Rosy Vista

Unbelievable

  • Artist: Rosy Vista
  • Album: Unbelievable
  • Label:
  • Release: 2019-02-08
  • Medium:
  • Bewertung:2-

Dass das Jahr 2019 Neues von Rosy Vista hervorbringen würde, gehört offen gesagt zu den Voraussagen, die die Glaubwürdigeit jedes Propheten relativ fix gen Null hätten rasen lassen. Aber, ganz unumstößlich, hier ist es, „Unbelievable“, das Debütalbum der Hannoveraner Hardrockband – gerade mal 35 Jahre nach Bandgründung, in vielerlei Hinsicht absolut treffend betitelt. Einer der Gründe für den Kultstatus der Band ist natürlich, dass die erste EP „You Better Believe It!“ seinerzeit auf Noise Records erschien. Dass Noise mit der Band nichts anfangen konnte, zeigte sich unter Anderem darin, dass die Band trotz Touren und Liveshows mit Uriah Heep und Mötley Crüe keine Unterstützung vom Label geschweige denn das Budget für ein vollständiges Album zugesprochen bekam – obwohl Songs wie ‚Tables Are Turned‘ oder der Minihit ‚Rockin‘ Through The Night‘ mit Sicherheit nicht schlechter klangen als der Output der anderen „kommerzielleren“ Signings des Labels wie Sinner oder, ähem, SADO.

Aber, nach der Geschichtsstunde in die Gegenwart. Zumindest äußerlich gesehen. „Unbelievable“ wirkt nämlich, abgesehen von der sauberen und zeitgemäßen Produktion, als wäre es durch einen „time eddy“ aus dem Jahr 1985 gepurzelt. Rosy Vista unternehmen gar nicht den Versuch, „Unbelievable“ als Konkurrenzprodukt zu Halestorm, Greta Van Fleet oder Shinedown zu etablieren, die Band bleibt fast durchweg in ihrer Komfortzone. Und die liegt stilistisch irgendwo zwischen den erwähnten Sinner, frühen Bonfire/späten Cacumen oder auch den in diesem Zusammenhang unumgänglichen Mittachtziger-Scorpions. Beinahe die Hälfte des Albums besteht schließlich auch aus Neuaufnahmen der fünf alten EP-Tracks. Ob die fünf neuen Songs wirklich neu komponiert sind oder Unveröffentlichtes aus der Bandfrühphase darstellen, bleibt unerheblich, denn sie atmen den gleichen Geist wie die „Altlasten“ und könne auch musikalisch daneben bestehen. Sängerin Andrea Schwarz klingt ehedem ziemlich exakt genauso wie damals, und auch Anca Graterol verfügt mit ihrem höhenlastigen, mit vielen Quietschern am Rande des Feedbacks balancierenden Leadsound a la George Lynch über überraschend hohen Wiedererkennungswert – auch wenn sie 2019 gottlob den Flanger weit sparsamer einsetzt als 1985.

Schwierig wird’s hingegen bei zwei anderen Punkten. Da wäre einerseits der Song ‚Hopatina‘. Laut Info hat Anca Graterol mit dieser Adaption eines Bauchtanz-Songs bereits Ende der Siebziger einen Hit in Rumänien gelandet. Zu „Unbelievable“ passt das Ganze hingegen kein Stück. Offen gesagt ist die Bauchtanz-/Rock-Vermischung in seiner Umsetzung trotz erneut cooler Gitarrenarbeit mit recht hohem Fremdschämpotenzial ausgestattet und klingt nicht nach cleverem World-Music-Experiment, sondern schlicht wie ‚Walk Like An Egyptian‘ für Arme. Bei ‚Hopatina‘ fällt auch der zweite Kritikpunkt ganz deutlich auf: die Drums, die ziemlich schwer nach Computer klingen. Ob hier gleich programmiert wurde oder die Beiträge von Marina Hublek solange getriggert, editiert, geradegerückt und gesampelt wurden, bis sie nach Angelo Sasso klingen, macht keinen Unterschied – das steril klingende Rhythmusfundament nimmt der Musik viel Groove und Wärme und lässt das Ganze oft etwas statisch klingen. Umso ironischer, wenn man bedenkt, dass die Band lange Zeit ziemlich angepisst darüber war, dass das Noise-Management seinerzeit Marinas Schlagzeugspuren auf der EP durch einen Studiodrummer ersetzen ließ…

So oder so, „Unbelievable“ ist eine supersympathische Scheibe geworden, der man anhört, dass sie komplett ohne irgendwelche kommerziellen Erwartungen oder Anbiederungen an den Massengeschmack aufgenommen wurde. Das sollte jedem eingefleischten Achtziger-Fanatiker – den Verehrern der Band sowieso – eine ganze Menge Spass bereiten. Aus Sicht eines 2019er Rockfans mit Vollbart, man-bun und mehreren Dutzend Nahrungsmittel-Intoleranzen hingegen hat das Album rein gar nichts zu bieten – das hier ist Musik von altgedienten Rockern für altgediente Rocker, nicht zeitgemäß, aber höchst launig. In anderen Worten: ‚It’s only Rock’n’Roll’… na, Ihr wisst schon.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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