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Bittersweet

Das Nürnberger Indie-Folk-Quintett Me & Reas setzt mit dem Album „Bittersweet“ zum Höhenflug an. Die Combo hat bereits früh in ihrer Karriere erste Erfolgsluft geschnuppert, nur um recht bald festzustellen, dass sie sich im DIY-Kosmos doch bedeutend wohler fühlt. Back to the Roots, sozusagen. Nur selten hat man ein Album vor sich, welches die Seele streichelt, das Herz umarmt und dabei permanent mit dem Arm auf der Schulter das Gefühl vermittelt, es wird schon alles gut werden. Irgendwie.

Schon der Opener „All Your Love“ fährt einem in die aktuell so unterbeschäftigten Tanzbeine und man möchte sich auf der Tanzfläche austoben. Bei „Thirty“ scheppert es ziemlich, wenn das Reibeisen-Organ von Gastsänger Matze Rossi auf die komplett konträre Stimme von Sänger Andreas Jäger trifft. Da knallen gen Himmel gereckte Fäuste auf rhythmische Indie-Claphands und können ganz wunderbar miteinander – so widersprüchlich das auch klingen mag. Gegensätze vereint die Platte sowieso ganz unaufgeregt in sich: Ist es zuerst noch astreiner Gitarrenrock, schiebt sich auf dem ruhigeren zweiten Teil (für die Vinyl-Liebhaber unter uns: Getrennt nach A- und B-Seite – der innere Monk hüpft vor Freude!) das Piano in den Vordergrund.

„Recommendation“ ist die flüsternde Stimme der Vernunft, welche in manchen Momenten zum Stillsein verdonnert, nur umso heftiger wieder in das Bewusstsein zurückschlägt. Ein Song, der minimal arrangiert, ganz zart vertont und dabei doch so gewaltig ist. Man stolpert bei der Platte sowieso immer wieder über Textzeilen, welche scheinbar unter dem Gefühlswelt-Vergrößerungsglas geschrieben worden sind.

Mit „Bittersweet“ gelingt dem Fünfer ein Album mit erstaunlicher Hitdichte, das aber gleichzeitig schon unverschämt locker aus der Hüfte wirkt. Handgemachte Gitarrenmusik kann auch ohne die üblichen Folk-Punk-Anleihen bestens funktionieren, das beweisen Me & Reas eindrucksvoll. Denn genauso wie sich bittersüß in allen erdenklichen Geschmacksvarianten wiederfindet, ebenso nuancenreich präsentiert sich die Musik der Combo. Wenn andere Bands melodieverliebt daherkommen, ist das bei den Franken ein Melodievollrausch. Also mindestens.

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