Balthazar – Hebt die Gläser!

Normalerweise sieht man Balthazar nur in der eigenen Heimat so umjubelt. Die Belgier wissen, dass sie sich in ihren Reihen ein Indiepflänzchen herangezogen haben, dass langsam aber sicher immer schönere Blüten bekommt. Auch hier zu Lande stoßen Balthazar endlich auf die wohlverdiente Anerkennung. Erst vor gut einem Monat erschien das dritte Album 'Thin Walls', da steht das Quintett schon wieder auf der Matte. Ihr bis dato größtes Berlin Konzert konnte man am 28.04.2015 im Heimathafen Neukölln genießen.

Um 10 Uhr geht das Saallicht im altehrwürdigen Heimathafen aus. Die perfekte Location für die schaurig-schöne Musik der Belgier, die dem Theatercharme des Berliner Clubs zuspielt. Eine volle Halle schaut gebannt auf die neun indirekt beleuchteten Buchstaben. Während die Bühne bei ihren englischen Clubshows noch spärlich beleuchtet ist – an jegliche Form von Requisiten gar nicht erst zu denken – erkennt man hier, dass die Band auf dem Rest des europäischen Kontinents ein gern gesehener Gast ist. Sie kündigen sich groß an. Und genauso gigantisch wird auch der Abend.Balthazar_1_n.JPG

Es ist völlig egal, ob die Fünf alte Mitsinghymnen oder einen neuen Albumkracher anspielen. Das Publikum nimmt die Musik mit Begeisterung auf und steht ab den ersten Akkorden von ‚Decency‘ nicht mehr ruhig. In Mark und Bein geht der einzigartige Indie-Pop über, die Fans bleiben auf Tanzkurs bis kurz vor Mitternacht.

Live zeigen die neuen Lieder noch einmal mehr ihre Hitqualitäten. Dabei sind es vor allem die beiden Songtüftler, Maarten Devoldere und Jinte Deprez, die dem Berliner Publikum ein Dauerlächeln auf die Lippen meißelt. Maarten, der Unnahbare und Lässige. Jinte, der Rocker und Tänzer. Beide sind ein absolutes Dreamteam. Ihr etwas rockigerer Sound, den sie mit ‚Thin Walls‘ vorstellten, steht ihnen perfekt. Wie die großen Entertainer haben sie alles in petto: mal springen sie auf der Bühne umher und lassen die Sau raus. Dann schwingen sie sich die Gitarre lässig über die Schulter und knatschen ihre Melodien ins Mikro. ‚Sinking Ship‘ bekommt so einen neuen Anstrich, wenn Maarten seinen Gesangspart vom Original abwandelt und ein wenig Abwechslung ins Spiel bringt.
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Die restlichen Drei gehen dabei aber keineswegs unter. Bassist Simon Casier hat genauso viel Spaß beim Ausleben von leichten Rockstar-Attitüden und stellt sich immer wieder ganz an den Rand der Bühne, um dem Publikum einzuheizen. Dass das Konzert überhaupt stattfinden konnte, verdanken die Jungs aber der Dame. Die kränkelnde Patricia beißt sich durch das Abendprogramm und wird dabei von den Fans mit extra viel Applaus bedacht, wenn sie trotz alledem ihre Violine bespielt und den einmaligen Balthazar-Sound mitkreiert.

Das Highlight kommt zum Schluss. Ganze zwei Mal lockt es die Belgier zurück auf ihre Bühne. Wie eh und je fasziniert das sakrale ‚Lion’s Mouth (Daniel)‘, wenn die Band den Song mit gemeinsamen Gesang beendet. Zur letzten Nummer ‚Blood like Wine‘ erheben sie die Gläser und singen mit dem Publikum zusammen.

‚Raise your glass to the night time and the ways / To choose a mood and have it replaced‘

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Ein Ritual, das sich Balthazar seit jeher nicht nehmen lassen. Die Instrumente ruhen, nur die Stimmen hallen wider, als das Saallicht angeht.

‚This has been the best gig ever in Berlin‘

, resümiert Sänger Jinte Deprez dazu den ausgelassenen Abend. Das hat sich das gutgelaunte Pubilkum wahrscheinlich eh die ganze Zeit über gedacht.

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