The August – Allrounder im Endstadium

Gleich einem alten Laster haben sie ihm abgeschworen, dem Metalcore. The August aus Aschaffenburg schafften es noch vor ihrem Debütalbum, den beengenden Genre-Pferch zu schleifen - und galoppieren seither ohne Rücksicht auf Weidezäune munter durch die Alternative-Prärie. Der Bitte nach einer stilistischen Einordnung aus erster Hand kommen sie nicht nach. Wie wahrscheinlich es ist, auf Tour noch einmal die alten The August aufblitzen zu sehen, welche Rolle das Bauchgefühl in der Band spielt und was sie von den ganzen windigen Vergleichen hält, die man ihnen dieser Tage entgegengepfeffert, erfuhren wir im Interview mit Martin Zabel.

WS: ‚Lizard King‘ markiert das Abschlussstadium eines interessanten Wandlungsprozesses. Wie kam es zur Abkehr von Hard- und Metalcore und was waren die bedeutsamsten Auslöser und Wegpunkte eurer musikalischen Metamorphose?

MZ:

Ich persönlich glaube, dass es eher eine Art Zwischenetappe statt eines Abschlussstadiums für uns ist. Wir haben uns immer sehr wohl in der Hard- und Metalcore-Szene gefühlt, damit sind wir aufgewachsen. Es gab aus diesem Bereich auch viele Bands aus unserer Heimatstadt Aschaffenburg, in der auch einige von uns selbst aktiv waren. Hauptauslöser für unsere Wandlung war der bevorstehende Studiotermin und die Entscheidung unseres damaligen Sängers, vier Wochen vor Beginn der Aufnahmen die Band zu verlassen. Wir hatten schon immer den Hang zu atmosphärischen Klängen und haben es deswegen als Chance gesehen, etwas komplett Neues entstehen zu lassen.

WS: Und wie wahrscheinlich ist es, auf einem eurer Konzerte stilistisch noch einmal die alten ‚The August‚ durchschimmern zu sehen?

MZ:

Um ganz ehrlich zu sein: sehr unwahrscheinlich. Wir stehen nach wie vor zu der Musik die wir zur damaligen Zeit gespielt haben. Als Band & auch persönlich haben wir uns aber so weiterentwickelt, dass wir uns durch diese Musik nicht mehr beschrieben fühlen. Tatsächlich haben wir vor kurzem erst versucht zwei alte Songs im Proberaum zu spielen, das wollen wir aber niemandem mehr auf einem Konzert zumuten!

WS: Was hat es eigentlich mit diesem Bandnamen auf sich? Weswegen habt ihr bei all den Umbrüchen nicht gleich auch den geändert? Hätte ja nahe gelegen …

MZ:

Darüber haben wir natürlich auch nachgedacht, sind aber letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass der Name nach wie vor zu uns passt und wir im Kern immer noch die selbe Band sind, wenngleich der Wandel der Musikrichtung, für jemanden der unsere erste EP kennt, schwer nachzuvollziehen ist. Der Name selbst stammt aus dem Buch ‚Tom Sawyer & Huckleberry Finn‘ und ist abgeleitet von dem Ausdruck „the most august creation“, den Mark Twain dort verwendet – es bezieht sich also in diesem Zusammenhang nicht auf den Monat August.

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WS: Fühlt sich ‚Lizard King‘ nach alledem überhaupt noch an wie ein echtes Debüt?

MZ:

Jein, denn mit den Aufnahmen zu ‚Lizard King‘ haben wir schon vor knapp drei Jahren begonnen, das heißt wir kennen die Songs schon wirklich lange. Aber der Öffentlichkeit das neue ‚The August‚-Gewand wirklich zu zeigen und nicht nur davon zu reden, fühlt sich tatsächlich wie ein Debüt an.

WS: Wie alt ist ‚Lizard King‘ beziehungsweise sind seine Songs denn dann im Einzelnen eigentlich schon? Entstammen sie womöglich unterschiedlichen Schaffensphasen, sodass man eine Zeitleiste anlegen könnte?

MZ:

Die genauen Daten der Entstehung habe ich leider auch nicht mehr im Kopf aber das erste Mal waren wir im Juli 2011 im Studio. Dabei wurden Songs wie ‚847‘, ‚Ebbing Well‘ und ‚Shelter‘ (der im Nachhinein wieder komplett umarrangiert wurde) relativ früh eingespielt. Gerade diese Songs lassen die härtere Gangart von früher durchschimmern. Das Ganze hat sich dann in mehreren, kurzen Studiobesuchen über ein paar Monate erstreckt, dabei sind Songs wie ‚Astronomy‘, ‚Lizard King‘ und ‚Clockwork‘ erst relativ spät entstanden und lassen möglicherweise auch erahnen wohin die Reise gehen soll.

