Pride Of Lions

Fearless

  • Artist: Pride Of Lions
  • Album: Fearless
  • Label: Frontiers Records
  • Release: 2017-01-27
  • Medium:
  • Bewertung:3

Die Kollaboration von Ex-Survivor-Keyboarder Jim Peterik und Sänger Toby Hitchcock geht mittlerweile in die siebte! Runde, ohne daß sich irgendwas geändert hätte. AOR der pompös-pathetischen Sorte, nie zu rockig (obwohl man in ‚Fearless‘ dreist das Riff von ‚Paranoid‘ abkupfert), immer mit viel Zuckerguss und jenseits der Kitschgrenze. Achtziger-Stallone-Soundtrack-Mucke – und, ähem, zugegebenerweise eigentlich genau meine Welt.

Die Probleme bei Pride Of Lions sind aber auch schon seit dem Debütalbum die Gleichen. Da ist einerseits die unsinnige Entscheidung von Peterik, einen guten Teil der Gesangsparts selbst zu übernehmen. Denn zwar trifft Jim natürlich sämtliche Töne, verfügt aber über die stimmliche Extravaganz eines durchschnittlichen Radio-Nachrichtensprechers. Umso ärgerlicher, da Toby Hitchcock über eine echt feine Stimme verfügt, die bisweilen an John Payne (Ex-Asia) erinnert. Noch schwerer wiegt allerdings das Fehlen von echten Hits im Pride Of Lions-Repertoire, und leider fügt auch „Fearless“ hier keinen potenziellen Klassiker hinzu. Dabei versucht Peterik zwar durchaus, den Survivor-Sound klinisch durchkalkuliert bis ins Detail zu reproduzieren, übersieht dabei aber ein wichtiges Detail. Die klassischen Survivor-Scheiben waren nämlich Gemeinschaftsarbeiten von Peterik und Gitarrist Frankie Sullivan, der dem Pomp ein Mindestmass an Bodenständigkeit entgegensetzte und damit eben die spezielle Mischung erzeugte, die Alben wie „Vital Signs“ so großartig machten. So erstickt alles in käsigen Streichersounds, Synthieharfen und schlicht überladener Produktion, bis man bisweilen tatsächlich das Gefühl hat, an der Zuckerwatte zu ersticken.

Songs wie ‚All I See Is You‘, das dank der Violine ein wenig an Kansas zu „Vinyl Confessions“-Zeiten erinnert, oder ‚Freedom Of The Night‘ kann man als Plüschfan zwar durchaus problemlos durchhören, man sollte aber nicht erwarten, daß nach dem Ende der Scheibe auch nur ein Song im Gehör hängenbleibt. Und die Balladen ‚Everlasting Love‘ und ‚Unmasking The Mystery‘ gehen gar als Komplettausfälle durch, die eher nach mit Gitarren versetztem Dieter Bohlen-DSDS-Gewinner-Song tönen als nach edlem AOR-Stoff. Sorry, Jim, aber diesen Stil spielen beispielsweise die Finnen Brother Firetribe mittlerweile sowohl authentischer als auch qualitativ ein gutes Stück hochwertiger. Wer die bisherigen Scheiben von Pride of Lions mochte, wird aber auch hiermit happy sein.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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