Odd Logic

Effigy

Odd Logic veröffentlichen mit „Effigy“ bereits ihr siebtes Album – und das erste, das mit einer festen Bandbestzung aufgenommen wurde. Die vorangegangenen Scheiben sind mir zwar nicht bekannt, aber „Effigy“ ist ganz klar hörbar ein Werk mit Hand und Fuss geworden.

Die grundsätzliche Ausrichtung liegt irgendwo zwischen Prog Rock und -Metal, in der gleichen Nische, in der sich auch Threshold, Tiles oder Magellan wohlfühl(t)en. In den ruhigeren Momenten schimmert noch ein wenig Enchant durch, hauptsächlich aufgrund des vergleichbaren Timbres von Boss Sean Thompson. Mit dem eröffnenden Titelsong schaffen es Odd Logic gleich, einen coolen 17-Minüter an den Mann zu bringen, der die Stärken der Band perfekt bündelt. Die Melodien sind erfreulich bodenständig, die Rhythmusgruppe groovt, statt sich wie die meisten Prog-Drummer der letzten Jahre in Egobefriedigung zu verlieren, und der rote Faden der Komposition bleibt immer erkennbar. So wünscht man sich anno 2017 die eigenständige Progband. Auch das nachfolgende ‚Master Of The Moor‘, das Erinnerungen an Queensryches Alternative-Ära hervorruft, weiß aufgrund des eingängigen Refrains zu gefallen, doch dann wird’s komisch. Mit ‚Mercenary‘ folgt nämlich ein, von eher dünnen „guttural vocals“ getragener 08/15-Prog Metal-Song, der so klischeehaft ausgefallen ist, daß man es kaum fassen kann, daß hier die selbe Band am Werk ist. Die kurze Akustiknummer ‚The Yearning‘ kann hingegen wieder mit toller Melodie und gefühlvollem Gesang punkten. Diese Dichotomie zieht sich dann durch den Rest der Scheibe – manchmal, wie in ‚Witch Runner‘ gar durch den selben Song. Warum man sich unbedingt musikalisch unspektakulär, klischeehaft und leider Gottes auch gänzlich unbrutal an Prog-Death-Elementen versucht, bleibt schleierhaft und, in Bezug aufs Gesamtbild, gänzlich unpassend. Seltsame Logik, in der Tat.

Trotz dieser harschen Kritik bleibt aber unterm Strich ein cooles Album, das lediglich von einigen – erfreulicherweise recht kurz gehaltenen – in die Hose gegangenen Experimenten ein wenig nach unten gezogen wird. Wer aber auch die oben erwähnten Bands steht, sollte sich Odd Logic auf jeden Fall als Tipp notieren. Da „Effigy“ auch exzellent produziert ist, will ich in meiner Benotung nun auch nicht zu hart sein. Das nächste Mal bitte aber ohne halbgare Anbiederungen an den Massengeschmack, ne? Zu beziehen bei den Underground-Spezialisten von Just For Kicks.

SaschaG

Verteidiger der uncoolen Musik: AOR, Symphonic Prog, Hardrock, Thrash- und Achtziger-Metal, Stax/Atlantic und Mainstream-Rock. Süchtig nach BBC-Serien und schrägem Humor. Findet, dass "Never Let Me Down" nur das viertschlechteste Bowie-Album ist und "Virtual XI" besser als alles, was Iron Maiden danach gemacht haben. 

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