The Intersphere – Kons(ch)tanz auf der Bühne

Der Kulturladen ist in der Bodenseemetropole Konstanz DIE Institution, wenn es um Live-Konzerte geht. Der Veranstalter deckt ein breites Feld von Rock über Punk, Blues und ab und an sogar Metal ab. Der Club ist eher überschaubar, dafür aber besonders charmant und war in der Vergangenheit nicht selten auch Seismograph für aktuelle Entwicklungen. Nicht nur Rammstein standen hier vor Jahren vor ihrem großen Durchbruch auf der Bühne, sondern zahllose andere Namen der alternaticen Musikszene Deutschlands. Aber auch internationale Stars wie der kürzlich verstorbene Johnny Winter, Wishbone Ash oder die Metal-Flinkefinger von Dragonforce machen in dem netten kleinen Club halt.

So auch mit The Intersphere eine der in letzter Zeit erfolgreichsten deutschen Bands an der Schnittstelle von Alternative-, Progressive- und Indie-Rock. Das aktuelle Album „Relations In The Unseen“, im März erschienen und auf dieser Tour präsentiert, hatte es nicht nur auf Platz 26 der deutschen Album-Charts geschafft, sondern auch zahlreichen relevanten Musikmagazinen gute bis sehr gute Kritiken entlockt, inklusive einer „Eins“ bei uns.

Doch bevor die trotz Erkältungssymptomen absolut energiegeladenen Jungs aus Mannheim gegen 22 Uhr die Bühne betraten, hatte das Deutsch-Schweizer Publikum das Vergnügen mit Not Called Jinx. Und mal Hand auf’s Herz: Kann eine Band aus der Whiskey-Soda Heimat Berlin wirklich schlecht sein? Nie im Leben! Doch die fünf Jungs haben nicht nur den Geographie, sondern auch den Qualitäts-Test bestanden. Rund 40 Minuten heizten die vier Jungs mit ihrem alternativen Pop-Rock irgendwo in der gleichen Ecke wie Jimmy Eat World den Besuchern ein. Frontmann Kilian Peters ließ es sich auch nicht nehmen, zwischen den durchaus tanzbaren Songs mit dem Publikum zu plaudern. „Ist ja ganz familiär hier“, spielte der Frontmann schmunzelnd auf den recht überschaubaren aber sehr gemütlichen Club an. Ihren Job als Anheizer für die Kollegen von The Intersphere erledigten die Jungs aus der Hauptstadt tadellos und so verließ Peters die Bühne mit nassgeschwitztem Hemd und war kurz darauf beim Smalltalk mit Fans am Merchstand am Ausgang anzutreffen.

IMG_8981.jpg „Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann The Intersphere vom anderen Ende des Badnerlandes mit dem verträumt beginnenden ‚In Satellites‘ die Bühne. Die komplette Band hatte sich auf der bisher rund 2 Wochen dauernden Tour mit einer Erkältung herumgeschlagen – im Kulturladen Konstanz trank Frontmann und Sänger Christoph Hessler Erkältungstee zwischen seinen Songs. Davon abgesehen merkte man aber der Band nichts davon an, möglicherweise nicht ganz fit zu sein. Die durchaus gelungen ausgewogene Setliste mit sechs Songs vom aktuellen Album, aber auch einer guten Mischung aus älteren Songs überzeugte das Publikum, das gebannt mitsang und tanzte Vor allem gefielen dabei die eingängigen, melodischen Kompositionen, wie ‚Sleeping God‘ oder ‚The Ones We Never Knew‘ in der ersten Hälfte des rund 100 Minuten dauernden Auftritts.

IMG_8941.jpg „Aber natürlich überzeugen die Absolventen der Popakademie Mannheim durch mehr als nur Eingängigkeit. Es ist der Vibe einer eigenständigen, originellen Band, die absolut nicht klingt als käme sie aus Deutschland. Dazu gehören unter anderem auch die sehr natürlich wirkende Spiele mit Härte und Melodik, der mehrstimmige Gesang und die häufig ganz natürlich eingestreuten, ruhigen Passagen. Facettenreicher, intelligenter Rock eben – und zwar auf dem Niveau von international erfolgreichen Bands wie Muse, Placebo oder Jimmy Eat World. Abgerundet wurde der gelungene Konzertabend unweit des Bodenseeufers von eher selten gespielten Stücken von den älteren Alben wie ‚Tear Down The Wall‘ und ‚Snapshot‘, und ‚Black Screen Goodbye‘, dem Cover befreundeten der Pfälzer Band Dioramic, einer laut Bandleader Hessler „chronisch verkannten Band aus Deutschland“. Als abschließende Zugabe nach anhaltendem Applaus und Zurufen der rund 70 Besucher kredenzten die Herren als Mitternachtssnack noch ihren ersten erfolgreichen und besonders bekannten Titel ‚Panic Waves‘ mit seinem galoppierenden Rhythymus und das vom 2009er Debüt-Album stammende ‚Translate‘. Gute, einheimische Alternative-Rock-Bands aus der Heimat in einem gemütlichen, kleinen Musikclub. Wer braucht schon ein Stadion mit Bands von der Insel oder von jenseits des großen Teichs, wenn es Bands komplette, ebenbürtige Bands wie The Intersphere gibt?

Setliste The Intersphere (Konstanz, Kulturladen, 23. Oktober 2014)

In Satellites
Prodigy Composers
Sleeping God
Thanks for Nothing
The Ones We Never Knew
Snapshot
Tear Down The Wall
Relations in the Unseen
The Ghost of a Chance
Parallel Lines
Black Screen Goodbye
I Have a Place for You on Google Earth
Interspheres >< Atmospheres Capitall Out of Phase Zugabe: Panic Waves Trans-Late

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