BLACK LUNG: Etwas, dass Ihr niemals wieder sehen werdet!

Zuviel Rauchen kann zu einer schwarzen Lunge führen. Unschön. Viel schöner ist da der spannende psychedelische Bluesrock von Black Lung. Das Trio aus Baltimore verknüpft "Heavy Fuzz" mit Doom- und Stoner-Einflüssen und veröffentlicht am 22. März sein drittes Album.

Die Band Black Lung wurde ursprünglich als Nebenprojekt der Psychedelic-Rock-Band The Flying Eyes gegründet und setzt nach zwei Alben zum Überholen des Mutterschiffes an, auch bedingt durch die Auflösung der Flying Eyes im letzten Jahr. Jetzt erscheint „Ancients“.

Wir haben uns mit dem Frontmann Dave Cavalier über Black Lung, das neue Album und die bevorstehende Tour unterhalten.

Danke, dass Ihr euch die Zeit für dieses kleine Interview nehmt. Ihr veröffentlicht jetzt das dritte Studioalbum und wart auch schon einmal in Deutschland auf Tour, aber stellt euch doch bitte noch mal kurz für alle vor, die euch noch nicht kennen.

Adam, Elias (gemeint sind der Gitarrist Adam Bufano und Schlagzeuger Elias Schutzman, Anmerkung der Redaktion) und ich wohnen alle in der gleichen Gegend von Baltimore. Ich habe im Großraum Baltimore in verschiedenen Bands gespielt und war öfters auf den gleichen Gigs wie The Flying Eyes. Als diese beschlossen, eine kleine Auszeit zu nehmen und es bei meinen eigenen Bands auch gerade etwas schleppend lief, haben wir uns gemeinsam bei mir im Keller getroffen und zusammen gejammt. Wir haben damals nicht gewusst, dass wir als richtige Band gemeinsam nach Europa touren würden. Es hat sich alles ganz natürlich ergeben. Es hat also wirklich niemals eine Notwendigkeit für ein Flying-Eyes-Nebenprojekt gegeben, wir machen einfach nur gerne zusammen Musik, und das hat schließlich zu Black Lung geführt.

Die Band The Flying Eyes hat sich letztes Jahr aufgelöst. Steckt ihr jetzt also alle Kraft und Zeit in Black Lung?

Genau. Ich bin mir sicher, dass es für mich auch noch andere Projekte in Zukunft geben wird, weil wir alle unsere kreative Energie gerne in verschiedene Outlets stecken. Aber Black Lung ist unser hauptsächlicher Fokus.

Herzlichen Glückwunsch zum nuen Album „Ancients“, das uns sehr gut gefallen hat. Erzählt doch mal ein bisschen darüber, wie es entstanden ist.

„Ancients“ ist eine Kombination aus brandneuen Songs und Material, das wir schon seit rund einem Jahr live gespielt haben. Wir wollten ein „Heavy“-Album aufnehmen, aber auch zurück zur „Klarheit“ kommen. Wir konnten auf Ancients Doom-Riffs und Psycho-Gitarren spielen, aber der Gesang bleibt immer klar und wird nicht matschig. Wir danken unserem Produzenten Frank „The Punisher“ Marchand, er hat unsere Vorstellungen wirklich zum Leben erweckt.

Interessanterweise habt ihr bisher keinen Bassisten in der Band gehabt, sondern nur mit zwei tiefer gestimmten Gitarren gespielt. Für „Ancients“ hat jetzt der Produzent J. Robbins als Studiomusiker den Bass übernommmen. Kommen er oder ein anderer Bassist mit auf Tour, oder spielt ihr live weiter als Trio mit zwei Gitarren?

