Emigrate

A Million Degrees

  • Artist: Emigrate
  • Album: A Million Degrees
  • Label:
  • Release: 2018-11-30
  • Medium:
  • Bewertung:1

Was lange währt….. wird endlich gut. Oder auch nicht, denn die Fertigstellung von Emigrates neuem Album währt für die Verhältnisse eines Perfektionisten eigentlich gar nicht lang, trotz der unendlichen Geschichte seiner Entstehung.

Eigentlich sollte das Dritte Album ein direkter Nachfolger zu „Silent So Long“ werden und nicht einmal ein Jahr später das Licht der Welt erblicken. Wasserschaden sei Dank wurde alles, was vorhanden war, weggespült und Richard Kruspe durfte nochmal von vorne anfangen. Daher wurde die Pause zwischen den Alben  4 Jahre lang, das Album selbst komplett neu aufgebaut mit neuen Songs, anderen Ideen, neuen Melodien. Kein Nachfolger, kein „Teil II“, sondern etwas Anderes. Und das ist eben dann doch sehr gut so.

Auch wenn man nicht weiß, wie die „A Million Degrees“ – Version von 2015 ausgesehen hätte – die 2018’er Version macht diesen Gedanken redundant. Denn Kruspe hat hier ein Album gebaut, das natürlich die Zeichen eines medialen Vollprofis trägt, aber eben auch sehr persönlich daherkommt. Anders als die ersten beiden Werke ist „A Million Degrees“ ein Ganzes, ein persönlicher Eindruck von Kruspe selbst. Es zeigt diesmal nur in wenigen Teilen das Chamäleon, das es schafft, eine Compilation von Songs anderen Sängern auf den Leib zu schneidern. Das Video zu „You’re so beautiful“ hat Kruspe mit seiner Tochter in der Hauptrolle aufgenommen, viel persönlicher kann die Arbeit an einem Album kaum werden.

Natürlich gibt es mit dem Cardinal (Ghost), Ben von Billy Talent und Till Lindemann ein paar bekannte Namen als Gäste auf dem Album. Im Gegensatz zu früher (Marilyn Manson, Lemmy….) sind diese eher ein Teil des Ganzen denn herausragende Spitzen. Das Songwriting zeigt sich in fast allen Facetten vom klassischen Gothic-Wave-Sound der 80er beeinflusst, auch wenn die Interpretation desselben manchmal mehr Popappeal hat, als man es diesem Genre jemals zugetraut hätte. Dennoch gibt es mit dem extrem punkig-herumspringverdächtigen „1234“, dem düsteren „War“ auch härtere Nummern.

Über den perfekten Sound des Albums brauchen wir natürlich gar nicht erst zu reden.

Hier haben wir einen Musiker, der ein großer Songwriter ist, viel nachdenkt; ein Musikversteher im besten Sinne. Es gibt nicht viele deutsche Musiker von diesem Ausmaß. Freuen wir uns, dass Emigrate das Album rechtzeitig veröffentlichen konnten. Die nächsten Jahre wird Richard Kruspe wieder mit seiner anderen Band beschäftigt sein. Wer waren die doch gleich?

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