John Diva & The Rockets Of Love

Mama Said Rock Is Dead


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  • Artist: John Diva & The Rockets Of Love
  • Album: Mama Said Rock Is Dead
  • Label:
  • Release: 2019-02-08
  • Medium:
  • Bewertung:3+

Nun hat Deutschland also auch seine eigene Version von Steel Panther. So zumindest der erste Eindruck der Selbstdarstellung von John Diva & The Rockets Of Love. Vom Bandnamen über das Outfit, das wie beim amerikanischen Vorbild auch eher an die Frühneunziger-Optik von Guns N’Roses angelehnt scheint als an die „echten“ Achtzigerbands – und natürlich die Songtitel wie ‚Lolita‘, ‚Dance Dirty‘ und, die Krönung, ‚Long Legs In Leggings‘. Die bislang nur als Coverband in Erscheinung getretene Truppe präsentiert mit „Mama Said Rock Is Dead“ nun also auch ihr Debütalbum als eigenständige Kapelle.

Zum Glück klingt das Ganze musikalisch nicht ganz so aufgesetzt wie die Präsentation vermuten lässt. Im Gegensatz zu Steel Panther sind die parodistischen Elemente auf „Mama Said…“ weit weniger dominant, und die Texte sind ziemlich harmlos – der Provokations- und Drecksau-Faktor der Amerikaner fehlt hier komplett. John Diva und Konsorten spielen auf ihrem Debüt weitestgehend klassischen Melodic-Hardrock irgendwo zwischen Bonfire, Danger Danger, MSG und China (falls sich an die noch jemand erinnert). Dass die Band musikalisch so Einiges zu bieten hat, ist unüberhörbar – das technische Handwerkszeug ist bei einer Profi-Coverband natürlich keine Überraschung, das Talent, exzellente Hardrocksongs zu schreiben, schon eher. ‚Fire Eyes‘ beispielsweise ist ein leicht mystisch angehauchter Schlepper, der nicht nur dem Titel nach an Axel Rudi Pell erinnert und tatsächlich ganz unironisch jede Menge Atmosphäre versprüht. Dabei hilft auch, dass John Diva über ein ziemlich feines Rock’n’Roll-Organ verfügt (uiuiui!). Erinnerungen an Claus Lessmann in „Fire Works“-Hochform und Toby Jepson (Little Angels) werden da wach. Wo die „ernsthaften“ Hardrocker also durchweg begeistern können, fallen die auf Gimmicks basierenden Stücke leider eher durch’s Raster.

Da wäre das halbherzig auf Radioeinsatz getrimmte ‚Rock’n’Roll Heaven‘, das gnadenlos auf Kid Rock und Boss Hoss schielt – soll das ernsthaft irgendeinem Alte-Schule-Hardrockfan gefallen? Umgekehrt werden sich die Hipster, die auf der Suche nach Fremdschämstoff sind, am Fehlen der Schweinigeleien und Kalauer von Satchel und Co. stören. Und Kid Rock mag 2019 eh rein gar niemand mehr hören, nur mal so zur Info. Auch das manch ein Song etwas zu offensichtlich von den Vorbildern gemopst ist, bleibt zu bekritteln. ‚Wild Life‘ recycelt beispielsweise die komplette Strophen-Melodie und den Aufbau von Whitesnakes ‚Give Me All Your Love‘, und der Opener ‚Whiplash‘ lehnt sich so hart an ‚Kickstart My Heart‘ (Mötley Crüe) an, wie es gerade noch legal ist. Auch die generische AC/DC-Kopie ‚Long Legs In Leggings‘ zieht nicht unbedingt die Butter vom Brötchen, und das absichtlich überkitschte, Ballermann-kompatible ‚Lolita‘ geht relativ schnell auf die Nüsse. Gags nutzen sich eben relativ schnell ab, große Hooklines nicht. Der Spagat zwischen ganz klar hörbarem musikalischem Talent und dem Anspruch, ordentlich auf die Kacke zu hauen und ein büssken was zu verkaufen, gelingt der Band nicht immer überzeugend.

Ob das der Einfluss von Krokus-Basser Chris Von Rohr ist, der seinerzeit auch verantwortlich für den Aufstieg von Gotthard zeichnete und der hier als „creative supervisor“ in Erscheinung tritt, darüber mag man nun spekulieren. Immerhin hatte der auch früher schon eigenartige Ideen wie „The Heavy’s“ (sic), einer Stars On 45-Variante mit Hardrock-Klassikern in Disco-Medley-Form. Wie dem auch sei, John Diva & The Rockets Of Love wären kreativ gesehen sicher besser beraten, die Gags aufs Optische zu beschränken und sich musikalisch eher auf ihr Talent als Musiker denn auf Gimmicks zu verlassen. Wie wir alle wissen, bringt Talent aber selten einen schnellen Erfolg – da mag der Hype mehr bringen. So bleibt eine gute Hardrock-Scheibe mit einigen echten Highlights, neben den oben erwähnten auf jeden Fall auch noch ‚Get It On‘ und ‚Blinded‘, aber eben auch ein paar Songs, die spätestens beim dritten Mal zum Skippen einladen. Man wird sehen, ob das ausreicht, einen Crossovererfolg wie Steel Panther zu kreieren…

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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