Das Live-Line-Up besteht aus zwei normal-gestimmten Gitarren, die beide an einen Gitarren- und an einen Bass-Verstärker angeschlossen sind. Wir haben vier Verstärker auf der Bühne, dadurch behalten wir die Härte auch ohne Bass. Wir haben mal versucht, einen Bass in unser Live-Setting zu integrieren, aber wir möchten uns an unseren Originalsound halten. Im Studio hatten wir einen Bass, um verschiedene Riffs und Akkordfolgen besser zur Geltung zu bringen, aber den haben wir auch nicht die ganze Zeit über benutzt.

J. Robbins ist ja auch durch die Post-Punk-Band Jawbox bekannt geworden. Woher kennt Ihr euch denn und wieso fiel die Wahl auf ihn?

J. ist in Baltimore ein sehr bekannter Produzent. In seinem „Magpie Cage“ Studios ist schon viele tolle Musik entstanden. Er hat auch unser zweites Album „See The Enemy“ produziert, daher hatten wir bereits gute Beziehungen zu ihm.

Hat er auch eigene Ideen für das Album mit eingebracht, oder war er einfach nur Studiobassist für euch?

Ja, obwohl er für „Ancients“ nur ein angeheuerter Studiomusiker war, der für uns Bass gespielt hat, hat er doch ein paar eigene tolle Ideen mitgebracht, die uns dabei geholfen haben, unsere Musik zum Leben zu erwecken.

Einige Kritiker haben Black Lung und euren Sound ja mit Led Zeppelin oder Black Sabbath verglichen. Würdet ihr da zustimmen? Und welche Bands haben euch generell beeinflusst?

Wir sind ganz sicher durch diese beiden Bands beeinflusst worden. Wer ist das denn nicht? Aber wir lassen uns durch viele Bands aus vielen Genres inspirieren, sowohl von landesweit tourenden Bands als auch von lokalen Gruppen aus dem Großraum Baltimore. Derzeit bin ich ganz verliebt in „Hiss Spun“ von Chelsea Wolfe, ein Killeralbum, das endlich neue Energie in das Genre bringt.

Erzählt doch mal etwas vom Songwriting für „Ancients“. Ihr habt euch diesmal mehr Zeit für das Schreiben gelassen als sonst, oder?

Ja, diesmal haben wir uns beim Songwriting wirklich viel Zeit gelassen. In der Vergangenheit haben wir das immer sehr schnell gemacht, aber je mehr Musik man gemeinsam schreibt, umso besser lernt man seine eigene Band kennen. Wir haben als Einheit sehr gut zusammen funktioniert und darauf geachtet, dass die Ideen jedes einzelnen von uns in die fertigen Songs eingeflossen sind.

Ihr habt einmal gesagt, dass „Ancients“ ein Homage an die uralten Kräfte der Erde sein soll. Was genau meint ihr damit?

„Ancients“ hat eine doppelte Bedeutung. Wir zollen damit unseren Respekt an unsere Erde, denn es gibt nichts älteres als unseren Planeten und das Universum an sich. Wir sehen den Titel aber auch als Aufforderung, dass diese alten Ideen, das Leute in ihrem Machtstreben andere verletzen, endlich ersetzt werden müssen. Wir haben das alle schon oft erlebt und bekommen mit, was auf der Erde um uns herum passiert. Es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert.

Beim letzten Album aus dem Jahre 2016 hattet Ihr Eze Jackson, einen Rapper aus Baltimore mit dabei, der bei der Coverversion von Marvin Gayes „Inner City Blues“ mitgemacht hat. Das ist ja eine ungewöhnliche Zusammenarbeit. Wie ist es denn dazu gekommen?

Ich kenne Eze schon sehr lange. Er ist ein Urgestein der Baltimorer Musikszene und einfach ein toller Kerl. Einen Rapper in einem Rock’n’Roll-Song zu haben, ist ein riskanter Zug, und wir haben versucht, seinen Songteil zu hip wie irgend möglich zu machen. Er kam zu uns und hat es absolut gerockt. Ich würde gerne irgendwann ein ganzes Album mit ihm zusammen machen.

