THUNDERMOTHER – Von Rock ’n‘ Roll, Star Wars und Kaviar

Im Sommer brachte der schwedische All-Girl-Rock-n-Roll-TruppThundermother sein viertes Album “Heat Wave” heraus. Keine leichte Übung in Zeiten einer globalen Pandemie, doch die Damen haben genug Power und Eigenwillen, ihr Ding zu machen, ohne sich von einem blöden Virus einen Strich durch die Rechnung machen zu lassen. Anfang August ging’s mit einem umgebauten Feuerwehrlaster auf Release-Tour im Norden Deutschlands. Die Fortsetzung im Süden der Nation steht als nächstes auf dem Programm. Schlagzeugerin Emlee hat für euch ein paar unserer Fragen beantwortet. Viel Spaß beim Lesen!

Whiskey-Soda: Hey Emlee, Danke für die Zeit, die die du dir für unsere Leser nimmst und Glückwunsch zum neuen Album! Uns hat seine Vielseitigkeit und der Groove sehr gefallen. Wir sprechen uns zu einer Zeit, in der die ganze Welt inklusive der Kultur- und Veranstaltungsszene wegen der Corona-Krise in einer Art Schockstarre ist. Wie geht ihr mit der Situation um? Wir hoffen, ihr seid alle gesund und die Fortsetzung der Tour in wenigen Wochen kann stattfinden!

Emlee Johansson: Wir haben uns bemüht, positiv zu bleiben und gleichzeitig kreativ mit der Situation umzugehen. Wir haben mehr online gemacht, haben Konzerte gestreamt usw. Und dann haben wir natürlich unsere sehr spezielle kleine Release-Tour mit dem umgebauten Feuerwehrauto gemacht. Das war soooo schön, endlich wieder live aufzutreten. Für uns ist das Publikum das fünfte Bandmitglied und das hat uns natürlich sehr gefehlt. In dieser positive Stimmung wollen wir weiter bleiben und an Lösungen arbeiten, anstatt uns von den Problemen runterziehen zu lassen. Die Zukunft ist zwar ungewiss, aber das kann man ja auch als aufregende Chance für neue Ideen sehen.

Emlee Johansson (Schlagzeug)

WS: Du hast den Feuerwehrlaster erwähnt, mit dem ihr Anfang August rund zehn Konzerte gespielt habt. Die Idee ist klasse, wie kam es dazu?

EJ: Ein guter Freund hat uns den Truck besorgt und die Idee hatte ursprünglich gar nichts mit Corona zu tun. Wir wollten einfach eine coole, kleine Release-Tour der anderen Art aufziehen. Als dann Corona tatsächlich passierte, haben unser Managmenet und die Booking-Agentur nochmal hart gearbeitet, damit trotzdem alles stattfinden konnte. Wir sind happy und dankbar, daß das alles geklappt hat. Es hat einen Sauspaß gemacht und ich werde das nie vergessen!

WS: War das Publikum denn anders drauf, nachdem es im letzten halben Jahr so wenig Live-Musik gab? Und hat es sich für euch irgendwie anders angefühlt?

EJ: Der einzige Unterschied für uns war, daß wir mehr Begeisterung von unseren Fans zu spüren bekommen haben als je zuvor! Man hat gespürt, daß sie uns vermisst hatten – und wir sie natürlich auch! Von daher war es schon eine besondere Atmosphäre. Es waren einfach alle total glücklich, endlich wieder eine echte Live-Show zu erleben. Wegen des neuen Album haben wir auch viele neue Fans bekommen. Wir begrüßen euch in der THUNDER NATION!

WS : Euer neues Album “Heat Wave” erschien Ende Juli. Habt ihr beim neuen Album was anders gemacht als zuvor? Gibt es etwas, was euch besonders wichtig ist?

EJ: Wir haben für “Heat Wave” alle zusammen die Songs geschrieben. Das war anders als bisher, wo immer Filippa die Haupt-Songwriterin war. Zusammen an den Songs zu arbeiten hat einen Riesenspaß gemacht und sehr zur Weiterentwicklung der Band beigetragen. Der Teamgeist in der Band ist so stark wie nie und ich finde, daß man das auch spürt, wenn man das Album anhört. Da ist soviel positive Energie drauf! Für mich persönlich ist besonders, daß ich zu “Sleep” Streicher-Arrangements geschrieben habe. Ich habe eine große Leidenschaft für Orchester-Musik, sowohl als Konsumentin als auch als Musikerin. Daß ich so etwas für meine Band beitragen konnte, macht mich schon stolz.

Filippa Nässil (Gitarre)

WS: Was macht ihr für Erfahrungen als reine Frauen-Band? Klischees? Sexismus? Nicht ernst genommen werden? Oder daß ihr härter arbeiten müsst, als eine Männerband? Wie ist es aus eurer Perspektive 2020 um die Gleichberechtigung in der Rockmusik-Szene bestellt?

EJ: In der Regel werden wir schon mit Respekt behandelt. Es kommt auch vor, daß uns als Frauen-Band besonders viel Respekt entgegen gebracht wird. Allerdings spüren wir auch oft, daß uns die Leute unterschätzen, einfach nur weil wir Frauen sind. Ein wirkliches Problem haben wir damit aber nicht, wir haben genug Vertrauen in uns und das, was wir machen und halten uns gegenseitig den Rücken frei. Es wird Zeit, daß Gleichberechtigung in der Musik-Szene auch tatsächlich spürbar wird, und wir hoffen, daß wir unseren Teil dazu beitragen werden.

