Pink Floyd

The Final Cut (Vinyl Remaster Reissue)

Die Wiederveröffentlichungskampagne des Pink Floyd-Backkatalogs auf Vinyl geht in die letzte Runde. Durchaus passend, das hierfür ausgerechnet die bis heute am kontroversesten diskutierten Alben der Band ausgewählt wurden.

„The Final Cut“ wird dabei generell als das schwierigste Album der Band angesehen. Das Magazin „Q“ nahm es berüchtigterweise in seine Liste der „Zehn deprimierendsten Alben“ auf – und es gibt kaum jemanden, der diese Einschätzung anzweifeln würde. Ursprünglich wollte Roger Waters seinerzeit nur aus einigen Outtakes ein Soundtrackalbum für Alan Parkers „The Wall“-Film basteln. Als die britische Premierministerin Margaret Thatcher allerdings zur selben Zeit den Falklandkrieg anzettelte, entschied sich Waters, statt dessen das Material in eine harte Abrechnung mit der Kriegstreiberei umzuwandeln. Und so findet sich denn auch auf dem kompletten Album nicht ein einziger Hoffnungsschimmer. Beginnend mit Erinnerungen an Waters im zweiten Weltkrieg getöteten Vater, Songs über die Unfähigkeit der Kriegsheimkehrer, die Schrecken des Erlebten zu verarbeiten und Anklagen an die Machtgierigen des kalten Krieges kommt die Erlösung zum Finale mit ‚Two Suns In The Sunset‘ – mit dem nuklearen Holocaust.

Daß bei diesem lyrischen Konzept keine Tralala-Mucke zum Tragen kommt, dürfte klar sein. Musikalisch schließt „The Final Cut“ – bedingt durch die Vorgeschichte – ziemlich direkt an „The Wall“ an, allerdings hält Waters hier noch mehr die Zügel in der Hand. Rick Wright war ja bereits zur „The Wall“-Tour gefeuert worden, und Nick Mason war aufgrund der weitestgehend schlagzeuglosen Kompositionen hauptsächlich mit den zahlreichen Samples und Effekten beschäftigt. Und David Gilmour – der hatte schlicht keine Lust, an Material, das seiner Meinung nach nicht gut genug für „The Wall“ gewesen war, zu arbeiten. Die landläufige Meinung, „The Final Cut“ sei eigentlich eher ein Soloalbum Waters‘, ist demnach durchaus vertretbar – prangt doch auf dem Backcover der Untertitel „A requiem for the post war dream by Roger Waters„.

Ungeachtet dessen gilt auch für „The Final Cut“, das Pink Floyd nie ein schlechtes Album gemacht haben. Ein „Hit“ wie ‚Run Like Hell‘ oder ‚Another Brick In The Wall Pt 2‘ fehlt hier freilich – am Nächsten ist noch das hardrockige ‚Not Now John‘, der einzige Gesangsbeitrag von Gilmour und musikalisch mit einigen kleinen „The Wall“-Zitaten gespickt. Läßt man sich jedoch darauf ein, ist es schwer, sich der Atmosphäre des Albums zu entziehen. Waters Gesang ist so intensiv wie nie zuvor oder danach wieder, die Lyrics passen perfekt zur trostlosen Musik, und trotz seiner Unlust steuert David Gilmour einige seiner packendsten Gitarrensoli überhaupt bei. Tatsächlich muss „The Final Cut“ – wenn man sich von den Erwartungen an den Namen Pink Flyod lösen kann – zu den Höhepunkten des Bandkataloges gezählt werden – auf jeden Fall ist es das emotionalste und intensivste Werk der Band.

Nun aber zur Ausstattung. Wie bei den vorangegangenen Pink Floyd-Rereleases wurden auch für „The Final Cut“ die Remasters 2011 von den originalen Analogbändern von James Guthrie, Bernie Grundman und Joel Plante gezogen – und die klingen schlicht großartig. Auch von der Verarbeitung ist schon optisch alles wunderbar, da ist alles absolut Plan, wie es sein sollte, keine Grate sind übriggeblieben und auch auf dem Teller läuft die ganze Sache richtig schön rund, ohne das irgendwelche Fehler korrigiert werden müssen. Knackser gibt es auch keine, dafür auch in den leisesten Momenten absolute Brillianz und selbst wenn zu ‚Get Your Filthy Hands Off My Desert‘ Explosionen losgelassen werden, kein Zerren. Genau so wünscht man sich 2017 eine Vinyl-Ausgabe – mit dem Plastikschrott, das manch anderer Künstler anbietet, hat das hier erfreulicherweise überhaupt nix zu tun. Auch das Coverartwork kann hundertprozentig überzeugen – gefüttertes Innersleeve, stabiler Karton fürs Gatefold, lackiert (selbst das ist heute nicht selbstverständlich!) und gute Druckqualität mit absoluter Farbtreue – inklusive der im Innersleeve abgedruckten Bilder, die immer noch, wie auf dem Original, leicht übersättigt wirken, was aber eben durchaus künstlerische Absicht war. Einziger Unterschied zum Original ist, daß wie schon auf den CD-Versionen die Non-Album-Single ‚When The Tigers Broke Free‘ in den Albumkontext integriert wurde. Das klingt, wenn man das Original gewohnt ist, immer noch komisch, vor allem, weil mit ‚One Of The Few‘ und ‚The Hero’s Return‘ zwei eigentlich jahrelang untrennbare Stücke auseinandergerissen werden. Das ändert aber nix daran, daß diese Wiederveröffentlichung – oder besser, die komplette Floyd-Reihe ein absolutes Vorzeigestück geworden ist.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.