Ihr geht jetzt auf Tour und werdet auch nach Deutschland kommen. Am 27. März startet die Tour in Hamburg. Was könneen die Fans von den Gigs erwarten, könnt ihr uns ein bisschen was verraten?

Wir sind sehr aufgeregt und erfreut, wieder nach Europa komme zu können. Das wird unsere fünfte Europatour, und ich glaube, wir werden jedes Mal ein bisschen besser. Die Show wird sehr „heavy“ und lebendig werden, und was am wichtigsten ist: Sie wird im Gedächtnis bleiben. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber auf dieser Tour werdet ihr etwas sehen, dass ihr niemals wieder sehen werdet!

Ihr habt ja schon einige Gigs in Deutschland gespielt, zum Beispiel 2015 in Hamburg oder 2017 in Dresden. Wie würdet ihr die deutschen Fans beschreiben im Unterschied zum Beispiel zu Amerikanern?

Wir lieben es, in Deutschland zu spielen, die Fans sind ganz besonders dort. Sie sind sehr offen und präsent bei  unseren Shows. Ich will damit sagen,  ich sehe da nie zu viele Handys, die Filmaufnahmen oder Fotos machen. Die Fans sind da, um die Musik zu genießen. Ich würde sagen, es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren deutschen und amerikanischen Fans. Jeder möchte einfach nur eine Performance erleben, die ihn bewegt und mitnimmt.

Habt Ihr noch etwas, das Ihr den deutschen Fans mit auf den Weg geben wollt?

Wir können es nicht erwarten, zu euch zu kommen, ein paar Döner Kebab zu essen und für euch zu spielen! Wir sehen uns!

Vielen Dank für das Interview und viel Spaß auf der Tour, wir sehen uns dann bald in Hamburg.

Vielen Dank an Black Lung und Noisolution für das Arrangieren des Interviews. Wir sind sehr gespannt auf Black Lung und werden für euch vom Hamburger Tourauftakt live berichten. Dann erfahrt ihr auch, was es dort zu sehen gibt, „dass man niemals wieder erleben wird.“

Unsere Rezension zu „Ancients“ gibt es hier.

Hier gibt’s die Tour-Termine für „Heavy-Metal-Psych-Prog-Blues-Rock“:

27.03.2019 – DE – Hamburg, Logo
28.03.2019 – DE – Kiel, Schaubude
29.03.2019 – DE – Berlin, Supamolly
30.03.2019 – DE – Münster, Alterna Sounds Festival
02.04.2019 – DE – München, Backstage
03.04.2019 – CH – Winterthur, Albani
04.04.2019 – AT – Innsbruck, P.M.K
05.04.2019 – AT – Ebensee, Kino Ebensee
06.04.2019 – DE – Ulm, Kradhalle
08.04.2019 – DE – Tübingen, Münzgasse
09.04.2019 – DE – Köln, Sonic Ballroom
10.04.2019 – DE – Trier, Lucky’s Luke
13.04.2019 – DE – Karlsruhe, Alte Hackerei
15.04.2019 – DE – Jena, Kulturbahnhof
16.04.2019 – DE – Dresden, Ostpol
17.04.2019 – DE – Nürnberg, Z-Bau
18.04.2019 – DE – Darmstadt, Centralstation
19.04.2019 – DE – Ilmenau, Baracke
20.04.2019 – DE – Lübeck, Treibsand

Fotos: Offizielle Pressefotos


Michael

Michael kam über die Konzertfotografie zu Whiskey-Soda und verbindet das Bildermachen gerne mit Konzertberichten und CD-Rezensionen. Als Chefredakteur für den Bereich Bluesrock mag er aber auch viele aus dem Blues entsprungene Genres wie diverse Metal-Spielarten. Daneben landen gerne Progressive- und Classic Rock und Americana auf seinem Drehteller, bevorzugt auf klassischem Vinyl. Wenn dann noch Zeit bleibt, findet ihr Michael bevorzugt im (Heim)Kino oder natürlich irgendwo da draußen zum Fotografieren. 

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