ROLLING STONES bringen Their Satanic Majesties Request zurück

Vor fünfzig Jahren erschien das wohl umstrittenste Rolling Stones-Album – naja, zumindest bis zur Veröffentlichung von „Emotional Rescue“. „Their Satanic Majesties Request“ sollte speziell Brian Jones‘ Antwort auf „Pet Sounds“ und Sgt. Pepper“ werden. Im Gegensatz zu den Beatles und den Beach Boys hatten die Stones aber, bevor sie ins Studio gingen, keinen Masterplan oder gar fertige Songs, was statt zu einem konzeptionell durcharrangierten Meisterwerk zu einem außerordentlich zerrissenen, abgedrehten und Stones-untypischen Psychedelic-Punk-Album. Am 22. September wird das Album über ABKCO als Limited Edition Deluxe Doppel-Vinyl/Doppel-Hybrid SACD wiederveröffentlicht. Die Neuausgabe enthält die Stereo- und Monomixes aller Songs, neu gemastert von Bob Ludwig und eine originalgetreue Reproduktion des originalen 3D-Coverfotos – wie Fans wissen, wurden laut der Band die Originalfotos in den 1980ern vernichtet, weshalb man auch auf das optische Ergebnis durchaus gespannt sein darf.

Das im Dezember 1967 erschienene „Their Satanic Majesties Request“ war das erste von den Stones selbst produzierte Album, nachdem ihr langjähriger Produzent Andrew Loog Oldham der Band nach Produktion der Non-Album-Single ‚We Love You‘ den Laufpass gegeben hatte. Wenig verwunderlich: Mick und Keith waren damals eher an Parties mit ihren Jet Set-Freunden und -Freundinnen interessiert, und Brian Jones hangelte sich vom einen Gefängnisaufenthalt zum nächsten. Ein Richter attestierte ihm damals berühmterweise, ein

„extrem verängstigter junger Mann mit suizidalen Tendenzen“

zu sein, und selbst für den Geschmack seiner Bandkollegen waren Brians Drogenexzesse außer Kontrolle geraten. Der Rolling Stone (das Magazin) sah das Album als Versuch, sich an die Experimentierfreude der Beatles anzuhängen und urteilte, das Album sei

„zu sehr durchsetzt mit den hohen Ansprüchen von musikalisch Geringeren“

. Die Hippie-Bibel DownBeat hingegen gab eine 5 Sterne-Kritik und nannte es

„ein revolutionäres Ereignis in der Welt der Popmusik“

. Selbst bandintern war die Scheibe nicht unumstritten: laut Keith Richards war das Album

„ein Haufen Scheiße“

. Mick Jagger formulierte seine Kritik etwas differenzierter:

„Wir hatten einfach zu viel Zeit zur Verfügung, zu viele Drogen und keinen Produzenten, der uns sagte ‚danke, das reicht, können wir uns wieder auf den Song konzentrieren?'“

Mit dem Nachfolgealbum „Beggar’s Banquet“ übernahmen endgültig Mick und Keith die alleinige kreative Führung über die Rolling Stones und starteten damit das Quartett der größten Albumklassiker der Band, vervollständigt von „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“ und „Exile On Main St.“.

Überraschenderweise aber entwickelte sich der kommerzielle Flop zu einem Kultalbum. Für Peter Gabriel und Captain Sensible ist es das beste Rolling Stones-Album überhaupt. Mit The Damned coverte Sensible ‚Citadel‘, KISS drehten die Semi-Akustik-Nummer ‚2000 Man‘ durch den Fleischwolf und machten daraus Ace Frehleys Singanture-Song, und auch Arcade Fire, Monster Magnet und Bad Brains haben sich an Songs des Albums versucht. Die späte Anerkennung nutzte Brian Jones freilich nichts mehr. Nur anderthalb Jahre später wurde er von den Rolling Stones wegen seiner Unzuverlässigkeit und seines erratischen Verhaltens gefeuert, und weitere vier Wochen später war Brian Jones tot, ertrunken in seinem Swimming Pool.

Their Satanic Majesties Request wurde, wie 1967 üblich, sowohl als Mono- als auch Stereo-Mix angefertigt. Die – limitierte – 50th Anniversary Edition enthält das komplette Album in Stereo auf 180g-Vinyl, eine weitere 180g-LP in Mono und zwei Hybrid-SACDs (eine in Stereo und eine in Mono). Auf jeder der Discs ist die Musik sowohl als SACD als auch als Standard-CD enthalten, sodass sie definitiv mit allen Standard-CD-Playern und SACD-kompatiblen Playern abgespielt werden können. Das Remastering übernahm der mit elf Grammies ausgezeichnete Spezialist Bob Ludwig in den Gateway Mastering Studios.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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