The Subways mögen keinen prätentiösen Bullshit

Erst im September bespielten die britischen Garagen-Rocker das Berliner Lido, einen Club der grob geschätzt einen Viertel des Publikums aufnimmt, das sich am Freitag im ausverkauften Huxleys einfand. Doch ein großer Club bedeutet nicht einfach nur mehr Menschen, sondern auch mehr Platz der ausgefüllt sein will - und zwar nicht nur rein physisch. Doch obwohl die Subways sich dabei ein wenig schwer taten, kann man nicht sagen, dass es sich nicht gelohnt hätte mit dem Dreiergespann einen Abend zu verbringen...


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‚Die sieht ein bisschen aus wie Schulband,‘ sagt mein Mitbewohner, als er mir beim Bearbeiten der Fotos über die Schulter guckt. Er hat Recht, das junge blonde Mädchen am Schlagzeug, das dem Bandkollegen, Sänger und Gitarristen mit der grünen Basecap und dem hochgeklappten Schirm die Zunge herausstreckt, scheint irgendwie in der Oberstufenzeit festzuhängen. Piepsige Stimme, freches Mundwerk und ein breiter texanischer Akzent. Der perfekte Teenie-Film. Ihre beiden Kollegen, Gitarre und Bass, erscheinen eher wie Beiwerk, nicht nur, weil sie die Einzige auf der Bühne ist, die weißes Licht abbekommt. Während die Prinzessin im grün glitzernden Outfit strahlt, tragen die beiden Jungs nicht viel mehr als den Klang ihrer Instrumente zum Geschehen bei. Irgendwie typisch.
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Doch so energetisch, jugendlich, stereotypisch die erste Vorband Purple auch herüberkommen mag, liefern die Subways eher eine durchschnittliche Standardshow ab, was irgendwie enttäuscht. Zwar nutzt Sängerin Charlotte Cooper nach Möglichkeit die Bühne aus und tänzelt in ihren Gesangspause mit dem Bass gekonnt pogenderweise auf der großen Bühne hin und her, doch schaffen sie und ihr ans Mikrofon-Stativ gefesselter Kumpel Billy es nicht wirklich den Raum zu füllen, der ihnen zur Verfügung steht. Jeder einzelne der drei Musiker wirkt ein bisschen verloren auf seinem Posten, das große Subways-Banner an der Rückwand verstärkt diesen Eindruck noch, genau wie die Lightshow, die mit hartem Gegenlicht kaum das Bild füllende Schatten oder Silhouetten erzeugen kann und in erster Linie blendet.

Tatsächlich erinnert dieses Konzert eher an Disko, als an Live-Musik, wobei die gespielte Musik durchaus Disko tauglich ist. Alte Songs wie ‚Rock’n’Roll Queen‘ oder ‚With You‘ werden mit Songs vom neuen selbstbetitelten Album gemischt, es herrscht wahrlich keine fade Stimmung im Publikum. Die Leute tanzen und singen mit, doch erst, als Billy nach einer knappen Stunde Spielzeit verkündet, dass man nahtlos und ‚ohne prätentiösen Bullshit‘ in die Zugabe übergehen würde, also ohne die Bühne zu verlassen und auf Rufe des Publikums zu warten, merkt man die Präsenz der Band im Konzertraum. Und als der Sänger und Gitarrist zu den Klängen des Songs ‚It’s A Party‘ ins Publikum springt und bis zur Empore im hinteren Teil des Saals crwodsurft, um von dort erneut ins Publikum zu springen und zurückzusurfen, erreicht das kurze Set in den letzten fünf Minuten den Stimmungs-Hochpunkt.
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Das dies nicht der stärkste Auftritt der Subways war, ist vielleicht der Tatsache geschuldet, dass Drummer Josh aus gesundheitlichen Gründen kurzzeitig vertreten werden musste. Vielleicht lag es auch daran, dass das Huxleys einfach zu groß für die dreiköpfige Band ist, doch hätten viele Fans im ausverkauften Saal das Nachsehen gehabt, hätte die Band einen kleineren Club gemietet. So bleibt wohl realistischer Weise nichts anderes übrig, als sich mit dem zufrieden zu geben, was die britischen Garagen-Rocker am Freitag ablieferten. Und ganz ehrlich – so schlecht war das gar nicht!

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