ihr müsstet so natürlich auch Brages Gefühle nicht verletzen!

Féleth: Das ist ne wirklich gute Idee, Danke für den Tipp! Auf der anderen Seite halten wir ohnehin immer mehr als zwei Meter Abstand zu Brage. Die Geräusche seiner Darmbewegungen werden ja von seinem Bassverstärker übertönt, aber der Geruch eben leider nicht! Als es jetzt also darum ging, immer mehr als zwei Meter Abstand zu halten, waren wir das schon total gewohnt. Wir haben uns einfach vorgestellt, Jeder um uns herum wäre Brage. Kinderleicht und höchst effizient!

WS: Ihr habt als große Hoffnung für die Zukunft der jungen Menschen in Norwegen tiefere Steuern und Bierpreise formuliert. Wenn ihr im Parlament in Oslo dafür eine Mehrheit gewinnen müsstet, welches Finanzierungskonzept würdet ihr den anderen Abgeordneten vorlegen?

Féleth: So aus der Hüfte geschossen würden wir folgendes sagen. Mindestens 50% der Bezüge aller Politiker würden wir uns krallen. Die sind eh völlig überbezahlt! Mit dem Geld würden wir eine krasse Werbekampagne für Alkohol auf die Beine stellen – nachdem wir das Gesetz entsprechend geändert hätten. Momentan ist Werbung für Alkohol nämlich gesetzlich gar nicht erlaubt. Alkohol bringt Menschen zusammen und macht Spaß, das ist unsere Devise!

WS: Wenn ihr Travis Ryan, den Sänger der von euch sehr verehrten Cattle Decapitation, Backstage bei einem Festival treffen würdet, was würdet ihr tun? Cool bleiben oder Fanboymässig ausflippen? Und was würdet ihr ihn fragen?

Féleth: Wir würden cool bleiben. Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, können Fanboys tierisch nerven. Und auch wenn er ein echt krasser Sänger ist – letztlich ist er auch nur ein ganz normaler Typ. Unser Bassist würde ihn vermutlich nach Gesangsstunden fragen.

WS: Erzählt unseren Lesern doch was über euer kommendes Album „Depravity“. Was ist das wichtigste am Album? Und habt ihr ne schräge Anekdote von der Zeit im Studio?

Féleth: Wir haben es tatsächlich völlig nüchtern aufgenommen! Das zweite Solo in „Arise“ haben wir am Tag bevor wir das Album zum Abmischen geschickt haben, improvisiert. Und – nicht zu vergessen – die Bridge in „Hollow Words“ war für jeden von uns echt verdammt schwer zu spielen. Der Song hat ein paar echt schräge Taktarten. Aber ganz grundsätzlich sind wir natürlich echt stolz und aufgeregt, dass dieser böse kleine Junge bald das Licht der Welt erblickt!

WS: Letzte Frage, Jungs. Jetzt dürft ihr nochmals zu Höchstform auflaufen. Wir halten den Bildungscharakter von Musik-Interviews hoch. Habt ihr vielleicht ein norwegisches Schimpfwort, das ihr unseren Lesern unbedingt beibringen wollt?

Féleth: Der heilige Gral der norwegischen Flüche ist „Faen“. Das kann echt alles bedeuten – sehr universell einsetzbar. Dann hätten wir „Hestkuk“, das ist weit verbreitet und heißt „Pferdepimmel“. In unserem Dialekt gibt es dann auch noch was Nettes: „E du fette hjerneskada?’’. Man könnte es grob mit „Bist du Scheiß Hirntot?“ übersetzen, aber so richtig zieht es nur auf Norwegisch.

Féleth sind:

Espen – Gesang
Thomas – Gitarre
Alexander – Gitarre
Aleksander – Schlagzeug
Brage – Bass

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Bandfotos: Charlotte Tangen

Google Earth: Alta/Tromso

DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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