theAngelcy

Exit Inside

  • Artist: theAngelcy
  • Album: Exit Inside
  • Label: Jive Epic
  • Release: 2016-01-22
  • Medium:
  • Bewertung:1+

Sechs Musiker aus Israel tun sich zusammen, um auf Tour zu gehen. Jahre später erscheint ihr Debütalbum, aber zunächst nur in Israel. Heute ist es nun endlich soweit, dass ‚Exit Inside‘ auch bei uns zu haben ist.

theAngelcy zitieren Klezmer und eine tieftraurige Klarinette weint oft diskret mit der Geige um die Wette. Aber irgendwie ist das alles doch verhaftet in der Moderne. Lyrische und doch sehr deutliche Texte, häufig gegen Krieg und Nationalismus, werden untermalt mit Musik, die sparsame Akzente setzt. Eine ganz eigene Mischung, die wunderbar funktioniert.

Politisch motivierte Musik muss nicht schwer und behäbig daherkommen, muss nicht verkopft und grauenvoll intellektuell sein – das ist nur hierzulande so. Die sechs Israelis jedenfalls liefern ein spannendes und äußerst unterhaltsames Album ab, geerdet in der Tradition und mit dem Kopf in der Moderne.

Die Texte sind in englischer Sprache und das ist auch gut so, denn theAngelcy wollen und sollen verstanden werden. Der Akzent stört da gar nicht.

Und bei aller kritischen Haltung ist immer noch Platz für die großen Gefühle, für Liebe und Zärtlichkeit, wie zum Beispiel bei ‚Giant Heart‘. Man glaubt, die Seele der jungen Israelis ein wenig besser verstehen gelernt zu haben. In jeder Note schwingt der spürbare Spagat zwischen der Realität von Anschlägen und Gewalt, von militaristischen Posen, von Abschottung und Ausgrenzung und der normalen Lebenswirklichkeit des einzelnen, mit alltäglichen Sorgen und dem kleinen Glück an einem warmen Abend in einem Straßencafé.

„I’m a killer, I kill with words“, so heißt es in ‚Rebel Angel‘, „sometimes I wish I’d never feel again, but in the end I cry for more“. Der Song thematisiert genau diese Gespaltenheit, das Auseinandergerissenwerden zwischen den Extremen der Realität. Eine Studie in Grau, weil theAngelcy wissen, dass das Leben nicht Schwarzweiß ist.

Und wer bei ‚Captain Zero‘ nicht laut lachen muss, der hat in seiner Jugend keine Westernfilme gesehen und versteht nicht, wie göttlich die Mischung aus Morricone und Klezmer ist.

‚Exit Inside‘, das sind elf Songs zum Ganz-Genau-Hinhören und zwei gute Instrumentals. Insgesamt sehr eigen, sehr interessant und extrem gut gemacht. Komplexe Musik mit hervorragenden Texten und doch alles zum Mitwippen und Mitlächeln. Feines Stöffchen.

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