BLACK LUNG – Heavy Fuzz zum Tourauftakt

Die niederschmetternde Diagnose des Arztes lautet: Schwarze Lunge. Aber kein Grund zur Panik, handelt es sich doch bei Black Lung um eine spannende Band aus der US-Metropole Baltimore, über die wir in den letzten Wochen schon mehrfach berichtet haben. Höchste Zeit also, die Jungs nach unserer Albumrezension und dem Interview auch mal live unter die Lupe zu nehmen. Die Gelegenheit dazu bot sich am 27. März 2019 beim Tourauftakt in Hamburg, wo Black Lung eine düster-faszinierende Mischung aus Psychedelic-Rock, Stoner- und Doom-Metal und einer Prise Blues auf die Bühne brachten.

„Heavy Fuzz“ steht heute auf dem Speiseplan des Hamburger Clubs Logo. Die ursprünglich als Nebenprojekt der Baltimorer Psychedelic-Rock-Band The Flying Eyes gedachte Band Black Lung hat vor wenigen Tagen ihr drittes Album „Ancients“ veröffentlicht und startet in der Hansestadt jetzt eine Tour, um die überaus gelungene Scheibe live zu promoten und neue Fans um sich zu scheren – und natürlich auch für die alten Fans, die schon lange auf Black Lung schwören.

Im Logo an der Hamburger Grindelallee hat sich eine bunte Mischung aus beiden Gruppen eingefunden und harrt neugierig auf den Beginn des Konzertabends. Der Club ist leider nur etwa zur Hälfte gefüllt, was aber sicher für einen Mittwochabend nicht allzu schlecht ist. Vielleicht 150 Besucher haben sich im rustikal-traditionellen Rock- und Metalclub mit der niedrigen Decke versammelt. Jeder hat damit genug Platz, und beide Bands müssen ihr Publikum mehrfach auffordern, doch etwas näher zu kommen, denn die Hanseaten sitzen lieber weiter hinten oder an der Bartheke. Aber spätestens beim Headliner des Abends streben die Fans dann doch vor die Bühne. Richtig so! Um kurz nach 20 Uhr kann dann also eine doomig angehauchte Stoner- und Rockparty steigen. Gekommen ist heute ein bunter Mix aus Normalos, Metallern, Hipstern, Stonern, Rastas und Hardrockern. Zwischen vielen bärtigen Wollmützenträgern haben sich auch erstaunlich viele junge Mädchen versammelt. Stoner-Rock spricht heute offenbar ein breit gefächters Publikum an.

Los geht es zunächst einmal mit einer Band aus Hamburg, welche die Ehre hat, den heutigen Abend stilvoll eröffnen zu dürfen. Calma legen los, um das Publikum auf einen düster-lauten „Heavy Fuzz“-Abend einzustimmen. Und das gelingt ihnen vom ersten Augenblick an sehr gut: Mit schwerem Gerät gibt es gleich die volle Dröhnung auf die Ohren, als wollen die vier Herren noch einmal die Gehörgänge aller Fans für den Rest des Abends durchpusten. Schwere Gitarren und noch schwerere Bässe werden mit ein paar Samples als Songintros kombiniert und verschmelzen zu einem dichten, dunklen Klangteppich, auf dem es sich vorzüglich sitzen beziehungsweise stehen lässt.

Die Lokalmatadore präsentieren heute, umrahmt von viel Rauch und bunten Lichtern, als Record-Release-Show ihr Debütalbum „Black Jesus And White Lines“, das zwei Tage nach diesem Konzert am 29.03.2019 beim Spezialisten-Label Kozmik Artifactz erscheint, aber heute Abend natürlich schon erhältlich ist. Unsere Rezension zum Debütalbum gibt es hier nachzulesen. Die Hamburger beschreiben ihren Sound, als ob Jesus Lizard, Soundgarden, Truly und Mudhoney gemeinsam mit Monster Magnet und Cathedral ein Danzig-Coveralbum aufgenommen hätten. Passt. Stoner, Heavy Rock, Fuzz, Psychedelic und etwas Grunge verschmelzen hier zu einer elektrisierenden Mischung, die gut zum Hauptact des Abends passt und kernigen, norddeutschen Charme versprüht. Ein paar Ansagen mehr und den Hinweis auf die Record Release Show vermisst man allerdings – Calma spulen mehr oder minder ohne Kommentare ihre sechs Songs ab. Am Ende gibt es sogar „Zugabe“-Wünsche aus dem Publikum, aber dem darf nicht nachgekommen werden. Es ist nach 45 Minuten Gig nun an der Zeit für Black Lung.

