Silhouette

Staging The Seventh Wave

Ach, schön. Schon mit den ersten Momenten von Silhouettes Livescheibe „Staging The Seventh Wave“ fühlt man sich angenehmerweiser zurück in die Mittachtziger versetzt. Neoprog der klassischsten Prägung ist angesagt, irgendwo zwischen Marillion auf den ersten drei Alben (ein Song heißt gar ‚Grendel Memories‘), frühen Pallas und IQ, gemischt mit etwas Pendragon und Kayak, schon hat man das garantiert unzeitgemäße musikalische Gemisch, mit dem die – natürlich! – Holländer um die Gunst des Hörers buhlen.

Im Zentrum der Show steht die Komplettaufführung des 2014er Studioalbums „Beneath The Seventh Wave“, nur als Zugaben gibt’s drei Stücke der Vorgängeralben. Die DVD ist, wie auch die um einen Song gekürzte CD, dabei qualitativ überraschend hochwertig ausgefallen. Die Bildqualität ist durchaus auf professionellem Niveau, der Sound auch absolut gelungen und spieltechnisch genügt alles absolut höchsten Ansprüchen. Lediglich bei der optisch etwas steifen Performance merkt man dann doch, daß Silhouette nur eine semiprofessionelle Band sind. Die Arrangements sind schön flüssig, die zweistimmigen Vocals geben der Band auch einen gewissen Wiedererkennungswert – wobei mir die ruhigen, von Keyboards und Vocals dominierten Momente wie zum Beispiel das schöne ‚In Solitary‘ eigentlich am Besten gefallen. Aber auch in den „härteren“ Momenten wie dem an Arena erinnernden Instrumental ‚Escape‘ geben sich Silhouette keinerlei Blöße, das passt alles. Dem ganzen Konzert liegt eine gewisse sympathische Naivität zugrunde, man merkt, daß die Band keinerlei kommerziellen Gedanken folgt, sondern ungeachtet dessen, was sich verkaufen könnte oder gerade trendy ist, einfach die Musik macht, die sie allesamt selbst mögen. Und da der musikalische Gehalt absolut stimmt, sollte sich jeder Fan von Neoprog der alten Schule dieses Package zu Gemüte führen.

Klar, wer nach dem neuesten, herausfordernd-innovativen musikalischen Kick sucht, wird hier nicht fündig. Aber ein schönes Neoprog-Livealbum klassischer Prägung, das weder mit Alternative- noch Metal- noch Radiopop-Anbiederungen nervt, hat auch heute noch seinen Reiz. Und einen Extrapunkt gibt es für die liebevolle und qualitativ hochwertige Umsetzung des Ganzen, an dem sich mancher Konkurrent auch im professionellen Bereich eine Scheibe abschneiden könnte. Macht Spaß und ist unter Anderem im Webshop von Just For Kicks erhältlich.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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