Planet Pink

Den Deutschen wird nachgesagt, dass sie keinen Sinn für Humor und Spaß haben. Möglicherweise werden deswegen Bands wie J.B.O. oder Feuerschwanz sehr kontrovers gesehen. Doch vielleicht sind es gerade Zeiten wie diese, in denen wir bei all dem Bullshit in der Welt etwas sinnlose und blöedsinnige [sic!] Abwechslung benötigen. Jedenfalls versuchen J.B.O. mit ihrem neuen Album „Planet Pink“ (AFM) die Welt wieder ein bisschen bunter zu gestalten.

Die Platte beginnt direkt mit dem Titeltrack, einem Cover von Eiffel 65 und ihrem „Blue“. Ein Kracher in typischer Manier der Franken. Dem folgenden „Rockmusik hat mich versaut“ dürften die Meisten wohl inhaltlich zustimmen und gerne im Beat zum einladenden Refrain mitnicken. Der Song ist insofern etwas ungewöhnlich als das J.B.O. vor den Aufnahmen eine Abstimmung durchgeführt haben, wer aus der Band den Song singen soll. Die Fans haben sich mehrheitlich für die raue Stimme von Hannes entschieden [Anm. d. Redaktion: Der Autor der Rezension stimmte für Vito C. ;-)].

Mit „Metal was my first love“ haben J.B.O. auf „Planet Pink“ wohl endlich das umgesetzt, was sich viele Metaller schon immer gewünscht und heimlich gesungen haben: Das legendäre „Music“ von John Miles im Metal-Gewand. Hier lohnt sich vor allem der Blick ins dazugehörige Musikvideo, das unfassbar viele Metal-Anspielungen beinhaltet. Freund*innen von Reminiszenzen auf Musik und Filme kommen dazu im sehr unterhaltsamen „Klassiker“ voll auf ihre Kosten.

Natürlich enthält „Planet Pink“ auch Balladen. Von diesen sticht vor allem „Nicht doof“ hervor, das mit der klaren Stimme von Vito C. wunderbar intoniert wird. Außerdem kann es einfach kein besseres Kompliment an den/die Liebste*n als „Du bist so schön nicht Hitler. Du bist so schön nicht Atomkrieg“ geben. Wer würde bei diesen Worten nicht dahinschmelzen?

Gegen diese starken Songs steht auf „Planet Pink“ eine Hand voll Lieder, die durchwachsen bis wirklich mau sind. Während „MiMaMetal..?“ mit seiner Geschichte über einen Metaller, der eine Band gründet noch eher gelungen ist und sich in den Ohren festsetzt, sind Tracks wie „Einhorn“, „Wir kommen“ oder „Glaub mir lieber“ doch eher 08/15-J.B.O.-Standardkost. Zwar werden typische J.B.O.-Themen wie das männliche Geschlechtsorgan oder das Feiern aufgegriffen, aber irgendwie hat das Quartett das schonmal besser aufbereitet.

Zum Abschluss von „Planet Pink“ kommt mit „Volks-Prog“ mal wieder ein Ausflug in den Weltencrash der Volksmusik mit dem Heavy Metal. Allerdings handele es sich nicht um eine eingängige Mitgröhlnummer á la „Hose runter“, sondern um einen eher verqueren Track, der an ältere Lieder wie „HeidiHeidoHeida“ oder „Das vokuhilische Pendel“ erinnert. So skurril und abgefahren wie hier waren J.B.O. selten zu hören.

Unterm Strich bieten „J.B.O.“ mit „Planet Pink“ ein solides Album mit einigen Highlights und etlichem Durchschnitt dar. Die Band hat selbst einmal gesagt, dass es ihr Ziel sei, dass von jeder Platte wenigstens ein Song live gut funktioniert. Diese Vorgabe dürften sie zumindest erfüllen.

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Dominik

Groß geworden mit Punkrock und Power-Metal, weiterentwickelt mit Alternative und Thrash-Metal, erwachsen geworden mit ein bisschen Progressive-Metal. Und dennoch bleiben die All-Time-Favorites klassisch: Bad Religion, Die Toten Hosen, Machine Head, Iron Maiden, Blind Guardian, Faith No More.... und aus unerfindlichen Gründen mit einer heimlichen Zuneigung zu J.B.O. 

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