Nach der Umbaupause geht es um kurz nach neun dann los mit einem düsteren Intro vom Band, während sich die Bühne mit Rauch füllt. Dann sind die drei Amerikaner bereit für ihre Show. Black Lung sind live ohne Bass unterwegs, aber für genügend düsteren Doom-Sound ist dennoch gesorgt. Jede der beiden Gitarren ist in gleich zwei Verstärker eingestöpselt, was für einen fetten und sehr lauten Sound sorgt, bei dem wohl niemand wirklich einen echten Bass vermisst.

In unserem kürzlich geführten Interview Interview mit der Band hat uns Frontmann und Sänger Dave Cavalier noch mitgeteilt, auf dieser Tour gäbe es „etwas zu sehen, dass wir niemals wieder sehen würden“. Wir sind also gespannt.  Was beziehungsweise wen wir leider nicht mehr sehen werden, ist auf jeden Fall der Gitarrist Adam Bufano: Zwei Tage vor dem Tourbeginn haben Black Lung über ihre Social-Media-Kanäle mitgeteilt, dass der Bandmitbegründer das Trio in Kürze verlassen wird, um sich in Baltimore ganz seinem sehr erfolgreichen Getränkeunternehmen Wild Kombucha zu widmen. Die jetzige Tour ist damit die letzte Gelegenheit, Black Lung noch in der Originalbesetzung Elias Schutzman (Drums), Dave Cavalier (Gitarre und Gesang) und eben Adam Bufano (Gitarre) zu erleben. Die versammelten Fans begrüßen das Trio entsprechend lautstark.

Auch Black Lung feiern heute, ähnlich wie Calma, die Premiere ihres neuen Albums, auch wenn Ancients bereits seit einer knappen Woche erhältlich ist. Von diesem Album werden natürlich auch viele Tracks live gespielt, aber auch Material der ersten beiden Scheiben ist mit dabei, so zum Beispiel der Opener ‚Behemoth‘ oder der Titeltrack der zweiten Scheibe ‚See The Enemy‘. Schnell zeigt sich, dass die Band auch am Tourbeginn schon gut eingespielt ist. Adam Bufano bleibt an seiner Gitarre überwiegend im Hintergrund, Frontmann Dave Cavalier macht zwischendurch ein paar Ansagen und macht auf „Ancients“ aufmerksam („buy our record and support us so we can get back to America!“). Heimlicher Star des Auftritts ist aber Schlagzeuger Elias Schutzman, der schon mit freiem Oberkörper auf die Bühne kommt und an seinem Set eine grandiose Show abzieht. Schweiß fliesst in Strömen, und das Schlagzeug wird schnell zum treibenden Motor der Band.

Auch bei Black Lung gibt es natürlich „Zugabe“-Forderungen am Ende des Sets, und hier werden diese auch erhört. Das Trio kommmt noch einmal zurück und spielt weiter. Obwohl Dave Cavalier einige Ansagen macht, fehlt hier leider auch ein bisschen mehr. Man hätte sich nach den Infos auf den Social Media Kanälen der Band zum Beispiel noch einen persönlichen Hinweis auf Bufanos bevorstehenden Ausstieg gewünscht oder eine Ansage des Gitarristen selbst. Auch verschwinden die drei Musiker nach einer launigen, doom-geschwängerten Coverversion von ‚Helter Skelter‘ etwas schnell wieder von der Bühne, das Publikum hätte ihnen sicher gerne noch mehr Applaus gespendet. Aber auch so haben Black Lung die Hamburger voll und ganz von sich und ihrer Musik überzeugen können. Das hört man beim Verlassen des Clubs aus vielen Mündern, und der Andrang beim Merchandise-Stand spricht auch für sich.

Hamburg war nur der Auftakt der aktuellen Tour, es gibt also noch viele Gelegenheiten, die drei Amerikaner live bei uns zu erleben. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Setlist Calma, 27.03.2019, Logo Hamburg

Go Ahead
Slave
Burning Sky
We Are You
Big Mistake
Eyes

Setlist Black Lung, 27.03.2019, Logo Hamburg

Behemoth
Preacher
Ichor
Mother Of The Sun
Ancients
Seeker
Nerve
Gone
Badlands
Dead Man Blues
See The Enemy
Transmissions

What It Takes
Helter Skelter (Beatles Cover)

Weitere Fotos gibt es auf unserer Facebookseite

Fotos: Michael Buch (Bluecobalt Photography)

Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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