WS: ‚Lizard King‘ scheint ein sehr intuitiver Arbeitsprozess zugrunde zu liegen, nicht nur, wenn man diesen zeitlichen Aspekt kennt. Die Verteilung von Gesang und instrumentaler Energie beispielsweise entspricht keinen „konventionellen“ Strukturen. Herrscht bei euch Arbeitsteilung, was die Komposition neuen Materials angeht?

MZ:

Wir sind im Grunde genommen ohne fertige Songs ins Studio gefahren, vielmehr hatte jeder ein paar Ideen im Hinterkopf. Gerade diese unkonventionellen Songstrukturen waren auch ein Ziel, denn der Studioaufenthalt war für uns eine Art Selbstfindungsprozess. Und um herauszufinden wohin wir wirklich gehen wollen, mussten wir zu erst bestehende Muster loslassen. Letztlich haben wir im Studio viel gejammt, daraus teilweise die Songs arrangiert oder Drumbeats aufgenommen und am Computer damit herumgespielt.

WS: Inwieweit würdet ihr euch in dem Hinblick als bauchgesteuerte Band bezeichnen?

MZ:

Wir haben viel experimentiert, deshalb kann man schon sagen, dass dieses Album im Entstehungsprozess sehr bauchgesteuert war – ob das allerdings in Zukunft so bleiben wird bleibt abzuwarten.

WS: Wie kam euer Album überhaupt zur Betitelung? Es ließe sich schwer behaupten, ‚Lizard King‘ hätte als Jim-Morrison-Pseudonym nicht etwas sehr Geschichtsträchtiges an sich …

MZ:

Die Verbindung zu Jim Morrison ist uns eigentlich erst nach der Wahl des Albumtitels bewusst geworden. ‚Lizard King‘ bezieht sich vielmehr auf eine Kindheitserinnerung, welche im Titelsong des Albums genauer erläutert wird. Es geht vor allem um den Gedanken sich in eine andere Welt zurückziehen zu können, die wir sonst nur zu gut vom Musikmachen kennen. Daher hat die Geschichte von ‚Lizard King‘ für uns auch am meisten Bedeutung auf diesem Album.

WS: Stilistisch seid ihr heute nahezu entzückend schwer einzufangen. Wie sehr tangiert euch dennoch das Ziehen von klanglichen Parallelen zu Bands wie dredg, Sigur Rós, Coheed & Cambria oder Radiohead?

MZ:

In allererster Linie sehen wir das natürlich als großes Kompliment. Es war nie ein erklärtes Ziel einer bestimmten Band nachzueifern, im Gegenteil war es immer das Ziel einen eigenständigen Sound zu kreieren der uns repräsentiert. Das einzelne Songs bzw einzelne Facetten unserer Musik an solch große Künstler erinnern lässt, freut uns natürlich aber es wäre vermessen uns auf eine Stufe mit Ihnen zu stellen.

WS: Und wofür, erhofft ihr euch, soll ‚The August‚ in Zukunft stehen?

MZ:

Für einen eigenständigen, unverwechselbaren Sound. Dass Leute beim ersten Hören neuer Songs direkt denken: Das klingt wie The August. Aber bis dahin liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.

Nun die wohl meistgehasste Frage unter interviewten Musikern: Was sind eure Einflüsse?

Während den Aufnahmen gab es für uns eigentlich keinen konkreten Einfluss, vielmehr hatte das Studio selbst einen großen Einfluss auf uns. Es kamen oft befreundete Musiker von Jan Kerscher, Produzent bei Ghost City Recordings, zu Besuch mit denen wir oft über Musik reden und jammen konnten – das half ungemein, sich selbst zu reflektieren und die Songs aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Übrigens: Kennt ihr eigentlich Nhor? Die haben ein Album namens ‚Within The Darkness Between The Starlight‘. Schaut euch mal das Cover an – selbe Szene, entgegengesetzte Atmosphäre. Was habt ihr zu eurer Verteidigung vorzubringen?

Da müsst ihr schon denjenigen fragen, der unser Artwork entworfen hat, also Max Löffler Illustration… Nein, im Ernst – die Band ist mir neu. Das Cover von ‚Lizard King‘ zeigt im Grunde genommen den kleinen Jungen wie er in seine Traumwelt, die Eidechsenhöhle, eintaucht. Wenn man genau hinschaut, sieht man auch ein paar Augen, die ihn dabei beobachten. Ich kann den Vergleich aber verstehen, da der Protagonist bei Nhor ebenfalls in der Mitte des Covers steht.

Interview: Valentin Erning

Unsere Rezension zum Debütalbum ‚Lizard King‘ (Midsummer / Cargo / VÖ 23.05.14) findest Du an dieser Stelle.

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