Keith Richards

Talk Is Cheap (Deluxe Edition)

  • Artist: Keith Richards
  • Album: Talk Is Cheap (Deluxe Edition)
  • Label:
  • Release: 2019-03-29
  • Medium:
  • Bewertung:Album: 2+, Bonus Disc: 1-

Dass die „30th Anniversary Edition“ des ersten Solalabums von Keith Richards ziemlich genau 31 Jahre nach Erstveröffentlichung erscheint, ist irgendwie dem Thema absolut angemessen. „Keef“ lässt sich eben nicht auf Termine festnageln – er kommt, wenn die Zeit reif ist. Oder so. Wie ja auch „Talk Is Cheap“ selbst – lange Jahre wollte Richards nichts von einem Soloalbum wissen und empfand Kollege Mick Jaggers Alleingänge gar als Verrat an den Rolling Stones. „Talk Is Cheap“ entstand deshalb auch als eine Art Retourkutsche an Jagger, der keine Lust auf Toren mit den Stones hatte, aber 1988 bereitwillig eine Solotour anstieß.

Zum Album an sich muss man vermutlich nicht viel sagen – das dürfte jedem Interessierten bekannt sein. Manch harter Stones-Fan bezeichnen „Talk Is Cheap“ ja gerne als „das beste Stones-Album der Achtziger“ – das ist freilich aber ziemlicher Mumpitz. Denn natürlich ist „Talk Is Cheap“ ein launiges, spontan klingendes Rock-Album oberer Güteklasse, aber ebenso natürlich ist „Talk Is Cheap“ kein besseres Album als „Tattoo You“ oder das gerne unterschätzte, stilistisch ähnlich gelagerte „Steel Wheels“. Die Glimmer Twins brauchen einander eben zum Genialen:  wo Jaggers Soloplatten Keiths Dreck und Schmutz fehlte, fehlen „Talk Is Cheap“ umgekehrt Micks große Hooklines und seine Stimme. ‚Take It So Hard‘ (damals auch eine zumindest kleine Hitsingle), ‚Make No Mistake‘ und ‚How I Wish‘ und die Chuck-Berry-Hommage ‚ I Could Have Stood You Up ‚ ragen musikalisch schon heraus. Unsterbliche Klassiker vom Schlage ‚Happy‘, ‚You Got The Silver‘ oder ‚Before They Make Me Run‘ bietet „Talk Is Cheap“, wenn man mal ehrlich ist, auch nicht unbedingt. Unterm Strich ist die Scheibe aber definitiv eine der besseren Soloarbeiten aus dem Stones-Kanon, vielleicht sogar die Beste – wobei Micks „Wandering Spirit“ auch durchaus ernsthafte Ansprüche auf diese Positon gelten machen kann.

Für die knapp einjährige Verspätung der Sondeausgabe entschuldigt sich Keith aber mit einer Bonus-Disc, die 32 Minuten unveröffentlicher Musik aus den Sessions zu „Talk Is Cheap“ enthält, die das Gesamtpaket nochmals deutlich aufwertet. Die beiden unvollendeten Songs ‚Mark On Me‘ und ‚Brute Force‘ sind dabei noch die weniger spektakulären Momente. Aber allen Stones- und generell Blues-Rock-Fans werden die ersten 23 Minuten der Bonus-CD mit Sicherheit jede Menge Laune machen. Es handelt sich bei ‚Blues Jam‘, ‚My Babe‘ (der Little Walter-Song), ‚Big Town Playboy‘ (bekannt durch Eddie Taylor) und dem elfminütigen ‚Slim‘ nämlich um die heiß ersehnten, Blues-lastigen Sessions mit Mick Taylor, von denen letztendlich nur der Rock’n’Roller ‚I Could Have Stood You Up‘ auf dem Album erschien. Und erfreulicherweise klingen diese Songs genau so, wie man sich das als Fan der Frühsiebziger-Stones erhofft: Mick Taylor und Keith holen die Gitarren raus,  jammen ohne irgendwelche kommerziellen Hintergedanken munter drauflos und beweisen, dass sie auch 1988 immer noch eines der genialsten Gitarrenduos des gesamten Rock’n’Roll-Zirkus waren. Klar, das hätte zum songorientierten „Talk Is Cheap“ nicht gepasst, ist aber definitiv den Preis für die Deluxe-Edition schon im Alleingang wert.

Das Remaster selbst ist, wie bei den „Sticky Fingers“- und „Beggar’s Banquet“-Reissues etwas lärmig und höhenlastig ausgefallen, so ist aber eben derzeit das musikästhetische Empfinden. Das Digibook ist mit dem – leider nur gedruckten – Fender-Tweed-Design auch schön aufgemacht, und das Booklet bringt noch ein paar schöne Fotos von den Aufnahmen. Fazit: ein cooles Album, das durch das Bonusmaterial nochmal deutlich aufgewertet wird – so macht man eine für alle Fans ordentlich lohnende Wiederveröffentlichung!

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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