WS: Was geht dir durch den Kopf, wenn ihr mit AC/DC oder deren “Enklen” Airbourne verglichen werdet?

T: Das macht uns super stolz! Wir möchten, daß gute Rockmusik weiter existiert und sind froh und stolz, diese Fackel weiterzutragen! Sowohl AC/DC als auch Airbourne hatten viel Einfluß auf die Band, neben anderen wie Motörhead, KISS oder Led Zeppelin. Es gibt so viele gute Bands da draußen, die eine ständige Inspirationsquelle sind. Wir wollen da am Ball bleiben und uns als Musikerinnen und Band weiterentwickeln und nicht stehen bleiben.

T: Hast du den Eindruck, daß die Stimme eurer neuen Sängerin Guernica besser zum Style der Band passt? Ohne natürlich eure alte Sängerin Clare irgendwie herabzusetzen!

EJ: Ich persönlich habe nie mit Clare zusammengearbeitet, aber ich finde, daß sie einen wahnsinnig guten Job für die Band gemacht hat – auch dank ihrer großartigen Stimme! Letzlich schätze ich, daß es auch einfach Geschmackssache ist. Guernica hat die Band jedenfalls von Anfang an weiter gebracht. Sie wurde von den Fans direkt akzeptiert. Ihr Stimmumfang und ihr Timbre sind so voller Power – und sie steuert sogar eine Prise Soul zu unserem Sound bei. Sie ist für mich der Prototyp einer Rocksängerin. Ich bin stolz und glücklich, mit einer so tollen Sängerin und Person zusammenarbeiten zu dürfen.

Guernica Mancini (Gesang)

WS: Wir treten für den Bildungscharakter im Musikjournalismus ein! Willst du unseren Lesern ein schwedisches Schimpfwort oder eine Redewendung beibringen? Etwas, was die Welt noch nicht über euch Schweden weiß oder was schlicht und einfach nicht stimmt?

EJ: Hahahaha! Naja, wir haben ein Nahrungsmittel in Schweden, was es wohl sonst nirgendwo gibt, “Kalle’s Kaviar”. Das ist quasi Kaviar aus der Tube und man macht es auf Eier oder Sandwiches. Bei uns gibt’s bandintern einen Streit darüber, wie man das “richtig” ausspricht, weil wir aufgrund unserer Herkunft unterschiedliche schwedische Dialekte sprechen. Natürlich ist die Art, wie ICH es ausspreche, die richtige! Nämlich “Kaaaaaaviar”. Nicht “Kaviaaaar” und sicher nicht “Kavvjarr”. “Kaaaaaaaviar” – so sagt man das!

WS: Welche Interviewfrage willst du schon lange beantwoten, aber bisher hat sie dir noch keine Journalist gestellt?

EJ: Endlich fragt jemand! Wie ich mich gefühlt habe, als Han Solo in “The Force Awakens” von seinem eigenen Sohn getötet wurde? Fürchterlich! Ich war geschockt! Endlich ein neuer Star Wars Film mit der alten Truppe und besonders mit Han Solo. Er war schon immer der bestaussehendste in der Saga und selbst in seinem Alter immer noch ein echte Hingucker. Und dann kann ich nicht mal den ganzen Film mit ihm sehen! Definitiv einer der größten Partycrasher meines Lebens!

WS: Die letzten Worte gehören dir!

T: Danke! Wir hoffen, unser neues Album macht euch genauso viel Spaß wie uns, als wir es gemacht haben. Wir hoffen, daß wir mit ihm ein wenig positive Energie in diese trüben Zeiten bringen können. Ich hoffe, daß mit der Tour die ansteht alles klar geht und wir uns dann bei einem Auftritt sehen werden! Alles Liebe euch bis dahin und bleibt gesund. Bis dann!

Thundermother sind:

Filippa Nässil – Gitarre

Guernica Mancini – Gesang

Emlee Johansson – Schlagzeug

Majsan Lindberg – Bass

 

Thundermother Diskografie:

Rock ‘n’ Roll Disaster (2014)

Roadfever (2015)

Thundermother (2018)

Heat Wave (2020)

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DanielF

Harte Schale, weicher Kern. Chefredakteur und -metalhead in Personalunion und im "Nebenberuf" Sozialarbeiter, geht Daniels Geschmack von chilligem Americana (Cracker) bis zu kauzigem Indie-Rock (Eels), von klassischem Thrash (Metallica, Megadeth) bis modernem Death Metal (Deserted Fear), von opulent-schrägem Prog-Rock (Opeth, Gojira, Pervy Perkin) bis zu heftigstem Brutal Death Metal (Defeated Sanity, Wormed), von Bluesrock (Gary Moore, Anthony Gomes) bis Classic Rock (Alice Cooper, Queen) - um nur einen Teil zu nennen. Zudem hat er seit den frühen Neunziger Jahren ein leidenschafliches Faible für christliche Rockmusik in genau dieser stilistischen Bandbreite. 

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