Cosmograf

The Unreasonable Silence

Schon zum fünften Mal entführt Cosmograf-Macher Robin Armstrong die Neoprog-Gemeinde mit einem ambitionierten Konzeptalbum ins Weltall. Dieses Mal gibt’s eine von Albert Camus‘ Essay „Der Mythos des Sisyphos“ inspirierte Alien-Geschichte, die laut Armstrong Themen wie Paranoia, soziale Entfremdung, Konformismus und natürlich die Suche nach der Bedeutung unserer Existenz behandelt. Prätenziös? Ach was, wir Progger doch nicht…

Hat man sich das hämische Grinsen erst einmal aus dem Gesicht gewischt, stellt man fest, daß ‚The Unreasonable Silence‘ einmal mehr ein cooles Album geworden. Jedem Fan von Porcupine Tree/Steven Wilson, Ayreon, Frost*, Saga oder auch dem frühen Alan Parsons Project wird hier das Herz aufgehen. Traditioneller, melodischer Neoprog, eingängig und clever arrangiert und immer mit schön spacigem HighTech-Feeling. Für die Drums hat Armstrong wieder Nick D’Virgilio (ex-Spock’s Beard) verpflichten können, und Nick Beggs (Steven Wilson, Kajagoogoo) und Dave Meros (Spock’s Beard) geben beide einen Gastauftritt am Bass. Den Rest hat der Chef selbst erledigt, ebenso wie die saubere, dynamische Produktion, die am Besten mit Kopfhörern zur Geltung kommt. Coole Gitarren mit viel Wilson-Flair, knackige Hammond-Orgel, sphärische Synthies, technisch perfekt und dennoch gefühlvoll gespielt. Lediglich Armstrongs Gesang hält da gelegentlich nicht ganz mit. In den mittleren, entspannten Lagen erinnert er angenehm an den britischen Psych-Folk-Barden Matt Berry, aber immer, wenn er etwas höher und kraftvoller singt, wird’s ein klein wenig knödelig. Das ist aber tatsächlich nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Natürlich ist das alles kein Stückchen originell, aber gut gemacht und unterhaltsam. Und da im Prog-Mainstream mittlerweile das Düster-Gotische und das Postrock-Schrammelige überhand nehmen, dürfte vielen eine gute Stunde traditioneller Neoprog als echte Alternative richtig gelegen kommen. Feine Scheibe!

(geschrieben von Sascha Glück)

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